Wunderbar together

Mit leichtem Schrecken erkenne ich: Dies ist ein Reiseblog. Beziehungsweise es wird vor allem dann genutzt, wenn ich (länger) unterwegs bin. Die letzten Einträge stammen aus dem Umfeld größerer Veranstaltungen (SXSW, Midterm Elections, Delegationsreise Israel) und sind unterwegs entstanden. Und ja, das ist auch jetzt wieder der Fall. Vom 29. September bis zum 6. Oktober nehme ich am Educational Expert Seminar von Fulbright Deutschland teil (gemeinsam organisiert mit dem Stifterverband, dem Hochschulforum Digitalisierung und dem German Center for Research and Innovation in New York). Die zweiteilige learning journey beginnt mit Stationen in Boston (Hello Harvard & MIT) und New York (See you, CUNY & New School) und wird im Dezember in Berlin fortgesetzt.

Einen weiteren Rahmen setzt das deutsch-amerikanische Freundschaftsjahr, das unter dem leicht schrägen Claim wunderbar together zahlreiche Events und Programme dies- und jenseits des Atlantiks versammelt. Daher nehmen Wissenschaftler und Hochschuloffizielle aus Deutschland und den USA an dem Seminar teil, das sich vor allem an das Leitungspersonal (Rektorats- bzw. Präsidiumslevel) und CIOs/CTOs richtet. Ich gehöre zwar zu keiner dieser Gruppen, konnte aber bei meiner Bewerbung offenbar überzeugend darlegen, dass sich das CAIS ganz intensiv mit Digitalisierungsfragen im Wissenschaftsbereich auseinandersetzt.

Mit Blick auf unsere aktuellen Überlegungen erscheinen vorerst vier Aspekte besonders interessant:

1. Wie arrangieren und organisieren die verschiedenen Disziplinen, die sich mit Digitalthemen auseinandersetzen, ihre Zusammenarbeit? Die hierzulande häufig anzutreffende Kombination „Informatik + X“ (beziehungsweise X + Informatik“, je nachdem) scheint mir doch etwas zu schematisch, da erwarte ich komplexere Ansätze, etwa im Sinne einer integrierenden Digitalisierungsforschung.

2. Inwiefern wirkt sich der digitale Wandel auf den wissenschaftlichen Arbeitsalltag aus? Gibt es so etwas wie einen spill over aus dem Bereich des New Work in Richtung der Hochschulen?

3. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in der aktuellen Debatte in den USA – zum einen als Forschungsgegenstand, zum anderen als Instrumentarium wissenschaftlicher Arbeit?

4. Wie ist der Transfer wissenschaftlicher Forschung in die Praxis gestaltet? Welche Formen von Kooperation und Austausch zwischen welchen Akteuren erscheinen besonders produktiv?

So ganz ahnungslos geht man ja nicht auf eine solche Tour (Hochschulfinanzen, Verzahnung von Forschung und Praxis, Digitaloptimismus…), aber die Nahsicht auf die Bedingungen vor Ort und die Gespräche mit den einschlägigen Expert*innen werden sicherlich viele neue Blickwinkel eröffnen.

In den nächsten Tagen erwartet uns einer dichter Parcours aus Informationsgesprächen, Besichtigungen und Diskussionsrunden an vielen Universitäten und Forschungseinrichtungen, die auf besondere Erfahrungen mit dieser Digitalisierung zurückblicken (oder sie für die Zukunft weiterentwickeln wollen). Die Liste ist lang und prominent, ich werde in den nächsten Tagen dazu vor allem twittern, erst im Nachgang zu der ersten Phase ist eine längere Zusammenfassung hier im Blog oder anderswo vorgesehen. In Boston stehen gleich mehrere Termine am MIT auf dem Programm, darunter auch am zuletzt vom Epstein-Skandal erschütterten Media Lab. Ich bin sehr gespannt, inwiefern die jüngsten Debatten um die Praxis der Forschungsfinanzierung in unserer Runde thematisiert werden, gehören sie doch zur „dunklen Seite“ des Impact der Digitalisierung auf den Hochschulsektor.

Das allgemeine Seminardesign ist sehr spannend, denn es gibt nicht nur vier subtopics auf der Agenda, sondern die Teilnehmer*innen werden auch noch in kleine Arbeitsgruppen eingeteilt, die sich zwischen oder nach den Terminen sowie beim Transfer nach New York zu eigenen Sessions zusammenfinden (darunter ein solution sprint und eine f***up night – so viel zum Thema New Work). Auch bei der Dokumentation bleibt nichts dem Zufall überlassen, denn die peer groups führen ein gemeinsames logbook, in das wesentliche Eindrücke und Ergebnisse der Tagestermine eingetragen werden sollen.

Es kann jedenfalls losgehen, am Montag steht nach einer Einführung der Bereich Emerging Technologies auf dem Programm, am Dienstag geht es mit Smart Curriculum weiter. Am Mittwoch folgen die beiden weiteren Themen Research in the Digital Age und Institutional Challenges.

Stay tuned!


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