Super Tuesday Aftermath

Der Super Tuesday war das erwartete Großereignis, die noch nie dagewesene national primary. Für viele Beobachter waren die Abstimmungen in den Einzelstatten almost a general election.

Die Resultate (oder eben Nicht-Resultate, s.o.) sollen hier gar nicht weiter diskutiert werden, das tun verlässlich die zahlreichen KommentatorInnen in den alten und neuen Medien, im Mainstream und abseits davon – help yourself (hier doch noch eine Empfehlung: der Augenzeugenbericht von Christoph Koch für jetzt.de aus dem Auge des Nachrichtenorkans).

Was bleibt aber abseits des Horserace Journalism, der sich mit dem Abschneiden der Kandidaten, ihren Chancen und Perspektiven, Trends und dem ominösen Momentum befasst?

Immerhin die Perspektive auf den Mechanismus der Vorwahlen an sich und deren wohl beispielloser Verlauf – zumindest auf Seiten der Demokraten. Im republikanischen Lager ist zwar auch noch keine endgültige Entscheidung gefallen, doch sieht es hier nach einem mehr oder weniger „normalen“ Verlauf aus: im Dreikampf zwischen John McCain, Mitt Romney und Mike Huckabee gibt es nun einen klaren Frontrunner, der sich mit zwei Verfolgern auseindersetzen muss, die sich gegenseitig das Kandidieren schwer machen.

Aber die Demokraten: das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Barack Obama und Hillary Clinton hält an und die Erfolge und Niederlagen verteilen sich nicht nach einem Muster, das eine klare Prognose für die noch ausbleibenden primaries erlaubt. Allein dies ist schon bemerkenswert – trotz der enormen medialen Aufmerksamkeit, die diesem Super Duper , Tsunami oder-wie-auch-immer Tuesday zuteil wurde, hat sich kein Lager entscheidend durchsetzen können. Damit geht die Tour durch das Land weiter und fokussiert nun die noch ausbleibenden Unterstützermärkte. Für den demokratischen Gehalt des Verfahrens ist dies sicherlich ein Gewinn: es gibt keine Rest-Staaten, in denen die Vorwahlkampagnen „außer Konkurrenz“ stattfinden und die Bürger mit mehr oder weniger wertlosen Stimmen hantieren. Im Gegenteil, einige Schauplätze erhalten jetzt ein Maß an Aufmerksamkeit, das ihnen im Vorfeld wohl nicht zuteil geworden wäre: Rhode Island, Texas (beide 4. März), Pennsylvania (22. April), Kentucky (20. Mai), Montana (3. Juni)… here we come.

Damit bestätigt sich eine Tendenz, die schon beim vorzeitigen Ausstieg von Rudy Giuliani nach der Pleite in Florida zu erkennenwar: die Vorwahlen funktionieren nicht als hochselektives Planungs- und Strategiespiel, sondern sind offenbar doch nur im Gesamtpaket als Tour from sea to shining sea zu gewinnen.

Nun ist in erheblichem Maß die Planungsfähigkeit der Campaign Teams gefordert – nicht allein gilt es jetzt, die jeweiligen Gegebenheiten der noch offenen Vorwahlmärkte zu analysieren und daraus ein praktikables Konzept zu entwickeln, man benötigt dafür auch die nötigen Finanzmittel. Die bisherige Ausrichtung auf den 5. Februar war bereits sehr aufwändig und teuer, nun aber geht die Reise weiter. Die Kampagne ist immer noch on the Road.

Weit wichtiger als die eher symbolischen Gewinne in den Umfragen vor dem Super Tuesday könnte für Barack Obama die Tatsache sein, dass er im Januar erheblich mehr Wahlkampfspenden erhalten hat als seine Konkurrentin (ca. 32 Millionen Dollar gegenüber etwa 13,5 Millionen Dollar). Das Fundraising, eigentlich eher eine Aktivität aus der Vorbereitungsphase der Kandidatenauslese, verlängert sich nun also bis weit in den Vorwahlprozess hinein und erhält dabei einen noch stärker partizipativen Charakter. Günstig ist hierbei offenbar die Nutzung des Internet – Barack Obama sammelte im Januar allein 28 Millionen Dollar durch Online-Spenden. An dieser Stelle entfaltet der digitale Kampagnenraum die größte Wirkung – denn unmittelbar an der Urne hat Obama als amtierender „TechPresident“ von seinen enormen Unterstützerzahlen in den Sozialen Netzen wie MySpace oder Facebook scheinbar nicht profitieren können (vgl. die entsprechenden Wertungen bei techpresident.com). Auch der YouTube-Blockbuster Yes we can, in dem sich zahlreiche Celebrities das Mikro in die Hand geben, hat nicht ganz die Auswirkungen gehabt, wie sich das die Macher um will.i.am mit ihrem viral video erhofft hatten.

Die Vorwahlen gehen also weiter, und dass noch nichts entschieden ist, ist tatsächlich auch ein Ergebnis. Was aber kann daraus folgen? Die Gedankenspiele sind eröffnet, und angesichts des bisher sehr knappen Verlaufs und der Unschärfe sämtlicher Prognosen steht vermutlich die nächste Rechenhausaufgabe auf dem Programm: kann es sein, dass der Abstand zwischen Hillary Clinton und Barack Obama auch nach Abschluss der Vorwahlen so knapp ist, dass am Ende gar die Superdelegates den Ausschlag geben? Sollte dieser Fall eintreten, hätte das nicht unwesentliche Konsequenzen auf die Democratic National Convention im Sommer, die dann nicht in der üblichen Form der „Krönungsmesse“ abgehalten werden könnte.

Und schließlich bliebe zu überlegen, ob das close race im demokratischen Lager trotz der durchgängig höheren Vorwahlbeteiligung nicht auch den ein oder anderen Nachteil mit sich bringen kann. Noch ist zwar auch die Vorauswahl der Republikaner nicht abgeschlossen, doch ist davon auszugehen, dass hier viel früher die Ausrichtung auf einen Kandidaten (und einen running mate) erfolgen kann. Zwischen Hillary Clinton und Barack Obama ist zunächst einmal die entscheidende Personalfrage zu klären, bevor sich ein demokratisches Duo formieren kann – und erst dann kann die programmatische Feinabstimmung und die Positionierung zur republikanischen Konkurrenz erfolgen. Bei einer weiteren und nachhaltigen Verschärfung dieser Auseinandersetzung ließe sich sogar eine Art „Spaltung“ des demokratischen Lagers als Schreckgespenst an die Wand malen.

Doch so weit ist es natürlich noch lange nicht und während man sich in Deutschland zuletzt etwas intensvier mit Koalitionsarithmetik auseinandergesetzt hat, dürfte es in den USA nun weiter gehen mit dem fröhlichen Delegiertenrechnen. Immerhin: auch das ist ein Beitrag zum Jahr der Mathematik.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: