…und Stahlarbeiter twittern doch!

Demonstrierende Stahlarbeiter werden wohl kaum twittern.

So stand es geschrieben in einem Interview für jetzt.de (bzw. das Hochschulressort der SZ) zum beginnenden Hochschulstreik. Dieser nebenbei und locker dahin geworfene Satz dokumentiert die nach wie vor herrschende Ablehnung, oder sagen wir besser: ein diffuses Misstrauen gegenüber dem 140-Zeichen-Service Twitter. Im Rahmen eines Interviews für ZDF/heute.de wurde ich mit dieser Aussage konfrontiert – statt darüber nachzudenken, habe ich kurz gegoogelt und nach weniger als einer Minute stieß ich auf den Twitter-Account @usw1155. Die United Steelworkers aus Morrison, Tennessee haben zwar nur 86 Follower, aber immerhin – sie twittern. Und das ist nicht alles, ein Update vom Juli weist auf andere Web 2.0-Präsenzen hin:

We have added a video from the 7/23/09 Bridgestone Warren rally to our Facebook & Youtube pages. Please take look at your convenience.

Hierzulande diskutiert man an anderer Stelle mit Verve, ob der Bildungsstreik eher analog oder digital geführt wird und welche Rolle das Web 2.0 im Campusleben spielt. Wir werden sehen, wohin das führt – schließlich stehen die deutschen Hörsaalbesetzungen erst am Anfang und auch wenn mancherorts einiges daneben gehen mag, so dürfte sich in den nächsten Tagen auch die digitale Streikszene hierzulande konsolidieren.

In Österreich ist man in der nun vierten Streikwoche schon etwas weiter – aus Anlass des heutigen Bildungsstreiks habe ich für ORF.at einen kleinen Kommentar zu den Kommunikations- und Organisationsformen in .de und .at geschrieben, außerdem ist der bereits erwähnte Artikel auf heute.de erschienen.

Weiteres Material zum Thema lieferte heute morgen Till Westermayer (@_tillwe_) – seine streiknostalgischen Gefühle kann ich sehr gut nachvollziehen, ich hatte ja bereits hier im Blog auf die Verbindung zum Lucky Streik von 1997 verwiesen. Nun habe ich nochmal etwas tiefer gegraben und tatsächlich noch ein paar Daten-Fossile auf dem Gießener Uni-Server vorgefunden: das Dossier Hochschulstreik aus dem so genannten NetzLabor des Virtuellen Instituts für Cultur und Information (VInCI). Die Seiten in elegantem HTML (mit Frames!) funktionieren noch halbwegs fehlerfrei, ein paar Links sind aber sicher nicht mehr aktiv… Dokumentiert sind einige Texte, die damals entstanden sind sowie Interviews mit den Webmastern verschiedener Protest-Websites. Retro, retro.

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Eine Antwort to “…und Stahlarbeiter twittern doch!”

  1. Hugo Dörfler Says:

    Klasse, das ist mir neu. Danke für den Tipp! Dafür liebe ich das Web, dass man fix auf solche coolen Tipps stößt :-). Vielen Dank nochmal und schöne Grüße, Hugo Dörfler

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