Piratenalarm

Trotz des eher bescheidenen Wahlergebnisses bei der Europawahl hält die Piratenpartei weite Teile der interessierten Online-Öffentlichkeit in Atem. In diesen Tagen steht das Telefon kaum still, in diversen Formaten wollen Perspektiven und Performance der Piraten untersucht sein. Ein paar Resultate der Piratenbeobachtung gibt es bereits:

  • einen (leider kostenpflichtigen) Essay mit dem Titel Twitter, Facebook Politpiraten für die Zeitschrift Internationale Politik zu „Digitalisierungseffekten“ bei der Europawahl (Piratenpartei in Schweden, Hadopi-Gesetz in Frankreich, #zensursula-Debatte in Deutschland)
  • meine Thesen zu den Folgen der #zensursula-Debatte bei CARTA und politik-digital
  • eine 45-minütige Radiodiskussion bei SWR2 (Podcast als mp3) mit Jeanette Hoffmann und Ulrich Eith unter der vermeintlich „tendenziösen“ Überschrift: „Spaßpartei oder neue Bürgerbewegung? Was wollen die Piraten?“. Hierzu hat sich bei netzpolitik.org eine rege Diskussion entwickelt.

Dabei wird es wohl nicht bleiben, in Vorbereitung sind Features für BR2 (Zündfunk), WDR, sowie ein Beitrag für das ZDF Mittagsmagazin.

Und zum Schluss noch ein Lesetipp: leider sind nicht alle Anmerkungen zum Thema von einer Qualität wie dieser Beitrag von Diederich Diederichen für die taz.

Advertisements

Eine Antwort to “Piratenalarm”

  1. chris Says:

    Ich fand die Beiträge gut, aber sie haben wichtige Dinge nicht betont:

    Da ich selbst die Piraten wählen werde, will ich mal aus meiner Sicht die Sache beschreiben: Ich bin 39 Jahre alt, verheiratet, eine Tochter. Ich kenne andere, die wollen die Piraten wählen, sind noch viel älter, 70 Jahre und mehr? Im SWR2-Gespräch wurde dieses Alter ausgeschlossen. Das sehe ich nicht so. Sind die Piraten wirklich nur eine Jugendpartei?

    Warum wählen alte Leute? Ganz einfach, bei den Älteren geht es eher um den Abbau der Demokratie welche von den etablierten Parteien in den letzten Jahren eifrig unterstützt wurde. Es geht um den Kampf gegen den Bushismus, der wie eine Seuche über uns gekommen ist und das Bild des freien Westens, das die Mehrheit mal hatte, über Nacht zerstörte. Jetzt höre ich schon paar rufen: Aber Bush ist doch gar nicht mehr da! Bitte, das ist ja wohl zu billig: Schäuble, Merkle, die besten Freunde von Bush also nicht mehr im Amt? Die ganzen Mittäter von damals gehen ja wohl straffrei aus, werden gedeckt. Von wem? Das Gefühl mancher Alten will ich mal an folgender Bemerkung eines 70 Jährigen darstellen: „Die Sowjetunion war nützlich, damals als es diesen Gegenpol gab, mussten sich beide Seiten zusammenreissen.“

    Während die alten Piraten in erster Linie den Aspekt der Demontage von Demokratie und Westen durch die etablierten Parteien sehen, geht es den jüngeren Piraten eher um die Problematik: Wie soll das eigentlich mit den Rechten und Lizenzen weitergehen, zumal wenn China in Zukunft die Werkbank der Welt ist und wir im Westen in erster Linie mal von diesen „neuen virtuellen Produkten“ leben müssen. Da geht es um gerechte und gleichmässige Verteilung und Entlohnung. Das ist eine ganz zentrale Frage für die Zukunft der jungen Generation und unserer Kinder.

    Die mittelalten Piraten wie ich sehen besonders das Übel der Zensur. Während für die älteren Piraten dieser Bushismus der unglaubliche Skandal ist, den sie sich aus den Zeiten des Kalten Krieges nie haben vorstellen können, sind wir, die Mittleren bereits recht abgebrüht mit solchen Sachen. Quasi: Die sind doch zu allem fähig. Und genau aus diesem Aspekt heraus, befürchten wir, die Mittleren, dass die Bushisten mit Vorratsdatenspeicherung, Zensur, 3 Strikes etc. noch zu ganz anderen Dingen fähig sein werden. In unserer Altersklasse geht es also eher um die Frage der „Ermächtigung“, den Missbrauch des Thema Terrors, die Zensur der freien Meinung, die Art und Weise Panik in der Bevölkerung zu schüren um daraus dann Massnahmen zu erpressen. Also, diese neue massenpsychologische Tour, die hier von den Bushisten geritten wird.

    Sind wir mehr liberal oder mehr grün war die häufige Frage des SWR-Dialogs. Ich würde es so sagen: Je älter, desto mehr geht es um das Thema Freiheit, je jünger, desto mehr geht es um das Thema soziale Regelung, Gemeineigentum etc.

    Auch kam die Frage auf, ob denn die FDP oder die Grünen das Thema nicht eigentlich schon abdecken?

    Dazu folgendes: Ich hatte in jüngeren Jahren auch mit den Grünen sympathisiert, was meine obige Altersthese bestätigt. Die Grünen zensieren aber was das Zeug hält im Internet, Du fliegst sofort aus dem Forum raus, wenn Du etwas sagst, was denen nicht passt. Die FDP? Damit kann ich mich heute sehr gut identifizieren. Warum wähle ich sie dann nicht? Weil ich eben langsam keiner etablierten Partei mehr glaube, dass sie bei dem was in den letzten Jahren geschah unschuldig war. Meine Entscheidung gegen die FDP ist also dem Umstand geschuldet, dass ich Keinem, der an den Dingen der letzten Jahre aktiv beteiligt war (auch wenn er eher passiv war) die Stimme geben will. Ich will es so sagen: Der Widerstand der FDP gegen das was da passiert ist, war mir gemessen an den Dimensionen deutlich zu dürftig, also müssen jetzt andere dran. Und das ist nicht nur meine persönliche Meinung, ich kenne genug in meinem Alter, die auch so denken und deswegen (ohne sie gefragt zu haben was sie denn wählen wollen) sicher piratenfreundlich gestimmt sind.

    Nunja, die Bushisten haben sich den Obama-Change einfacher vorgestellt. Die Leute sind aber nicht so dumm, wie sie glauben. Man sollte uns, das Volk nicht für dumm verkaufen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: