Jornal do Sul: São Paulo

Freitag, 2. Dezember 2016

Etwa zur Halbzeit meines Residenzaufenthaltes in Brasilien stand der erste Ausflug zu einem befreundeten Instituts-Standort an: in der vergangenen Woche war ich für knapp drei Tage in São Paulo. Um es kurz zu machen – eine mehr als beeindruckende Stadt. Trotz der massiven Größe (City: ca. 12 Millionen; Region: ca.  21 Millionen) sehr zugänglich, tendenziell sicher, mit einer sehr modernen Metrô ausgestattet (inkl. Belegungsanzeigen für einzelne Wagen des einfahrenden Zuges – cool) und trotzdem auch zu Fuß gut zu erschließen.  Neben den Wirtschafts- und Finanzquartieren (Betonwüste, ja, mit Hubschrauberlandeplattformen auf den Dächern) gibt es auch mondäne Gartenstadtviertel mit cooler Architektur (Beverly Hills ohne Hügel) oder Hipster-Quartiere (Shoreditch in San Franciso-mäßiger Topografie). Sämtliche Annehmlichkeiten moderner Groß-Großstädte sind vorhanden (Gastronomie, Shopping, Kultur, Sport, Musik, Szene…) und sie werden auch eifrig genutzt.

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Pracademics vs. Trump

Mittwoch, 23. November 2016

Die ersten beiden Wochen nach der US-Präsidentschaftswahl sind gekennzeichnet von einem erhöhten Meinungs- und Nachrichtenaufkommen: das Versagen der pollster, Anti-Trump-Proteste, Kritik am Electoral College, hate speech, die holprige Transition to Power, Erklärungsversuche zum Wahlverhalten, (düstere) Zukunftsperspektiven, die Debatte um „Fake News“, erste internationale Gehversuche (und Irritationen) der Trump-Familie Adiminstration bis hin zur Frage nach dem Umgang mit der Presse (und deren Freiheit). Die Liste ist lang und längst nicht abgeschlossen.

Doch neben den unzähligen Medienberichten über die verschiedenen Ebenen des Trump-Aftermath gibt es noch eine weitere Ebene der Auseinandersetzung mit dem anstehenden Wechsel im Weißen Haus. Die Kommentare, Essays, Analysen und Interventionen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich ebenfalls zu Wort melden – zum Teil als Gastautoren in den etablierten legacy media, sehr häufig aber auch in einer in Deutschland eher übersehenen From: den politischen (oder besser: politikwissenschaftlichen) Blogs.

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Jornal do Sul: Transition

Mittwoch, 16. November 2016

Die US-Präsidentschaftswahl vom 8. November ist natürlich auch hier im Süden ein Thema – in den nächsten Tagen werde ich dazu noch in zwei Workshops mit Lehrenden und Studieren der UFBA darüber reden. Am Wahltag selbst waren die Meinungen noch gespalten: einerseits gab es Befürchtungen ob der Beziehungen zwischen Brasilien und den USA mit einem besonderen Blick auf den Status der expats, andererseits fiel der Blick auf mögliche neue Spielräume und Einflussmöglichkeiten im südamerikanischen Raum, nicht unähnlich der in Europa geäußerten Fokussierung auf die eigene Region. Diese Perspektiven gilt es in weiteren Gesprächen noch zu präzisieren und zu vertiefen.

Doch nun zu etwas ganz anderem…

…nein, nicht dem ziemlich überheblichen (okay, auch einigermaßen lustigen) Brief von John Cleese an die USA, sondern zu einem anderen Thema, das vielleicht auch gewisse Comedy-Elemente enthält, aber eigentlich eine grundernste Angelegenheit darstellt: den Prozess der Transition of Power, der Übergangsphase zwischen zwei Präsidentschaften.

Bislang dominiert in der Berichterstattung das Erstaunen (und nicht selten: Entsetzen) über die geplante Zusammensetzung des Teams, mit dem president-elect Donald Trump die Arbeit im Weißen Haus aufnehmen will. Als Top-Personalien gelten bisher die Nominierung (noch nicht: Ernennung) von Reince Priebus, dem Vorsitzenden des Republican National Committee zum White House Chief of Staff sowie die Entscheidung, den rechtskonservativen, offen anti-semitischen Publizisten Stephen Bannon zum Counselor to the President zu machen. Die US-amerikanischen Medien sind voll von Berichten und Kommentaren zum aktuellen Stand der Dinge (vgl. hier, hier, hier und hier), und den bisherigen transition process als „holprig“ zu bezeichnen, ist ein Euphemismus (okay, für Donald Trump „is it going so smoothly“, aber das steht bei Twitter und somit auf einem anderen Blatt).

Noch nicht allzu viel Aufmerksamkeit bekommt dagegen das in den vergangenen Jahren stark angewachsene Regelwerk, das den Übergang zwischen zwei Präsidentschaften reguliert, nämlich der Presidential Transition Act. Wirklich überraschend ist das nicht, denn das Paket ist im Lauf der Zeit recht unübersichtlich geworden, durch zahlreiche Updates, Ergänzungen und flankierende Presidential Orders.

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Jornal do Sul: Greve Geral

Freitag, 11. November 2016

Heute ist in Salvador der Tag des paralisação, der Tag des Stillstands, der Lähmung des öffentlichen Lebens – nein, das ist kein öffentlicher Feiertag, sondern das Resultat eines Streikaufrufs der Frente Brasil Popular (etwa „Brasilianische Volksfront“ – wer hier an Monty Python denkt, liegt vielleicht nicht ganz falsch, doch die Sache ist eine ernste Angelegenheit).

In dieser Gruppe organisieren sich zahlreiche Verbände, Organisationen und Bewegungen des linken Spektrums, insbesondere mit einem Fokus auf die Jugend, Frauen, Menschen afro-brasilianischer Herkunft, die LGBT-Community aber auch Regionalverbände und Arbeiter- bzw. Berufsgenossenschaften. Für manche ähnelt das Bündnis der spanischen Podemos-Bewegung, aktuell formuliert es massive Kritik an den ersten Entscheidungen und Richtungsänderungen unter Michel Temer, der nach dem Amtsenthebungsverfahren gegen die wiedergewählte Präsidentin Dilma Rousseff die Regierungsverantwortung an sich gezogen hatte (vgl. hier). Im Zentrum der Proteste stehen Einschnitte im Bildungswesen, das im besonderen durch Umverteilung staatlicher Zuschüsse zu leiden hätte. Der Slogan ist knapp und eingängig: Fora Temer! – Temer, hau ab!

(Update 1: Dazu passt ein erneuter Angriff der vormaligen Präsidentin Rousseff auf ihren ehemaligen Running-Mate Temer – sie wirft ihm die unrechtmäßige Annahme von Spendengeldern während der gemeinsamen Kampagne in 2014 vor (vgl. hier). Es bleibt zu fragen, wie eine solche Aktion auf die Bevölkerung wirkt – in der aktuellen Gemengelage ist eher davon auszugehen, dass es die Ablehnung gegenüber der politischen Elite verstärkt. Bereits bei den Kommunalwahlen im Oktober hatte sich die Zahl der Nicht- oder „Weißwähler“, die sich der hier geltenden Wahlpflicht durch ein Ungültigmachen der Stimme entzogen haben, deutlich erhöht. Die Verlängerung der Fehde der beiden politischen Spitzenkräfte und die Behandlung durch die Gerichte wird das politische Klima in Brasilien jedenfalls kaum beruhigen.)

Allerdings sind die Effekte der Protest-Bewegung bislang kaum messbar – in den Kommunalwahlen haben in den großen Städten verlässlich die Kandidaten des konservativen Lagers gewinnen können. In einer Stadt wie Salvador regiert nach den Wahlen der mit übersoliden 75% ins Amt gewählte Antônio Carlos Magalhães Neto und fährt dort ein Infrastruktur- und Sicherheitsprogramm, das bei der lokalen (Wahl-)
Bevölkerung offenbar ganz gut ankommt.

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Jornal do Sul: Show Notes

Dienstag, 8. November 2016

Der Countdown läuft, hier eine kleine Sammlung von Materialien, die heute ganz nützlich sein könnten – ohne weitere Kommentierung. (Post under construction).

+++ Legacy Media +++

New York TimesWashington Post | Los Angeles Times

CBSMSNBCCNNFox News

ARD Blog / Stream | ZDF Szenario / Stream / #USWahlLab

+++ Umfragen, Statistiken, Early Voting +++

FiveThirtyEight Website | Live-Blog
US Election Project
Early Voting Information Center

Twitter-Liste Election 2016

+++ Voter Monitoring / Live-Casting +++

Votecastr (Slate x Vice News) Twitter-Feed | Live-Video
Electionland (Google News Lab x CUNY x …) Website | Twitter-Feed
Facebook Vote Planner

+++ Swing States/Election Officials +++

Florida Election Watch/Division of Elections
North Carolina State Board of Elections
Ohio Secretary of State/Live Results

+++ Candidates +++

Hillary Clinton | Donald Trump/@ | Jill Stein | Gary Johnson | Evan McMullin

Jornal do Sul: Der lange Wahltag

Montag, 7. November 2016

Zwar steht im Kalender der 8. November als Tag der US-Wahl, doch die historische Terminierung auf den Tuesday next after the first Monday in the month of November ist schon länger nur noch eine symbolische. In diesem Jahr wird diese Verlängerung des Abstimmungszeitraums noch deutlicher sichtbar als in den beiden vorangegangenen Wahlen – die zahlreichen Beobachter des Early Voting gehen davon aus, dass bereits mehr als 42 46 Millionen Stimmen abgegeben worden sind (vgl. das etwas unübersichtliche Excel-Datenblatt des United States Election Project). Man weiß natürlich nicht ganz genau, für wen die Stimmen nun gezählt werden, doch lässt die nicht selten bekannte party affiliation schon ahnen, ob es republikanische oder demokratische Wähler:innen gewesen sind. Im Verbund mit der Aufschlüsselung nach Stimmbezirken lassen sich dadurch die zur Genüge vorhandenen Umfragen natürlich verfeinern und vertiefen – oder kritisch hinterfragen.

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Jornal do Sul: Eleições no Norte

Samstag, 5. November 2016

Die erste Woche in Salvador ist inzwischen vorüber – etwas Zeit habe ich durch eine Erkältung verloren (deshalb auch: wenig los im Blog). In der Tendenz waren Klima und Klimaanlagen wohl nicht ganz schuldlos. Die Jahreszeit vielleicht auch. Egal. Trotzdem habe ich mich hier gut eingewöhnt und bin in die aktuellen Residenz-Routinen eingestiegen: lesen, recherchieren und planen.

Das ist auch nötig, denn schon am kommenden Dienstag organisiere ich hier in der Vila Sul einen Workshop zur Wahl in den USA. Gemeinsam mit dem Team des Goethe-Instituts, den Mit-Residenten und einigen Angehörigen der hiesigen Uni schauen wir uns den Verlauf der Stimmenauszählung an und kommentieren das Geschehen auf der anderen Seite des Kontinents. Ein programmatisches Ziel der Residenz ist ja, den Begriff des „Globalen Südens“ als Orientierungspunkt zu begreifen – insofern wirkt eine Veranstaltung zu den eleições vielleicht etwas überraschend. Andererseits gibt es hier in Salvador durchaus ein starkes Interesse an den Entwicklungen im Norden (nebenbei ganz interessant, mal nicht über den „Westen“ zu sprechen, wenn es um die USA geht), und das ist durchaus auch ein Treiber für die Veranstaltung am nächsten Dienstag.

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Jornal do Sul: Check-In

Samstag, 29. Oktober 2016

riogaleaoMit der erfolgreichen Anreise nach Salvador-Bahia (über den teilweise noch im Olympia-Modus arbeitenden Flughafen Tom Jobim in Rio de Janeiro, vgl. rechts) hat heute mein Residenzaufenthalt am Goethe-Institut begonnen.

In loser Folge werde ich in den kommenden Wochen darüber schreiben. Einige inhaltliche Anhaltspunkte hatte ich vor kurzem hier bereits notiert, nun ist es Zeit für (aller)erste Eindrücke. Ich kenne die Stadt Salvador bereits von zwei früheren Besuchen, und erneut hat sich einiges verändert. Am auffälligsten ist bisher die Großbaustelle der Metro Bahia, deren Linha 2 vom Stadtzentrum aus bis zum Flughafen reichen wird. Allerdings ist über eine Strecke von ca. 20 Kilometern noch vieles Stückwerk. Die Haltestellen stehen teilweise im Rohbau, Gleise fehlen, die Elektrifizierung auch. Erst rund um das WM-Stadion Fonte Nova (genau, Deutschland – Portugal 4:0) ist der Bau fertig und funktionstüchtig. Schnell ertappt man sich beim (typisch deutschen?) Gedanken „Wäre sicher praktisch gewesen, wenn es die Bahn schon zur WM 2014 gegeben hätte“. Hier in Salvador aber scheint das Projekt ausdrücklich gewürdigt zu werden, es bringt Menschen in Arbeit, es steht für Aufbruch und Modernisierung (wobei die knallgelben, -grünen und -orangen Overalls irgendwie an Einsätze in Katastrophengebieten erinnern, schon wieder so ein mitgebrachter Gedanke).

Auf jeden Fall dauerte der Transfer vom Flughafen zum Goethe-Institut gerade mal 35 Minuten, es ging viel schneller als 2013 oder 2010. Der Empfang war überaus herzlich, nach einer kurzen Einweisung in die gerade erst fertiggestellten Residenzräume hatte das Goethe-Team eine traditionelle feijoada vorbereitet. Diese explizit nicht-vegane Eintopfart ist durchaus sättigend und es hätte auch einige gute Fotomotive für die sozialen Netzwerke gegeben, aber ich habe das mal unterlassen (bislang habe ich aber noch keine gravierenden Unterschiede in der digitalen, mobilen Mediennutzung feststellen können). Getafelt wurde übrigens direkt vor meiner Unterkunft – hier schon mal das Türschild dazu, weitere Bilder folgen.

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Ein erster Austausch mit den anderen Resident:innen (an Bezeichnung und Rolle muss ich mich erst noch gewöhnen) war schon sehr spannend. Die meisten haben einen Hintergrund im Theater- und/oder Performancebereich, das könnte u.a. für die Begleitung der anstehenden US-Wahl ganz interessant werden: am 8. November wird es in der Vila Sul die lokale Variante eines academic viewing geben, ein Format, mit dem ich erstmals 2004 in Gießen Erfahrungen habe sammeln können.

In den nächsten Tagen wird mein Aufenthalt daher einerseits im Zeichen der Eingewöhnung stehen (Stadt, Sprache, Wetter, frühe Sonnenauf- und -untergänge), andererseits in der Vorbereitung des amerikanischen Wahlabends. Auf dem Programm steht u.a. die Lektüre von Trumpland, der Schweizer Journalist Walter Niederberger hat hier das Porträt einer gespaltenen Nation vorgelegt. Geplant ist für den 8. November auch ein Austausch mit Lehrenden und Studierenden der Bundesuniversität Salvador (UFBA) – wenn es gelingt, hätten wir eine schöne Gesprächskonstellation im Dreieck zwischen Deutschland, Brasilien und den USA. Hinweise auf zeigens- und diskussionswürdiges Material werden in den einschlägigen sozialen Netzwerken jederzeit gerne entgegengenommen.

(Nachtrag: Im Hof des Goethe-Instituts ist jetzt, um kurz vor 22 Uhr Ortszeit, noch guter Betrieb, auf einer kleinen Bühne werden Songs des aktuellen Literaturnobelpreisträgers dargeboten. Ich weiß nicht, ob das als Teil einer deutsch-amerikanisch-brasilianischen Kulturpartnerschaft geschieht – aus (traurigem) tagesaktuellen Anlass wären ja vielleicht auch ein paar Stücke von Manfred Krug passend gewesen, aber dazu wird es  wohl nicht kommen.)

In eigener Sache: Vila Sul

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Zuletzt hatte ich es angedeutet – im gerade begonnenen Forschungssemester wird es auch eine längere Abwesenheit geben, hier nun einige Informationen dazu. Am 27. Oktober beginne ich einen Auslandsaufenthalt als Gast im Residenzprogramm Vila Sul, das vom Goethe-Institut Salvador-Bahia veranstaltet wird (ja genau, es geht um Brasilien). Bis zum 15. Dezember wohne und arbeite ich in den Räumen des Instituts, das als einer von (bisher) wenigen GI-Standorten auf diese Weise den Austausch und die Kommunikation mit lokalen Szenen vor Ort fördert.

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(Ja. Dort.)

Das Residenzprogramm richtet sich an „Intellektuelle,‭ ‬Künstler/-innen,‭ ‬Wissenschaftler/-innen und Autoren/-innen aller Disziplinen bzw.‭ ‬an interdisziplinär arbeitende oder forschende Personen“.‭ Es gibt auch ein gemeinsames Thema für die Resident:innen, dies ist recht allgemein, aber nicht unspannend, mit Süden‭ überschrieben. Im Rahmentext dazu finden sich durchaus gute Anknüpfungspunkte zu meinen bisherigen Arbeiten:

In einer sich immer stärker globalisierenden Welt‭ ‬– mit den Hauptmerkmalen einer sich potenzierenden Digitalisierung und der gleichzeitigen Suche nach neuen‭ analogen‬ Beziehungen‭ ‬– sind kulturelle Vernetzungen eines der wichtigsten‭ Instrumente der Positionierung.‭ ‬Residenzen sind dabei ein besonders wirksames Format für nachhaltige Begegnung und kreative‭ (‬Ko-‭)‬Produktion.‭ ‬Allerdings bedarf es neuer Ansätze,‭ ‬die es vermögen,‭ ‬vielfältig zu agieren und multipel zu wirken.‭ ‬Denn das bloß‭ Bilaterale‬,‭ ‬das Hin und Her,‭ ‬ist in dieser Welt,‭ ‬die nach einer neuen Ordnung sucht,‭ ‬nicht mehr ausreichend.

Das Residenzprogramm steht in Salvador noch am Anfang, in den Zeitraum meines Aufenthaltes fällt auch die offizielle Eröffnung am 16. November – hier ist mit Bundestagspräsident Norbert Lammert ein sehr interessanter Gast angekündigt (der bis dahin vielleicht ja noch interessanter geworden ist).

Gefördert wird der Aufenthalt nicht nur durch das Goethe-Institut, ein weiterer Partner ist die Robert-Bosch-Stiftung – in Salvador wird es während des Aufenthaltes einige öffentliche Veranstaltungen geben, im Goethe-Institut und evtl. auch an der Bundesuniversität von Salvador-Bahia (UFBA). Dorthin gibt es bereits einige Verbindungen, denn ich war bereits 2010 und 2013 jeweils für einige Tage zu Gast in Salvador. Beide Besuche waren überaus ertragreich, aber ein längerer Forschungsaufenthalt wird sicher noch ganz andere Einblicke ermöglichen.

Besonders interessant erscheint aus politikwissenschaftlicher Perspektive zunächst die Frage nach dem aktuellen Zustand des politischen Systems – das Impeachment der gewählten Präsidentin Dilma Rousseff und die Amtsübernahme ihres ehemaligen Stellvertreters Michel Temer ist ein Novum für die noch immer junge Demokratie. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand, der zu meinem Forschungsportfolio passt, ist die Comissao Nacional da Verdade sowie die damit verbundene Transparenzoffensive. Das Gremium hat sich bis 2014 mit der Aufarbeitung der Militärdiktatur befasst,  die ehemalige Präsidentin Rousseff hatte hier auch Aspekte der Tätigkeit von Ethik-Kommissionen stärken wollen. Ob davon noch etwas zu spüren ist? Wir werden sehen.

In den nächsten Wochen werde ich den Aufenthalt in Brasilien hier im Blog begleiten, nicht unbedingt mit einer sehr verregelten Publikationsstruktur, aber es sollte doch mit einer wesentlich höheren Frequenz von Postings zu rechnen sein.

(Okay, es gäbe da noch dieses prominente Musik-Video, das in Teilen in der Altstadt von Salvador gedreht wurde. Aber nein, das poste ich hier nicht).

In eigener Sache: Forschungssemester

Donnerstag, 6. Oktober 2016

So. Nun ist es also so weit – seit dem vergangenen Samstag (1. Oktober) bin ich offiziell im Forschungssemester. Ich habe das Formular nach § 40 Hochschulgesetz (NRW) ordnungsgemäß ausgefüllt und die Kolleg:innen hier an der UDE haben meinem Antrag auch zugestimmt. Yay!

Das heißt gleichzeitig: ich bin seit mindestens acht Semestern in der Lehre tätig gewesen (genau genommen waren es bereits elf) – es ist wohl irgendwie auch an der Zeit. Seit der Berufung im Sommersemester 2011 habe ich 36 Lehrveranstaltungen angeboten (Vorlesungen, Seminare, Übungen etc.) und in dieser Zeit 76 Gutachten für diverse Abschlussarbeiten geschrieben. Die Zahl korrigierter Hausarbeiten und Klausuren möchte ich lieber gar nicht genau wissen (die Bretter im Archivschrank biegen sich langsam), dazu gab es ja auch noch mündliche Prüfungen und alljährlich die Auswahlgespräche für unseren Master-Studiengang Politikmanagement an der NRW School of Governance… Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: ich bin sehr gerne in der Lehre aktiv und freue mich jedes Mal auf den Semesterstart, das Diskutieren mit den Studierenden entlang einer insgesamt doch recht frei zu gestaltenden Agenda macht nach wie vor großen Spaß.

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