#1550zeichen: Homelessness I

Montag, 15. August 2022

In der letzten Woche hatte ich die Gelegenheit, mit meinen Co-Fellows Doris Kleilein und Friederike Meyer sowie ihrem Gast, Architekturprofessor Sergio Palleroni, einige Projekte zu diskutieren und anzusehen. Thema ihres Fellowships ist insbesondere die Frage, inwiefern sich Städte nach der Pandemie verändern – ihr erster Aufenthalt in LA. wurde vom großen Lockdown im März 2020 unterbrochen, zwei Jahre und ein Buch später setzen sie ihre Arbeit nun fort. Eine große Herausforderung ist aktuell die Suche nach einer städtebaulichen Reaktion auf die mit ca. 75.000 Menschen stark gewachsende Gruppe der homeless people. Ein großer Teil lebt aktuell in Zelten im Stadtteil Skid Row, nur wenige Blocks von Downtown Los Angeles (DTLA) entfernt. Dort steht mit den Star Apartments des Architekten Michael Malzan das Vorzeigeprojekt eines neuen sozialen Wohnungsbaus, der für die Benutzer den Übergang aus der Obdachlosigkeit in normale Mietverhältnisse motivieren soll. Ein weiteres Projekt ist das Alexandria Park Tiny Home Village in North Hollywood, das eine besondere Form der Shelter-Architektur darstellt. Die Struktur besteht aus 103 Mini-Wohnungen, die in etwa die Größe eines (kleinen) Wohnwagens haben. Neben dem Highway 101 ist eine bedrückend-beeindruckende Community entstanden, in der basale Schutz- und Serviceleistungen angeboten werden. Das ist eine lo-fi-Variante von shelter buildings, die in ähnlicher Form bereits mehrfach in LA. etabliert wurde. Inwiefern aus solchen Projekten dauerhafte Lösungen werden, muss die Zukunft zeigen.

#1550Zeichen: Riviera Running Club

Samstag, 30. Juli 2022

Andreas Platthaus, Feuilleton-Redakteur der FAZ und Thomas Mann Fellow 2019, war zuerst da: mit den Straßen rund um den San Remo Drive liegt ein vorzügliches Lauf-Revier direkt vor der Haustür. Platthaus´ Erfahrungen sind an mehreren Stellen in seinen Erfahrungsbericht „Auf den Palisaden“ eingeflossen, einige Streckenabschnitte habe ich nun selbst getestet. Im Gegensatz zu meinen üblichen Laufrunden am flachen Düsseldorfer Rheinufer muss man hier immer mit etwa 120 Höhenmetern rechnen – dann erreicht man auch die schönen schattigen Straßen südlich des Sunset Boulevard, der das in den 1920er Jahren erschlossene Riveria-Viertel durchschneidet. Es ist eine residential area mit reichlich prominenter Nachbarschaft – allerdings sieht man Tom Hanks, Goldie Hawn, Steven Spielberg, Jennifer Lopez oder Adam Sandler eigentlich nie, da deren Anwesen zumeist hinter hohen Hecken oder in private streets verborgen sind (oder es ohnehin nur der Zweit- oder Drittwohnsitz ist). Interessanter ist die Laufrunde in den Morgenstunden, denn dann sind einige Gartentore geöffnet – aber nicht, weil die Bewohner zum Plausch auf der front porch sitzen, sondern weil diverse Dienstleister sich um das Grün des Rasens oder den Schnitt der Bäume (und Hecken) kümmern. Tagsüber sieht man hier so gut wie keine Menschen, lediglich einige Hunde werden ausgeführt. Das kann natürlich auch einfach daran liegen, dass es hier keine Bürgersteige gibt. Aber die würden ohnehin nur Fellows aus dem Thomas Mann House nutzen, die sich gegen einen Mietwagen entschieden haben.

#1550zeichen: Der tägliche Mann

Donnerstag, 21. Juli 2022

Nicht nur in Deutschland sorgt der auf den ersten Blick unscheinbare Twitter-Account @DailyMann für Aufsehen – auch hier in Pacific Palisades erfreut man sich an den aphorismenhaften Kurztexten. Auf dem Account veröffentlicht der Berliner Germanist Felix Lindner täglich einen scheinbar willkürlich ausgewählten Auszug aus Manns Tagebüchern: „Kaffee aus neuer Eigen-Tasse“, „Starke Schleimabsonderung. Sollte wohl nicht rauchen“ oder „Ratlosigkeit und tägliche Entnervtheit nach 3stündiger Arbeit“ sind typische Tweets, die die inzwischen mehr als zehntausend Follower ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Retweets, Mentions und Antworten wächst beständig, die Traditionsmedien berichten bereits. Ganz zufällig kommt der Erfolg aber nicht, denn Lindner ist Mitglied des DFG-Graduiertenkollegs „Kleine Formen“ und weiß, was er tut. In seiner Dissertation forscht er über „Die Vorbereitung des Werks. Körperprotokolle und Schreiboptimierung um 1900“. Seine Sammlung von „Diätplänen, Hygieneregeln, Konstitutionsschauen oder Ausdauervorkehrungen“ dient der Entwicklung eines Konzepts der literarischen Effizienz – so eine zentrale These der Forschungsarbeit. Damit trifft Lindner offenbar einen Nerv, denn Selbstoptimierung ist ganz sicher ein Thema der Zeit. Nebenbei wächst so vielleicht auch das Publikum für die etwas längeren Formen aus Manns literarischem Werk, für die er ja eher bekannt ist. Doch wer weiß, möglicherweise erscheinen demnächst auch noch die für die BBC aufgezeichneten Radiosendungen als „Deutsche Hörer!“-Podcast mit 55 Episoden?

#1550zeichen: You are now entering the Immunization Area

Montag, 18. Juli 2022

Seit Wochen steigen die Covid19-Zahlen in Kalifornien und das nächste „mask mandate“ liegt in der Luft – der Grenzwert in der Stufe „high“ ist erreicht und wenn dieser Zustand noch etwa eine Woche anhält, dann gilt in LA County auch wieder eine weitreichende Maskenpflicht. Das Thema beschäftigt natürlich auch die Insassen des Thomas Mann House – also fand ich mich nach ausführlicher Lektüre diverser Informationsmaterialien am gestrigen Sonntag in der lokalen „Integrative Pharmacy“ wieder und wartete auf meinen zweiten Booster-Shot. Weil Wochenende war, konnte ich kein Online-Anmeldeformular ausfüllen und musste mich so mit der diensthabenden Ärztin auseinandersetzen. Nach kleineren Irritationen händigte ich der freundlichen Fachkraft meinen Reisepass und das vorsorglich mitgeführte Impfbuch (gelbes Original aus den 1970er Jahren) aus. Die Dokumente wurden kopiert und etwas später öffnete sich für mich die Tür zur „Immunization Area“ im hinteren Teil der Drogerie-Apotheke. Dort war es dann so wie im handelsüblichen Impfzentrum in Deutschland: „Haben Sie Symptome? Sind Sie allergisch? Was passierte nach den ersten Impfungen?“ Und zack, schon saß der vierte Shot im Arm. Danach 15 Minuten warten, nur eben zwischen Zahnpasta, Blasenpflastern und Gehhilfen. Schließlich hielt ich stolz meine CDC Covid-19 Vaccination Record Card in der Hand. Wie man dieses Dokument in ein in Europa anerkanntes digitales COVID-Zertifikat verwandeln kann, ist ein anderes Thema. Im Auswärtigen Amt weiß man dazu leider noch nichts genaueres. Stay tuned.

#1550Zeichen: Als Thomas Mann den Podcast erfand

Samstag, 16. Juli 2022

Am Montag Dienstag spreche ich mit Deutschlandfunk Kultur, und zwar mit Carina Schroeder für eine Episode des „Über Podcast“-Podcasts. Im Beitrag geht es um das Verhältnis von Aktivismus, Journalismus und Öffentlichkeit. Der Ort der Aufzeichnung könnte passender nicht sein – für solche Formate ziehen sich die Fellows im Thomas Mann House in die „Study“ des Patrons zurück, dort ist es ruhig, es gibt einen Ethernet-Anschluss und die Regale und Bücher bilden einen guten akustischen Hintergrund. Außerdem wurde hier quasi das Podcasten erfunden, nur hieß das damals nicht so – zwischen 1940 und 1946 entstanden hier die 55 Radioansprachen mit dem Titel „Deutsche Hörer!“, mit denen der exilierte Nobelpreisträger in Kriegszeiten (und danach) die deutsche Bevölkerung zu erreichen suchte. Anders als heute gestalteten sich Aufnahme und Distribution allerdings sehr viel komplizierter – zunächst verfasste Mann lediglich die Texte, schickte sie nach London und ein „deutschsprachiger Angestellter der BBC“ las sie zur Ausstrahlung vor. Ab März 1941 übernahm Mann das Einsprechen jedoch selbst. Im „Recording Department der NBC“ wurde eine Schallplatte als Zwischenspeicher produziert, nach New York geschickt und von dort telefonisch nach London übertragen. Inzwischen sind die Ansprachen sorgfältig dokumentiert und annotiert, so dass man nun auch von zahlreichen „Shownotes“ sprechen könnte. Die Ähnlichkeiten sind auffällig, sicher gibt es dazu auch schon medienhistorische Abhandlungen – vielleicht frage ich dazu gleich mal meinen Co-Fellow Claus Pias

#1550Zeichen: Die USA werden kleiner

Sonntag, 10. Juli 2022

Es klang in den letzten Wochen an verschiedenen Stellen immer wieder mal an, jetzt hat es Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda in einem Blogbeitrag genauer notiert: die auswärtige Wissenschaftspolitik steht vor erheblichen Einschnitten, der DAAD, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und das Goethe-Institut müssen massive Kürzungen hinnehmen. Die Folgen werden sich nicht erst durch künftig niedrigere Studierenden- und Doktorand:innenzahlen zeigen oder durch weniger internationale Gäste an deutschen Hochschulen. Hier in den USA zeigen sich bereits ganz unmittelbare Effekte: so sind die in den letzten Jahren an verschiedenen Standorten eingerichteten „Goethe Pop Ups“ seit Ende Juni geschlossen. Das waren kleine, agile Projekträume, die als Basis für Konzerte, Ausstellungen oder Vorträge genutzt wurden – und zwar an Standorten, die etwas abseits der üblichen Reisewege durch die USA liegen. Auch ich hatte die Pop Ups in Seattle, Houston und Kansas City für Stippvisiten eingeplant, etwa um im Jahr der Midterms einige Eindrücke aus dem „flyover country“ zu sammeln – jenem Teil des großen, weiten Landes, das man als Besucher aus Deutschland eher nicht zu Gesicht kommt. Doch das ist ja nur meine sehr kleinteilige Perspektive – der internationale Schaden, den dieses Kürzungssignal nach sich zieht, wird sich in den nächsten Monaten und Jahren zeigen. Und dabei lautet der erste Satz des Koalitionsvertrags im Wissenschaftskapitel doch: „Deutschland ist Innovationsland“. Wenn das also eine dieser Innovationen ist – vielen Dank. Nicht.

#1550zeichen: Zehn ist mehr als Zwölf

Donnerstag, 7. Juli 2022

An der University of California, Los Angeles (kurz: UCLA) gab es in dieser Woche nur ein Thema: den Wechsel der Sport-Teams von der Pac-12 in die Big Ten-Liga. Wie bitte, das ist ein Wissenschaftsthema? Ja, denn dahinter steckt eine Menge Geld und die direkte Verbindung zur Hochschulfinanzierung. Fast alle der insgesamt 25 Sport-Teams wechseln von der eher auf die Westküste ausgerichteten Pac-12-Liga in die im Nordosten verankerte Big Ten Conference. Wesentlicher Auslöser ist das in den letzten drei Jahren auf mehr als 100 Millionen Dollar angewachsene Defizit des „Athletic Department“ der UCLA. Eigentlich spülen die Sportabteilungen der US-amerikanischen Hochschulen Geld in die Kassen ihrer Organisationen, denn ähnlich wie die Clubs der europäischen Fußballligen profitieren sie von enormen Einnahmen durch den Verkauf von Medienrechten. Ganz offensichtlich fließt das Geld in einem anderen Teil der USA aber zuverlässiger als im Einzugsbereich der Pac-12 – mit dem Wechsel der UCLA (und der auch in L.A. gelegenen University of Southern California, USC) steigt das Volumen des nächsten Rechtedeals voraussichtlich auf etwa eine Milliarde Dollar – von diesem Kuchen wollen nun auch UCLA und USC etwas haben, um die eigenen Etats auszugleichen oder zu stützen. Vor allem durch Einschnitte im Zuge der Covid-Pandemie hat der Hochschulsport überall in den USA gelitten. Für die Schwierigkeiten der sportlichen Studierenden gibt es auch schon einen Namen: Athletic Angst. Zumindest in Los Angeles ist diese Furcht für´s erste jedoch vertrieben.

#1550Zeichen: Notizen vom San Remo Drive

Donnerstag, 7. Juli 2022

Ich habe das hier schon mal geschrieben und ich wiederhole mich: Dies ist ein Reiseblog. Seit dem 1. Juli bin ich als Fellow zu Gast im Thomas Mann House in Pacific Palisades. Beworben hatte ich mich im Januar 2020 mit einem Projekt zum Thema „Ethics of the Smart City“, das eigentlich im Sommer 2021 hätte durchgeführt werden sollen. Mit einem Jahr Verspätung (danke, Covid-19) geht es nun endlich los. Hier ist ein kurzer Twitter-Thread, in dem die Eckpunkte des Projekts beschrieben sind.

Nach dem Einzug in eines der Fellow-Apartments habe ich mit den Arbeiten am Projekt begonnen – allerdings gibt es hier so viele interessante Personen, Ereignisse und Beobachtungen, die auch registriert und kommentiert werden können. Manches davon findet sich auf Twitter, anderes auf Facebook. Und auch hier im Blog möchte ich immer mal wieder ein paar Dinge notieren. Für´s erste versuche ich es mit der ein oder anderen Miniatur, formal beschränkt auf 1550 Zeichen. Das ist kein Zufall, sondern die Hausnummer der Mannschen Residenz am San Remo Drive. Mal sehen, ob und wie gut das funktioniert.

Ach ja: Erscheinen werden die Beiträge an wechselnden Tagen, aber immer um 15:50 Uhr, ist ja klar.

Election Day

Dienstag, 3. November 2020

Vielleicht ist es an der Zeit, eine alte Tradition wiederzubeleben – den Wahltagsblog. Zum ersten mal erprobt habe ich das Format 1996, damals noch improvisiert gemeinsam mit den Gießener Kollegen von SPoKK. Die vielleicht spektakulärste Form hat wohl der Eintrag von 2008 erreicht, damals durfte ich ja an der (ZDF-)Nacht im Netz mit Claus Kleber teilnehmen. Das war ein Spaß, aber eben auch, weil es die Nacht des Obama-Wahlsieges war. Vor vier Jahren war ich als Gast des Goethe-Instituts in Salvador/Bahia und habe dort in der Vila Sul einen Workshop zur US-Wahl durchgeführt – auch eine spannende Erfahrung mit einem seltsamen Ende.

Das heutige Titelmotiv der FAZ: Jasper Johns, „Map“. 1961. Öl auf Leinwand.

In diesem Jahr nun begleite ich die Ereignisse am Dienstag nach dem ersten Montag weitestgehend aus dem Home Office – allerdings gibt es verschiedene Engagements, die sich über den Tag verteilen und „in diesem Internet“ stattfinden. Zunächst werde ich am Nachmittag als Gast der virtuellen Zugreise „Go West“ der Bundeszentrale für politische Bildung in Osceola (Iowa) zusteigen und über politische Echtzeitkommunikation am Wahltag sprechen. Später in der Nacht ist ein „Zwischenruf“ in der ab 23 Uhr laufenden Zoom-Konferenz geplant, wenn eventuell die ersten Resultate aus dem „fast-counting-state“ Florida. Dazwischen liegen noch ein paar Kurzinterviews und ein Podcast-Gespräch für den frühen Morgen. Und außerdem noch reichlich Tweets, Insta-Posts und/oder Facebook-Notizen, einige davon versuche ich mal, hier mitzudokumentieren. Stay tuned.

Politische Echtzeitkommunikation am Wahltag ist natürlich nichts neues, das gab es tatsächlich auch schon in den (späteren) 1990er Jahren – begonnen hat es eher als idyllisch-folkloristische Berichterstattung über einen großen demokratischen Prozess: noch vor dem Aufkommen der digitalen Plattformen haben reichweitenstarke Online-Angebote Fotos (gelegentlich auch: Videos) von Bürger*innen eingesammelt und auf ihren Websites publiziert. Zustande kam so ein Kaleidoskop unterschiedlicher Abstimmungsformen – in der Stadt, auf dem Land, morgens, mittags, abends, mit Wahlcomputer, an der klassischen Urne, mit Warteschlange oder ohne und so weiter…

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Die New York Times hat einen instruktiven Artikel veröffentlicht, der die Wahltags-Aktivitäten der großen Netzwerke Facebook, Twitter und YouTube zusammenfasst. Ein Fokus der Plattformen liegt auf der Eindämmung und/oder Vermeidung von Fehlinformationen, die den Wahltag negativ beeinflussen können. Dabei geht es nicht nur um gezielte Fehlinformationen oder die Aktivitäten von Bot-Netzwerken, sondern auch Material von möglichen Zwischenfällen bei der Stimmabgabe oder vorzeitigen Siegeserklärungen. Am Abend vor der Wahl war der Amtsinhaber betroffen, ein Tweet von Donald Trump wurde als misleading gekennzeichnet und konnte nicht mehr weitergeleitet werden. Nach dem Schließen der Wahllokale wird auch das Ausspielen politischer Werbung gestoppt, auch diese Maßnahme dient wohl der Beruhigung und Absicherung des Auszählungsprozesses. Es scheint, als setzte sich bei den Anbieter allmählich die Erkenntnis durch, dass sie einen nicht unerheblichen Beitrag zu einer healthy political discussion leisten können – wenn sie das wollen.

An dieser Stelle noch kurz der Hinweis auf den CARTA-Beitrag „Welche Farbe hat Facebook?“ von gestern, den ich gemeinsam mit Klaus Kamps und Erik Meyer geschrieben habe. Darin klingen auch einige Überlegungen zur Echtzeitkommunikation am Wahltag an. Vertiefend dazu gehört an diese Stelle Eriks Materialsammlung zur Plattformisierung politischer Kommunikation.

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In diesem Jahr hat es einen eher seltsamen Vorlauf zu den meist eher beschaulichen Wahllokal-Fotos gegeben, nämlich vom Vorabend der Wahl und aus großen Städten. Gezeigt wurden die Sicherheitsvorkehrungen, die von Einzelhändlern, Bürger*innen oder auch von behördlicher Seite getroffen wurden. Hier sind Beispiele für Blockademaßnahmen aus Washington, Seattle und New York, vielleicht am eindrücklichsten ist dabei allerdings eine Mauer aus sehr soliden Betonteilen unmittelbar vor dem Weißen Haus.

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Wenig überraschend füllen sie die Twitter-Timelines am Wahltag allmählich mit Hinweisen auf mögliche voter suppressionhier ein Beispiel aus North Carolina. Und gleich noch eines. Der umkämpfte Bundesstaat (laut 538.com liegt Biden knapp vorne) scheint sich ohnehin zu einer Art „Hotspot“ zu entwickeln, denn einige Wahllokale konnten erst verspätet öffnen – die Folge sind wohl größere Verzögerungen bei der Stimmenauszählung.

Die Hinweise auf incidents am Wahltag verweisen stets auch auf die Schwierigkeiten einer Authentizitätsprüfung solcher Hinweise. Das Election Integrity Partnership hat in einem kurzen thread einige Aspekte zum Umgang mit post election violence zusammengefasst.

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Die Hashtags des Tages beginnen sich zu formieren: #ElectionDay, #VoteHimOut, (Dear America), #magicwall, #iherebyclaim.

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To be continued…

House of Frames

Montag, 16. Dezember 2019

Die US-Präsidentschaftswahl ist nicht mal mehr ein Jahr entfernt und doch spielt der Auswahlprozess für den demokratischen Kandidaten-Hotspot nicht die erste Geige in der öffentlichen Wahrnehmung. Zumindest nicht direkt, denn auch während des Impeachment-Verfahrens gegen den Präsidenten ist die Performance der presidential hopefuls um Joe Biden, Elisabeth Warren, Pete Buttigieg oder Michael Bloomberg eine wichtige Themenlinie, aber eben nicht die Hauptsache.

Gemeinsam mit Klaus Kamps habe ich mich dem Amtsenthebungsverfahren in den letzten Wochen in ein paar kleineren Textstücken angenähert (irgendwie muss man ja den Überblick behalten), unter dem Titel House of Frames erscheinen die Essays drüben bei den freundlichen Kolleg*innen von CARTA.info. Auf eine gewisse Weise schreiben wir so an unserem Band Nach Obama. Amerika auf der Suche nach den Vereinigten Staaten weiter, aber es ist irgendwie auch etwas anderes.

Bisher erschienen sind der Opener zum Kampf um die öffentliche Meinung und ein erster Follow-Up über den Schlagabtausch via Facebook-Anzeigen. Beitrag Nummer Drei ist gerade im Review, es ist eine kleine Reflexion über Verfassungskonstruktion durch die Framers, die sich vor einem übergriffigen Ersatzkönig hatten schützen wollen.

Stay tuned!