Hack the Debate: Angriff auf den Fernsehschirm?

Nach dem viel zitierten Twitter-Auftritt von Hubertus Heil aus Denver, „poppen derzeit fast täglich neue fake-Politiker auf twitter auf“ (Nico Lumma ist – zurecht – genervt davon). Es wird nicht mehr lange dauern, bis in den MSM ein abwertender, spöttischer Artikel dazu erscheinen wird. Das ist auch nicht schwierig, in den USA treibt neben TheRealMcCain natürlich auch eine FakeSarahPalin ihr Unwesen, die Zahl der unoffiziellen Twitter-Akteure ist kaum noch überschaubar. Im schlechten Fall ist das einfach nur Unsinn, im besten Fall aber vielleicht so etwas wie „nutzergenerierte Text-Karikaturen“ – darüber könnte man mal nachdenken (ein interessanter Text zu „Photoshop for Democracy“ findet sich bei Henry Jenkins, der ein ähnliches Phänomen anhand nutzergenerierter Digitalbilder diskutiert).

Doch weitaus spannender scheint die ernsthafte Nutzung von Twitter im Umfeld des US-Wahlkampfs. Denn angesichts ihrer Popularität und Reichweite hat sich die vermeintlich nur zeittötende Nonsense-Anwendung inzwischen einen festen Stand in der „jüngeren“ US-amerikanischen Medienlandschaft gesichert. Im Umfeld der Parteitage diente die „trending“-Funktion von Twitter als eine Art Nachrichten-Seismograf, das rasche Ansteigen von Tweets etwa während der acceptance speeches der Präsidentschaftskandidaten kann durchaus als Hinweis auf die mediale Aufmerksamkeitsverteilung gelesen werden.

Ein extrem spannendes Umfeld für die neuartige, experimentelle Nutzung politischer instant communication werden die in wenigen Tagen beginnenden Präsidentschaftsdebatten liefern (vgl. hier).

Einen ersten Eindruck, was da passieren könnte, gibt seit kurzem der Trailer von current_TV, der nicht weniger verspricht als das „Hacken“ der Fernsehdebatte durch die User. Dabei sollen durch ein Team-Up von Twitter und dem „peer-to-peer news and information network“ current_TV neue Mitwirkungsmöglichkeiten für die Online-Öffentlichkeit geschaffen werden. Die Initiative ist keineswegs nur als cleverer Marketing-Trick zu verstehen, sondern bezieht sich direkt auf die auch von der offiziellen Debattenorganisation angestrebte „Digitalisierung der Debatten“. Anders als bei den stark in das vorhandene Konzept eingepassten Online-Erweiterungen durch MySpace, sollen bei Hack the Debate jedoch alle User „partizipieren“ können. Ob es derart „funky“ wird wie der Trailer mit historischem Bildmaterial suggeriert, bleibt abzuwarten.

Update: Folgt man der „Twitter Lingo“ (vgl. hier), dann müsste das Format wohl tweebate genannt werden.

Update: Things get going – die Vorbereitungen für die Verbindung von Twitter-Feedback mit der Fernsehdebatte laufen auf Hochtouren. Einen ersten Eindruck, wie die neue Medienkombination aussehen dürfte, sieht man hier (leider etwas verwackelt und mit minderer Tonqualität).

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Eine Antwort to “Hack the Debate: Angriff auf den Fernsehschirm?”

  1. Homo Politicus » Blog Archiv » Ein Duell ist nicht mehr einsam Says:

    […] Eins ist allemal deutlich: Zu früheren Zeiten gab es im wesentlichen zwei Möglichkeiten, um ein TV-Duell zu verfolgen. Zum Einen alleine zu Hause vor dem Fernseher oder zum Anderen mit einer Gruppe zusammen, beim public-viewing. Inzwischen werden beide Möglichkeiten immer weiter verschmischt. Durch Computer und internetfähige Mobiltelfone wurde es in diesem Jahr möglich, beide Möglichkeiten zu kombinieren und sogar zu erweitern. Vielen reicht es nicht mehr, nur das Duell zu verfolgen und ihre Meinung für sich zu behalten. Das hat vor allem die Vielzahl von inhaltsreichen Äußerungen bei Twitter gezeigt. Den TV-Sendern sei deshalb empfohlen für die Zunkunft auch einmal auf Formate wie “Hack the Debate” zu schauen (siehe dazu auch: internetundpolitik.wordpress.com). […]

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