Blogs & Twitter statt Mais & Schweine?

Okay, Obama vor Edwards, Clinton nur auf Rang drei – Huckabee vor Romney. Das sind die Ergebnisschlagzeilen, die seit den frühen Morgenstunden die Runde durch die Medien machen.

Neben den offensichtlichen Zahlen sollte sich das Augenmerk wohl auch auf mindestens zwei weitere Punkte richten: die gestiegene Beteiligung an den Caucus-Verfahren insgesamt und die hohe Zahl jüngerer TeilnehmerInnen (nach ersten Schätzungen nahezu drei Mal so viele wie vor vier Jahren). Ausgezeichnete Hilfe bei einem raschen Überblick bietet die Visualisierung der Washington Post (Hinweis via uswahl2008), bei der nicht nur Sieger und Platzierte der einzelnen Bezirke gekennzeichnet sind, sondern auch basale Hinweise zur Demografie gegeben werden (städtisch/ländlich, College-/Universitätsstandorte). Und beim Blick auf die junge Wählerschaft stellt sich natürlich auch die Frage, wie diese wertvolle Klientel von den Kampagnen addressiert wurde.

Ein starkes Zitat zum youth vote in Iowa liefert Michael Connery im (demokratischen) Blog Daily Kos: „Barack Obama may be riding the momentum of a caucus win into New Hampshire, but the real winner in tonight’s Iowa caucus was young voters.“ Einen ähnlichen Ton schlägt Sarah Lai Stirland für wired.com an – vor allem Blogger, Jungwähler und die gute Organisation der Online-Kampagne im Vorfeld des Caucus haben Barack Obama und auch Mike Huckabee an die Spitze ihrer Partei-Rankings geführt. Als Schlüssel gilt neben der Weblog-Kommunikation insbesondere das social networking unter Nutzung der Kontaktservices von Plattformen wie Facebook und MySpace. Patrick Ruffini berichtet für techpresident.com außerdem von einer neuartigen Live-Erfahrung während der Abstimmungen: weder das Fernsehen und auch nicht das „klassische“ Internet brachten die spannendsten Informationen aus Iowa, sondern ein twitter-feed. Das etwas mühsame Nachlesen der Info-Fetzen erlaubt tatsächlich ein neues Puzzle-Spiel aus Teilergebnissen – ist aber vermutlich nur etwas für bereits extrem gut informierte Bürger, die aus den Versatzstücken mit Hilfe weiterer Materialien erst das größere Bild erkennen können.

Und das war der Anfang des Wahljahres in einem laut gängiger Medieneinschätzung eher ländlich-kleinstädtischen Bundesstaat…

[Weitere Einschätzungen zum Iowa Caucus liefern zahlreiche Blog-AutorInnen der Huffington Post, außerdem einen Hinweis wert ist die Iowa predicition von Steven Johnson (Autor von Interface Culture und Everything Bad is Good for You), der emotional und electable choice in der Person von Barack Obama vereint sieht.]

Update: Gerade lese ich (via OF) einen Hinweis auf die nächste Runde im Kampf zwischen alten und neuen Medien – Ulf Poschardt schreibt am 3.1.2008 in seinem wöchentlichen Vanity Fair-Grußwort: „Die Auseinandersetzung zwischen Journalisten in Printmedien und den führenden Akteuren der digitalen Öffentlichkeit ist das erste Aufscheinen eines Kampfes um die Meinungsführerschaft bei jenen jungen Eliten, die sich für die schnelle Information immer häufiger das Internet als Primärmedium aussuchen.“ Hm. Ist halt von gestern.

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