Lucky Streik (2.0)

Seit Ende Oktober bildeten nahezu professionelle Web-Präsentationen das Rückgrat des studentischen Online-Streiks. Die WWW-Seiten wurden von wenigen Enthusiasten betreut, bildeten das aktuelle Streikgeschehen ab und informierten über wichtige Aktionen im örtlichen Streikbetrieb. Die Hochschulrechenzentren verzeichneten in den Monaten November und Dezember exponentielle Nachfragesteigerungen für die Online-Angebote. Dabei waren an einzelnen Universitäten bis zu 4000 Zugriffe an einem Tag keine Seltenheit.

Zwölf Jahre liegt der Lucky Streik zurück – unter diesem Label durchzogen damals Studierendenproteste die Republik, die Blockaden dehnten sich bis über die Weihnachtsferien ins neue Jahr aus. Die für damalige Verhältnisse erheblichen Online-Reichweiten ringen den Beobachtern in diesem Jahr nur ein müdes Lächeln ab: allein die Livestreams aus den österreichischen Hochschulen erzielen regelmäßig vierstellige Abrufzahlen – gemeint sind allerdings gleichzeitige Nutzer.

Weiter heißt es in der oben zitierten Dissertation aus dem Jahr 1999:

Die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs im Januar 1998 markierte einen Wendepunkt: die Großzahl der Studierenden unterwarf sich angesichts des drohenden Semesterendes dem regulären Hochschulbetrieb und kehrte in die Seminare zurück. (…) In den Zeiten abflauender Protestbereitschaft bei vielen Studierenden köchelte der Protest auf „virtueller Sparflamme“ weiter. Dabei verfestigte sich ein digitales Kommunikationsnetz, das bei nächster Gelegenheit umgehend auf breiter Protestfront genutzt werden kann.

Nun ja – nachdem in Österreich seit dem 22. Oktober Hörsäle besetzt und Universitäten bestreikt werden, geht es jetzt offenbar in Deutschland los. Die Twitter-Hashtags lauten #unibrennt und #unsereuni. Die Universitäten in Heidelberg, Münster und Potsdam machten gestern den Anfang. Wie geht es weiter?

Im Laufe des Tages erscheint Gerade ist drüben beim Homo Politicus ein kleiner Beitrag zum Stand der Dinge erschienen. Geschrieben hat ihn der Doktorand, der 1997 vom Lucky Streik überrascht wurde und dazu ein Kapitel in seine Dissertation aufnehmen musste – überschrieben war der Abschnitt mit Zur Entstehung“ digitaler sozialer Bewegungen“.

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Eine Antwort to “Lucky Streik (2.0)”

  1. …und Stahlarbeiter twittern doch! « Internet und Politik Says:

    […] Internet und Politik Ab April 2009: Elternzeitmodus! « Lucky Streik (2.0) […]

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