Posts Tagged ‘Interactive Science’

Wikileaks und Pracademics

Freitag, 24. Juni 2011

Am kommenden Montag (27.6.) bin ich als Gast im Doktorandenseminar Wissenschaft und Internet an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf eingeladen. Organisiert wird die Veranstaltung durch eine Nachwuchsforschungsgruppe, die sich intensiv mit den Veränderungen des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses durch digitale, interaktive Medien auseinandersetzt.

Mein Sitzungstitel “E-Democracy” deutet zunächst einmal auf eine inhaltliche Stellungnahme zur Lage der (digitalen) Politikwissenschaft hin, ich möchte die Gelegenheit jedoch für einen kleinen Selbstversuch nutzen und anhand eines aktuellen Beispiels die Veränderungen in meiner eigenen Forschungstätigkeit zu beschreiben. Dazu stelle ich einige thematische Ansätze meiner Auseinandersetzung mit WikiLeaks vor – seit dem ersten Nachdenken über das Projekt und dessen gesellschaftspolitische Dimension sind einige Impulse und Interpretationsansätze zusammengekommen. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen jedoch nicht die (immer noch vorläufigen) “Erträge der Forschung”, sondern vielmehr die Art ihres Zustandekommens – der Prozess wissenschaftlichen Arbeitens selbst. Bei einem kleinen Rückblick zeigt sich, dass am Beginn ein kleiner Blogeintrag stand, auf den diverse Online- und Offline-Texte, mehrere öffentliche Vorträge und Diskussionen sowie ein Seminar gefolgt sind. Für den Spätsommer bilden (vorerst) zwei wissenschaftliche Aufsätze den Abschluss dieses Arbeitsprozesses an der Schwelle von Wissenschaft und Praxis.

Mit dieser Verortung bin ich beim dritten Teil meines Vortrags, der sich mit Pracademics befassen wird – unter diesem Begriff diskutieren die US-amerikanischen Kollegen die Kombination klassischer wissenschaftlicher Arbeitstechniken mit den Möglichkeiten der Kommunikation, Kollaboration und Publikation unter den Bedingungen neuer Medien. Ich meine, das passt recht gut in den Zusammenhang des Doktorandenseminars.

Now hiring!

Freitag, 6. Juni 2008

Wie kürzlich bereits angedeutet, nimmt im Juli das Forschungsprojekt Interactive Science am ZMI endgültig seine Arbeit auf. Dazu ein wichtiger Hinweis – im von mir mitverantworteten Teilprojekt Kollaboratives Wissensmanagement und Demokratisierung von Wissenschaft ist eine Stelle ausgeschrieben (es schadet nichts, wenn man sich ein wenig mit Weblogs auskennt…).

Die wesentlichen Daten:

  • Dotierung: 1/2-Stelle BAT IIa
  • Befristung: 1.7.2008 – 30.6.2011
  • Umgebung: Gießen, mit gelegentlichen Arbeitsaufgaben in Essen (am KWI)
  • Weiterbildung: erwünscht, Anbindung an GCSC möglich
  • Bewerbung: bis 19.6.2008

Zum Volltext der Ausschreibung.

Interactive Science? Weblogs & Wissenschaft

Sonntag, 25. Mai 2008

Die Thematik wurde neulich schon kurz gestreift: warum gibt es eigentlich so wenige bloggende Professoren? Aufgebracht wurde die leicht provokante, schön zugespitzte Fragestellung unter anderem in der Wissenswerkstatt, wo Chef-Schrauber Mark Scheloske ausführlich verschiedene Aspekte des W-Blogging skizziert hat. Seine These von der Demokratisierung der Wissenschaftskommunikation durch Blogs wird künftig auch in einem neuen Arbeitszusammenhang am ZMI thematisiert werden – im Sommer nimmt das aus Mitteln der VW-Stiftung geförderte Projekt Interactive Science – Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien seine Arbeit auf (vgl. die ZMI-Pressemitteilung hier).

Dieser Rahmen sollte künftig den Raum geben, um sich ausführlicher mit Fragen des wissenschaftlichen Bloggens bzw. des Bloggens als Wissenschaftler bzw. der wissenschaftlichen Blogosphäre widmen zu können (allein die genauere Differenzierung dieser drei Bereiche wäre schon eine nicht unspannende Angelegenheit). Derzeit läuft ein erstes “Abtasten” des empirischen Untersuchungsraumes, der sich jenseits des bewilligten Forschungsantrages inzwischen aufspannt – eingereicht wurde der Antrag im Herbst vergangenen Jahres, der Zuschlag kam im April, der eigentliche Projektstart ist im Juli. Dass sich mittlerweile einiges getan hat, zeigen Blogposts wie der oben erwähnte, das Aufkommen kommerzieller Portale wie ScienceBlogs (Burda) oder Scilogs (Spektrum der Wissenschaft), aber auch Grassroot-Aktivitäten wie die Hard Blogging Scientists oder das Wissenschafts-Café.

Zumindest auf einen Punkt sei gewissermaßen “aus dem Stand” und aus eigener Erfahrung an dieser Stelle hingewiesen: der populäre Drive der Blogosphären-Debatte, dass Professoren nicht (oder nur extrem selten) bloggen würden, verkennt mE die inzwischen massiv angestiegenen Anforderungen an jene wissenschaftliche Online-Kommunikation, die hinter den virtuellen Campus-Mauern stattfindet. Gemeint ist damit die Betreuung von Seminaren und Vorlesungen auf den so genannten “Lehr- und Lernplattformen” wie Stud.IP, Ilias oder Moodle. Im Zuge der Entwicklung und des wachsenden Einsatzes solcher E-Learning-Angebote multipliziert sich die Notwendigkeit der Bereitstellung von “wissenschaftsnahen” Inhalten in zum Teil “Blog-ähnlichen” Strukturen. Dabei besteht eine gewisse Absorptionsgefahr – denn Texte, Ideen, Kommentare oder Hinweise, die begleitend zu einer Lehrveranstaltung publiziert werden, verfügen immer schon über eine “Rahmung” und sind daher weniger aufwändig in der Erstellung. Den gleichen Sachverhalt für ein extern lesbares Blog aufzubereiten, erfordert einen höheren Aufwand, denn schließlich begibt sich der bloggende Wissenschaftler in den Bereich der öffentlichen Debatte – und dort möchte man doch bitteschön ordentlich und seriös auftreten.

Gewiss – in Deutschland hat “wissenschaftliches Bloggen” vermutlich einen besonders schweren Stand, man kennt ja die Verkrampftheit, mit der sich der deutsche Elfenbeinturm neueren Kommunikationsformen zuwendet (vgl. die Diskussion um die (mindestens!) kulturzersetzende Wirkung von Powerpoint). Leuchtende Beispiele gibt es auch, aber eher anderswo – was passiert, wenn sich ein etablierter Wissenschaftler auf das Medium Weblog einlässt und damit experimentiert, zeigt das Beispiel des MIT-Professors Henry Jenkins. Mit seinen Confessions of an Aca-Fan leistet er im besten Sinne einen Beitrag zur Demokratisierung der wissenschaftlichen Kommunikation, indem er zum Beispiel Studierende als Gastautoren integriert, die dort mehrseitige Paper aus Seminarveranstaltungen platzieren. Außerdem finden sich Field Notes, Interviews, Essays, Tagungsberichte, Kommentare et cetera – das Resultat ist ein Steinbruch unterschiedlichster Materialien aus seinem Forschungsbereich.

Hierzulande jedoch scheint Jenkins´ extrem offene Interpretation des Spielfeldes Weblog schlichtweg nicht denkbar – das akademische Umfeld würde pikiert die Nase rümpfen und sich schnell wieder der “wirklichen Wissenschaft” zuwenden: Büchern und Zeitschriften, den alt-europäischen Ikonen der Wissenschaftskommunikation.


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