Straßenwahlkampf in Brasilien

Nach der Rückkehr aus Salvador dokumentiere ich zunächst einmal ein paar Impressionen aus dem bunten (und sehr lauten) Straßenwahlkampf der bahianischen Metropole. Eine ausführlichere Version ist in Arbeit, Infos zur Publikation folgen. Erschienen sind inzwischen auch ein Kommentar für The European („Die mit dem Netz arbeiten“) sowie eine ausführlichere Darstellung der Online-Aktivitäten bei Telepolis („Candidatos Bizarros“). Ihren Abschluss findet die Brasilien-Trilogie (vorerst) mit einem Artikel für politik-digital.de über die Nutzung von Wahlcomputern („Urnas Eletrônicas“).

Bereits beim Transfer vom Flughafen ins Zentrum (der mit dem stilechten 70er-Jahre VW-Bulli des Goethe-Instituts durchgeführt wurde) ist die Präsenz des Wahlkampfs unübersehbar. Neben den typischen Wahlplakaten und Autoaufklebern gibt es im brasilianischen Wahlkampf allerdings auch noch Arbeitstechniken, die sich durchaus von den hiesigen Kampagnen unterscheiden.

Vornehmlich an viel befahrenen Straßenkreuzungen sind immer wieder FahnenträgerInnen postiert, die mehr oder minder enthusiastisch Werbebanner mit Name, Konterfei und Listennummer schwenken.



Ein Standard der Kampagnen-Portraits ist dabei die Verbindung von Name und Zahl, die auf die Verwendung von Wahlcomputern bei der Abstimmung verweist – Wahlzettel gibt es nicht für die 135 Millionen Wahlberechtigten, die Stimmabgabe erfolgt allein über die Tastatur der Wahlgeräte.

Eine weitere ortstypische Variante ist die des Propaganda-Ballons, der meist in größerer Stückzahl auf Plätzen oder auch in Strandnähe zu finden ist. Dieser gasgefüllte Werbeträger wird jedoch nicht an Straßenlaternen, Bäumen oder Schildern fixiert, sondern von militantes, bezahlten Wahlhelfern, am Wegfliegen gehindert.

Und schließlich hat der brasilianische Wahlkampf auch seinen eigenen Sound, der von teilweise abenteuerlich konstruierten carros de som im hektischen Stadtverkehr verbreitet wird (vgl. im Video ca. ab 0:10).

Mein Favorit aus Salvador war der obige Song von Acelino „Popó“ Freitas (aka Popó 1000), eine portugiesische Bearbeitung des Klassikers aus Rocky. Auch wenn es zunächst merkwürdig klingt, ist diese Wahl absolut stimmig – Popó ist ein ehemaliger Box-Weltmeister.

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