Ein anderer 11. Oktober

Aus Anlass der nunmehr einmonatigen Blog-Flaute ein Hinweis in eigener Sache: das Ausbleiben neuer Notizen zum Blog-Thema hat einen Grund – mit Beginn des Wintersemesters habe ich die Vertretung der Professur „Politisches und soziales System / Vergleichende Politikwissenschaft“ an der JLU Gießen übernommen (vgl. die offizielle Webheimat).

Die Sperrigkeit des Titels ist Programm: die Vorbereitungen zum Semester gestalten sich in etwa so kompliziert wie die Bezeichnung der Professur. Neben Konzeption und Vorbereitung diverser Lehrveranstaltungen erfordert die Organisation des zweiten Studienjahrgangs im Bachelor Social Sciences derzeit zuviel Zeit, selbst der „Minimalbetrieb“ im Weblog ist dadurch kaum noch möglich.

Zwar werfen die diversen Irrungen und Wirrungen um die Einführung und Instandhaltung gestufter und modularisierter Studiengänge eigentlich mehr als genug Material ab, doch das ist eine andere Geschichte (…vermutlich füllen sich mit den Erfahrungen nicht nur von Gießener Studierenden gerade hunderte von Gruppen in StudiVZ…).

An dieser Stelle, gewissermaßen als Überbrückung, zumindest noch ein kleiner Ausblick auf die Schwerpunktthemen des Wintersemesters, die sich demnächst (hoffentlich) auch wieder auf das Schreiben im Blog auswirken dürften:

1. Heimspiel

Der hessische Landtagswahlkampf steht ins Haus, dabei rücken aus der Perspektive der politischen Kommunikationsforschung vor allem zwei Dinge in den Vordergrund – der Medienwahlkampf wird erstmals auch in Hessen in einer umfangreichen Fernsehinitiative gipfeln, die im Januar aller Wahrscheinlichkeit nach von einem TV-Duell der Spitzenkandidaten Roland Koch (CDU) und Andrea Ypsilanti (SPD) gekrönt wird. Wie schon im Bundestagswahlkampf 2005 werden dabei die alten die neuen Medien als Wahlkampfarena in die Schranken weisen (vgl. TV kills the Internet Star). Da werden auch gutgemeinte Bemühungen auf Websites wie die-zeit-ist-reif.de oder die Podcasts der Jungen Union Hessen keine Abhilfe schaffen (und der schaurige Wahlkampfsong der hessischen Rentner-Band Die Crackers schon gar nicht).

Als zweites Medien-Thema im Umfeld der Landtagswahl könnte die Debatte um den Einsatz von Wahlmaschinen mehr Aufmerksamkeit erhalten als erwartet: in Hessen werden einige Kommunen elektronische Wahlgeräte zum Einsatz bringen, darunter auch solche Hardware, die zuletzt vom Chaos Computer Club unter massiven Beschuss genommen wurde. Bislang unterschreitet dieser höchst interessante Aspekt das Radar der etablierten Wahlberichterstattung, aber das dürfte sich mit nahendem Wahltermin noch ändern (dazu demnächst an dieser Stelle voraussichtlich ein Gastbeitrag aus einer spannenden Examensarbeit zum Thema, die gerade im Entstehen ist).

2. Auswärtsspiel

Zum Jahreswechsel erhält darüber hinaus der US-amerikanische Präsidentschaftswahlkampf den nächsten großen Schub, genauer gesagt fallen in der „primary season“ die Entscheidungen über die Kandidaten im republikanischen wie demokratischen Lager. Hier wird das Internet eine sehr viel größere Rolle spielen als in den deutschen Landtagswahlkämpfen zur gleichen Zeit (nicht nur in Hessen, auch in Niedersachsen steht am 27. Januar 2008 ein Urnengang an). Spätestens am Super Duper Tuesday (sic!), der diesmal nicht Anfang März, sondern aufgrund des so genannten front loading schon im frühen Februar ins Haus steht, wird klar sein, wer das Rennen um das Weiße Haus weiter führen wird.

Wie sehr sich das Internet in den USA bereits in den politischen Kampagnenalltag integriert hat, lässt sich an zahlreichen Online-Angeboten ablesen, nicht nur an den einschlägigen Verdächtigen der Web 2.0-Abteilung wie YouTube, MySpace oder flickr. Einen zuverlässigen Einstieg in die Welt des voter generated content liefert die vorzügliche Website techpresident.com, die sehr informiert über innovative Projekte und Strategien aus der Campaign ´08 berichtet. Auch in Deutschland haben sich erste Anlaufstellen einer digitalen Wahlbeobachtung gebildet, doch es wird wohl noch eine Weile dauern, bis sie eine breitere Öffentlichkeitswirksamkeit entfalten.

Also: langweilig wird es ganz sicher nicht – stay tuned.

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Eine Antwort to “Ein anderer 11. Oktober”

  1. Folke Says:

    Immerhin kann jetzt auch in Deutschland jeder, der sich mit YouTube und Videos auskennt, auf selbiger Plattform eine Frage an Kurt Beck stellen. Und wer wollte das nicht schon lange mal :o)?
    Na dann, nichts wie hier: http://de.youtube.com/spdvision hin.

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