In eigener Sache: Forschungssemester

So. Nun ist es also so weit – seit dem vergangenen Samstag (1. Oktober) bin ich offiziell im Forschungssemester. Ich habe das Formular nach § 40 Hochschulgesetz (NRW) ordnungsgemäß ausgefüllt und die Kolleg:innen hier an der UDE haben meinem Antrag auch zugestimmt. Yay!

Das heißt gleichzeitig: ich bin seit mindestens acht Semestern in der Lehre tätig gewesen (genau genommen waren es bereits elf) – es ist wohl irgendwie auch an der Zeit. Seit der Berufung im Sommersemester 2011 habe ich 36 Lehrveranstaltungen angeboten (Vorlesungen, Seminare, Übungen etc.) und in dieser Zeit 76 Gutachten für diverse Abschlussarbeiten geschrieben. Die Zahl korrigierter Hausarbeiten und Klausuren möchte ich lieber gar nicht genau wissen (die Bretter im Archivschrank biegen sich langsam), dazu gab es ja auch noch mündliche Prüfungen und alljährlich die Auswahlgespräche für unseren Master-Studiengang Politikmanagement an der NRW School of Governance… Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: ich bin sehr gerne in der Lehre aktiv und freue mich jedes Mal auf den Semesterstart, das Diskutieren mit den Studierenden entlang einer insgesamt doch recht frei zu gestaltenden Agenda macht nach wie vor großen Spaß.

Ein nicht ganz so kleiner downer war in der letzten Zeit allerdings das Verbot der allgemeinen Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen, das im Rahmen des Hochschulzukunftsgesetzes für NRW erlassen wurde. Überraschender Weise sinkt dadurch die Teilnahmebereitschaft einiger Studierender – das ist nicht rapide und dramatisch passiert, sondern eher langsam und schleichend. In den Seminaren zu Studienbeginn macht sich das noch nicht sonderlich bemerkbar, aber in den fortgeschrittenen Lehrveranstaltungen ab etwa dem 4. Semester geht die Mitarbeit mitunter doch stark zurück oder wird sehr „sprunghaft“. Das erschwert die Planungssicherheit für die Präsenzlehre – im abgelaufenen Sommersemester variierte die Größe eines Seminar schon mal zwischen 5 und 25 Teilnehmer:innen. Natürlich bleibt der Effekt den Studierenden auch nicht verborgen, insbesondere die Aktiveren leiden darunter, denn der direkte Anschluss an die Inhalte vorangehender Sitzungen ist kaum noch möglich.

Die studentische Mediennutzung in Seminaren oder Vorlesungen ist noch mal ein eigenes Thema – komplett durchdigitalisiert sind die Hörsäle (zumindest in Duisburg und Essen) noch nicht. Selbstverständlich werden Rechner und Tablets genutzt, vor allem aber ist das Smartphone zum Standard-Uni-Device geworden – auch bei der Präsentation von Referaten oder der Zusammenfassung von Texten sticht der kleine Bildschirm die größeren offenbar aus. In mehreren Vorlesungen habe ich auch schon mal eine BYOD-Parole ausgegeben, anders als Clay Shirky bitte ich die Studierenden aber noch nicht, ihren Rechner zu Hause zu lassen.

Was in den letzten Semestern nicht gut funktioniert hat, ist die digitale Erweiterung von Lehrveranstaltungen durch #hashtagpublics. Schon die Frage zu Semesteranfang „Wer hat denn einen Twitter-Account?“ brachte mehr Schulterzucken als positive Antworten – und auch nach expliziter Aufforderung zur Beteiligung kam z.B. unter #MePo15 oder #PolEthik nicht viel Material zusammen. Trotzdem wird auch bei meinen künftigen Lehrveranstaltung die Echtzeitkommunikation eine Rolle spielen, sowohl als Untersuchungsgegenstand wie auch als begleitende Arbeitstechnik.

Schließlich Pokémon Go – im vergangenen Sommer war die Spielerdichte im Seminarraum relativ überschaubar: in den BA/MA-Studiengängen war etwa die Hälfte der Teilnehmer:innen auf der Jagd, im Lehramt nur etwa 10 Prozent. Vielleicht ist die Monsterpopulation im Ruhrgebiet auch einfach nicht so ergiebig wie anderswo (…okay, im Landtag NRW gab es dazu auch noch keine Anfrage an die Landesregierung, so wie in Hessen).

Diese Dinge spielen für die nächsten Monate aber keine ganz so große Rolle mehr – wenn die Korrekturen der Arbeiten aus dem zurückliegenden Semester abgeschlossen sind, kann ich mich dann ganz offiziell nach § 40 HG (NRW) meinen „Dienstaufträgen in der Forschung“ widmen.

Dazu dann in den nächsten Tagen mehr.

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