Wie funktioniert ein „Ethics Center“?

Heute hatte ich die Gelegenheit zu einem Besuch im Markkula Center for Applied Ethics an der Santa Clara University. Seit meinem Wechsel an die Universität Duisburg-Essen habe ich mich (vor allem aus der Perspektive des anwendungsorientiert arbeitenden Politikwissenschaftlers) mit verschiedenen Aspekten der Ethik-Ausbildung an deutschen Hochschulen auseinandergesetzt und den Vergleich mit der US-amerikanischen Praxis halte ich für durchaus ertragreich.

Auch wenn es zunächst etwas unscheinbar klingen mag (wer kennt schon Santa Clara?), das Center ist eines der größten in den USA und weist im Vergleich zu den meisten anderen Ethik-Einrichtungen nicht nur allgemeine Angebote und Services für die jeweilige Hochschule auf, sondern ist auch als Dienstleister und Think Tank in die regionale Umgebung eingebunden. Schließlich weist das Center darüber hinaus eine inhaltlich ausdifferenzierte Struktur entlang mehrerer Themenfelder auf (z.B. Bioethik, Umweltethik, Wirtschafts-/Unternehmensethik) und postitioniert sich als öffentliche Bildungseinrichtung.

Das Drei-Stufen-Modell stammt nicht von mir, skizziert hat es Kirk Hanson, Executive Director des Markkula Center. Gute 90% der etwa 150 Ethics Center in den USA kommen nicht über die erste Stufe hinaus, sie bieten lediglich Ethics Across the Curriculum. Damit verbunden ist der Einfluss auf die Gestaltung von Lehrveranstaltungen, regelmäßige öffentliche Veranstaltungen und größere Konferenzen. Die nächste Ausbaustufe sind Community Partnerships, also die Verbindung mit Vertretern aus lokaler Verwaltung, ansässigen Unternehmen, Verbänden et cetera. Daraus resultieren abermals Veranstaltungen, die jedoch über den Campus hinausreichen und Vernetzungen mit der Region herstellen, sowie Auftragsarbeiten und Projekte im Verbund mit unterschiedlichen lokalen Partnern.

Eine solche Verzahnung gelingt vor allem dann, wenn sich die Arbeit eines Centers über mehrere Arbeitsbereiche erstreckt – zu den „gesetzten“ Feldern Business Ethics und Government Ethics sowie der in den USA in den Schulen weit verbreiteten Character Education sind zuletzt die neueren Bereiche Environmental Ethics und Internet Ethics getreten. Den dritten Schritt stellt die Ausweitung der Angebote im Web dar, Hanson skizzierte hier eine Public Education mittels Online-Kursen, frei zugänglichen Fallbeschreibungen und weiteren umfangreichen Internet-Ressourcen.

Die verschiedenen Arbeitsbereiche des Markkula Center werden von Direktoren vertreten, die für die Entwicklung der jeweiligen Felder zuständig sind und das entsprechende Lehr- und Veranstaltungsprogramm verantworten. Quer zu den „Bereichs-Ethiken“ liegt dabei der Begriff der Campus Ethics. Auch hierfür gibt es einen eigenen Director, dessen Aufgabe in der Auseinandersetzung mit ganz unterschiedlichen Aspekten des student life on campus ist (beim Blick aus dem Fenster auf die Anlage der Santa Clara University wird klar, dass dieser Campus-Begriff nicht auf das deutsche Hochschulwesen übertragbar ist).

Besonders interessant erscheint dabei die starke Fokussierung auf die aktive Einbindung der Studierenden in die Entwicklung und Gestaltung eigener Angebote im Rahmen des Campus Ethics-Programms. Neben Projektförderungen für studentische Arbeiten (bereits im Undergraduate/Bachelor-Bereich) spielt hier auch die Nutzung sozialer Medien eine Rolle – mit dem Angebot The Big Q wird über eine Facebook-Seite direkt nach aktuellen und akuten Befindlichkeiten von Studierenden gefragt und so das Spektrum der möglichen Arbeitsbereiche einer Campus-Ethik erweitert.

Schon der knappe Überblick zur Organisationsstruktur und den wichtigsten Tätigkeitsfeldern des Markkula Center for Applied Ethics macht deutlich, dass der Anwendungsbezug absolut im Vordergrund steht und Ethik hier sehr viel weniger im Sinne einer sozial- oder geisteswissenschaftlichen Disziplin verstanden wird. Dennoch achtet das Center durchaus auf den Kontakt und den Austausch mit den neighboring disciplines der Philosophie, Theologie, politischen Theorie und Ideengeschichte. Aus der deutschen Perspektive besonders auffällig sind darüber hinaus die speziellen Berufs- bzw. Praxiserfahrungen des faculty staff. Direktor Kirk Hanson wechselte als Senior Lecturer in Politikwissenschaft von der nahe gelegenen Stanford University nach Santa Clara, eine ehemalige Bürgermeisterin leitet den Bereich der Government Ethics. Die Campus Ethics liegen in den Händen eines Moraltheologen, ein ehemaliger Unternehmer koordiniert das Feld der Business Ethics.

Es ist klar, dass mit diesem line-up eine forschungsorientierte Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen nur schwer zu realisieren ist. Allerdings begreifen die US-amerikanischen Kolleginnen und Kollegen die Ausrichtung des Centers als zentrale Aufgabe – als research gilt dann die Niederlegung der eigenen Praxiserfahrungen oder das in Hintergrundgesprächen und closed workshops gewonnene Wissen in Fallbeschreibungen. Die Entwicklung solcher research und teaching cases stellt einen Kernbereich der Arbeit am Center dar und verbindet auch auf formeller Ebene die einzelnen Teilbereiche miteinander. Die Suche nach neuen und aufschlussreichen cases ist für die Mitglieder des Markkula Center demnach ein wichtiger Antrieb für die eigene Arbeit, ebenso wie die Diskussion ethischer Aspekte der unterschiedlichen Arbeitsfelder mit Studieren und – nahezu gleichrangig – Vertretern des öffentlichen Lebens. Dabei liegt der Fokus  auf der näheren Umgebung der südlichen Bay Area und dem Bundesstaat Kalifornien: das  Silicon Valley und der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA als achtstärkste Wirtschaftsregion der Welt bilden dabei mit Sicherheit ein ertragreiches Arbeitsumfeld.

Eine Antwort to “Wie funktioniert ein „Ethics Center“?”

  1. hoteldesign.nu Says:

    szczanie godnie dysponowali w ciągu wrogie.
    Z sir Rogera hoteldesign.nu uszła nagle identyczna energia.
    Z trudem opadł na taboret, ponuro wpatrując się
    w posadzkę. Wewnątrz jego ofensywne humor jest dozwolone
    było winić uprzejmego s.

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