Wikileaks, zum Dritten

Update

Es ist eine Explosion. Eine Woche nach der dritten Wikileaks-Enthüllung und den daraus folgenden Konsequenzen (internationaler Haftbefehl, Straf- und Todesdrohungen gegen Assange, Kabel-Leseverbote für Mitarbeiter von US-Behörden, Facebook- und Twitter-Warnungen an Journalismus-Studierende, die Wikileaks-Verbannung aus der Amazon-Wolke, die Journalismusschelte von Assage, der Entzug des Domain-Namens durch den Dienstleister EveryDNS (sic!), das Verbot bzw. die Blockade von Spenden via Paypal, das Crowdhosting durch hilfsbereite Organisationen, die Assange-Schelte durch die Journalisten) stapeln sich lesenswerte Artikel.

Je mehr ich dazu lese, desto eher komme ich zu dem Schluss, dass es sich bei der aktuellen Wikileaks-Enthüllung tatsächlich um einen wirklichen Bruch handelt. Obwohl ich diesen Trend-Vokabeln eher reserviert gegenüberstehe, hier scheint der Begriff der Disruptivität nicht falsch zu sein. Nach Wikileaks III werden weder das Netz, noch die Welt drumherum so sein wie zuvor (vgl. dazu den entsprechenden Kommentar für The European).

Es ist ein großes Problem, dass das eigentlich noch niemand so recht anerkennen will.

Hier eine kleine Materialsammlung:

Julian Assange, The truth will always win.

Don Alphonso (Interview), “Baut ein Denkmal für Julian Assange”
Aaron Bady, Julian Assange and the Computer Conspiracy.
Dan Gillmor, The censors are scoring a big win.
Alexander Görlach, Ein großes Loch.
Evan Hansen, Why Wikileaks is Good for America.
Mathew Ingram, Wikileaks is a Media Entity.
The Guardian, Q & A with Julian Assange.
Jeff Jarvis, Transparenz hilft gegen Enthüllungen.
Angus Johnston, Why Wikileaks isn´t trending on Twitter.
Nick Judd, Google: Wikileaks vs. Justin Bieber.
Lauren Kirchner, Why Amazon Caved (Q & A mit Ethan Zuckerman).
Thorsten Kleinz, Hackerethik gegen Staatsbürokratie.
Benedikt Köhler, Unterdrückt Twitter das Hashtag #wikileaks?
Ulrike Langer, Medienschau/Wikileaks Edition.
Geert Lovink/Patrice Riemens, Die Anarchie der Transparenz.
Alexis Madrigal, How to Think About Wikileaks.
Lorenz Matzat, Nach Wikileaks.
Jöran Muuß-Merholz, Virtuelle Akademie mit Daniel Domscheit-Berg.
John Naughton, What the attacks on WikiLeaks tell us.
David Pachali, Infowar mit Wikileaks.
Mark Pesce, The Blueprint.
Thomas Pfeiffer, Warum Julian Assange ein Terrorist ist.
Thomas Pfeiffer, Warum Wikileaks kein “trending topic” ist.
Martina Pickhardt, Gesellschaftslabor Wikileaks.
Reliable Sources (CNN), The Wikileaks Media Dilemma.
Reporters without Borders, Wikileaks Hounded?
Florian Rötzer, Wikileaks: Das Internet schlägt zurück.
Jay Rosen, The Watchdog Press Died (Video, 14 min).
Jay Rosen/Dave Winer, Rebooting the News #75.
David Samuels, The Shameful Attacks on Julian Assange.
Clay Shirky, Wikileaks and the Long Haul.
Micah Sifry, Freedom of the Press is Guaranteed…
Michael Stepper, Eine Ansage für Assange.
Lars Winand, 13 Punkte zu Wikileaks.

Ach ja, und das hier sollte man vielleicht auch noch mal etwas genauer lesen (vgl. auch Absatz 154):

Was im politischen Prozess in legitimer Weise nicht offen ausgetragen wird, muss unter den Bedingungen des politischen Wettbewerbs auch gegenüber anderen Verfassungsorganen nicht vollständig offenbart werden.

(Ursprünglicher Artikel, inkl. eigener Texte)

Das nächste Leck sorgt für Furore, auch wenn es sich hier um eine mE etwas andere Tragweite handelt. Eigentlich wäre nun die Zeit für den dritten Teil meiner kleinen Artikelreihe zu Wikileaks, als Titel würde sich nach Konjunktur und Ethik nun die Logik des Lecks anbieten. Leider fehlt mir im Augenblick die Zeit für ein paar ausführlichere Gedanken, aber immerhin gibt es ein paar akustische und schriftliche Notizen zum Thema.

Im Rahmen des 15-minütigen Beitrags Enthüllt! Wohin führt uns Wikileaks? im Hintergrundmagazin Kontext auf SWR2 vom 29.11. sind schon mal ein paar grundsätzliche Punkte angesprochen. Insbesondere geht es dabei um einen Vergleich der Leck-Effekte und Leck-Qualitäten mit den beiden ersten Publikationswellen. Heute folgt nun ein weiteres Radiostück, ich bin nämlich zusammen mit Thilo Weichert und Michael Seemann zu Gast in der “interaktiven” Sendung Redezeit bei NDR Info (Sendetermin: 30.11., 21.05-22 Uhr. Update: Die Sendung gibt es inzwischen auch in der NDR-Mediathek (Dank an @jmm_hamburg).

Doch es gibt auch schon eine Kleinigkeit zum Lesen – für die von Andrea Römmele (und anderen) herausgegebene Zeitschrift für Politikberatung habe ich einen Essay zu den Ähnlichkeiten zwischen Wikileaks und Open Data-Projekten geschrieben. Da der Text in dem noch zur Publikation anstehenden Sonderheft Gesellschaftsberatung erscheint, gibt es nun eine Art Preview im Blog Wahlen nach Zahlen, der bei ZEIT Online gehostet wird.

Unter der Überschrift Wikileaks und offene Daten – zwei Seiten einer Medaille? werden ein paar Gemeinsamkeiten hervor gehoben, außerdem finden sich darin auch einige Links auf interessante Texte zum Thema (Thx, @dr_meyer).

Und wenn manche bereits meinen, das Thema sei “schon wieder durch”, dann lohnt ein Blick auf die sehr guten und noch längst nicht geklärten Fragen, die Dan Gillmor hier zusammengefasst hat.

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2 Antworten to “Wikileaks, zum Dritten”

  1. Schreckliches Erwachen: Mit Wikileaks bekommt das Internet für die Massen endlich einen tieferen Sinn Says:

    […] gekommen. Endlich hätten die Verbreitungsmöglichkeiten des Internet den gesellschaftlichen Umbruch greifbar gemacht. Andreas Bogk vom Chaos Computer Club sagt, die Existenz von Wikileaks bedeute […]

  2. Containerbauer Says:

    Justin Bieber mag ich nicht. Aber ich mag Ihren Blog. :-)

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