Archive for the ‘Landtagswahl’ Category

Duell am Rhein

Donnerstag, 22. April 2010

Am kommenden Montag findet in Düsseldorf das „Das Duell“ zwischen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und der SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft statt. Veranstaltender Sender ist der WDR, die Debatte beginnt um 20.15 Uhr und dauert 60 Minuten – die Sprint-Variante wie bereits 2008 in Niedersachsen (Duell-Trivia: wer kann ohne digitale Hilfsmittel den Namen des damaligen SPD-Kandidaten aufsagen? Und welcher heutige Bundesminister ging damals im so genannten „kleinen Duell“ an den Start?).

Die in der Kölner Vulkanhalle ausgetragene Diskussion wird moderiert von Jörg Schönenborn und Gabi Ludwig – warum nur stellt der WDR ein Duo an den Fragetisch? Gerade die schlechten Erfahrungen aus dem „Kanzlerduell“ vom vergangenen Herbst sollte Abschreckung genug vor zu vielen Moderationsposten sein. Sicher ist, dass dadurch die ohnehin schon knapp bemessene Redezeit von Rüttgers und Kraft noch weiter reduziert wird. Es ist davon auszugehen, dass die Kandidaten von Thema zu Thema hetzen, dabei wenig Überraschendes von sich geben und die Moderation selbst dann noch störend wirkt, wenn sie nur lenkend eingreifen möchte.

Insgesamt kommt der vermeintliche Wahlkampfhöhepunkt jedoch eher unscheinbar daher – die mediale Orientierung auf ein zentrales Kampagnen-Ereignis lässt lange auf sich warten. Eine ordentliche „Debatte vor der Debatte“ fand (bisher) nicht statt, wenn doch noch etwas folgt, dann wird es nur ein kleines Vorgeplänkel sein – und keine groß inszenierte Positionierung der Kandidaten als gute oder schlechte Rethoriker.

Dennoch wollen wir am kommenden Montag ein kleines Experiment durchführen – gemeinsam mit Thomas Pfeiffer (@codeispoetry) von webevangelisten.de habe ich einen kleinen Versuchsaufbau entwickelt, um möglichst viele Tweets mit debattenbezogenen Inhalten für eine unmittelbare Kommentierung sowie für eine wissenschaftliche Nachbearbeitung zu sichern. Das wichtigste Hashtag dafür dürfte #nrwduell sein, außerdem beachten wir natürlich die Namen der Teilnehmer, Parteikürzel sowie den zuständigen TV-Sender. Eine kleine Sammlung der wichtigsten Twitterthemen zur Landtagswahl ist ebenfalls in Vorbereitung.

Ein paar Fingerübungen im Umfeld der britischen Prime Minister Debates haben schon recht spannende Daten hervor gebracht, auch die zeitnahe Abbildung wesentlicher Themen und Trends scheint gut möglich. Am Montag wollen wir erste Ergebnisse unmittelbar nach der Debatte an der NRW School of Governance in Duisburg präsentieren, ebenfalls dort führt der Kollege Thorsten Faas (Uni Mannheim) eine Real-Time-Response-Messung durch. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die Resultate des zweigleisigen Debatten-Monitoring ergänzen (oder auch nicht).

Das Duell am Rhein wird am Montag nicht annähernd die Dimension der britischen Debatten erreichen: während der Debattenpremiere am 15. April sammelte der Dienstleister Tweetminster insgesamt 184.396 Tweets von 36.483 Nutzern. Bei der zweiten Auflage am 22. April ging das 140-Zeichen-Aufkommen ein wenig zurück, gesichert wurden „nur“ noch 142,795 Tweets (-41,601) von 28,790 Nutzern (-7,693). Diese Größenordnung führte auch zu erheblichen Reichweiten-Erfolgen der britischen Politik – während und kurz nach den Debatten erschienen die Namen der drei Teilnehmer sowie das allgemeine Hashtag #leadersdebate in den trending topics bei Twitter. Dort sind politische Themen eher selten zu Gast, europäische Ereignisse erst recht.

Auch wenn das Aufeinandertreffen von Rüttgers und Kraft bei weitem nicht die mediale Prominenz erreicht wie die Debattenserie vor den Unterhauswahlen, so wird sich auch hier der Trend zur Echtzeit-Begleitung eines wichtigen Wahlkampf-Ereignisses im Internet fortsetzen.

In eigener Sache: Nachlese

Samstag, 5. September 2009

Die Landtagswahlen im Saarland, Sachsen und Thüringen (#sst) im Verbund mit den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen (#nrw09) markierten den endgültigen Startschuss für den Bundestagswahlkampf 2009 (#btw09).

Die meisten Beobachter seufzen erleichtert: endlich!

(Ach ja: Eine Zusammenfassung der Ereignisse des Wa(h)lsonntags findet sich hier. Siehe dazu auch die, hm, konstruktive (?) Kritik drüben bei Homo Politicus).

Am Tag nach der Wahl hagelte es Anfragen zu einem aus meiner Sicht eher nebensächlichen Thema: der vorzeitigen „Veröffentlichung“ so genannter Exit-Polls etwa eineinhalb Stunden vor Schließung der Wahllokale. Die im Laufe der Woche folgende öffentliche Entrüstung über das „Twitter-Leck“ oder die „Twitter-Panne“ beschäftigte die alten Medien bis über die Wochenmitte hinaus (die #FAZ reservierte noch am Donnerstag dafür zwei begehrte Plätze auf der Homepage Titelseite). Die Neugier der Agenturen führte schließlich zu einigen eher abseitigen Erwähnungen, etwa im schweizerischen Qualitätsblatt 20minuten, dem New Zealand Herald sowie den GulfNews (Link nicht mehr verfügbar). Man beachte hier besonders die profunde Zitation!

In Deutschland schnatterten die etablierten Pressevertreter um die Wette, mehr oder weniger aufgeregte Berichte gab es zum Beispiel bei Focus Online, in der Süddeutschen, auf heute.de oder beim Handelsblatt (hier besonders schön: die umgehende Korrektur/Richtigstellung/Zurechtweisung durch den hauseigenen Online-Experten).

Für mich ist diese „Medienpanik“ so etwas wie die Essenz  des Internet-Jahres 2009: im Zeichen von #Zensursula wird das Netz als Bote für die Überbringung von Nachrichten abgestraft, die von vielen nicht wirklich verstanden werden, weil das Verständnis für grundlegende Wirkungsmechanismen der Online-Kommunikation fehlt (dieser Absatz in 140 Zeichen).

Sei´s drum – der Wahlkampf tritt nun in seine entscheidende Phase und passend dazu sind in der zweiten Wochenhälfte noch einige weitere Materialien erschienen: ein längeres, erfreulich positiv kommentiertes Interview für HR-Online, der erste Teil einer elektrischen Reportage aus dem Maschinenraum des Web-Wahlkampfs, sowie ein weiteres Gespräch mit dem Wiener Standard. Die Radio-Beiträge in 1Live und dem RBB/Inforadio sind nicht mehr online, das längere Kontext-Format (mp3) in SWR2 dagegen schon.

Schon etwas älter ist das sehr fundierte Dossier der ZEIT über eine neue Oppositionsbewegung, dem Vernehmen nach folgt etwas ähnliches demnächst bei einem großen Nachrichtenmagazin aus Hamburg.

Und was kommt jetzt? Das eigentliche Medienhighlight des Wahlkampfs steht schon vor der Tür – am 13. September findet in Berlin-Adlershof das so genannte TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier statt. Das ist zwar ein „originäres TV-Format“, so die Ausrichter ARD, ZDF, RTL, ProSieben.Sat1 – es wird aber auch Folgen im Internet haben.  Nicht nur bei Zattoo. Stay tuned.

Wahl im Web: Ebbelwoi-Edition

Dienstag, 13. Januar 2009

Die Wahl ist gelaufen, die Sendung „Wahl im Web“ auch. Hier ist eine 15-minütige Zusammenfassung aus der ZDF-Mediathek, hier der Nachbericht des ZMI (inkl. Feedback). Und hier schließlich die Resultate einer Twittersuche nach dem Hashtag #wahlimweb.

Hier die Ankündigung zum Event (= das alte Posting):

Der zweite Wahltag binnen eines Jahres in Hessen wirft seine Schatten voraus:  die Auseinandersetzung mit dem Wahlgeschehen findet nicht nur in Blogs, auf YouTube oder Twitter statt, sondern auch in den alten elektronischen Medien. Aber auch hier verwischen die Grenzen – als follow-up zur Nacht im Netz anlässlich der US-Präsidentschaftswahl legt das ZDF – genauer: die Online-Redaktion im Verbund mit dem Infokanal – das Format neu auf.

Nach dem Muster des Event vom 3. November 2008 wird die Sendung Wahl im Web an einer Universität aufgezeichnet – praktischerweise bei uns in Gießen. Die Moderation übernimmt jedoch nicht Claus Kleber, sondern Markus Kavka (im Promo-Video auf YouTube nimmt er die Sache für meinen Geschmack ein wenig zu locker). Über Konzept, Gäste und (geplante) Inhalte informiert dieser Bericht auf zdf.de.

In Gießen beflügelt die Veranstaltung ganz offensichtlich die Fantasie: wie aus der offiziellen Pressemitteilung der JLU hervorgeht, gibt es ein public viewing in der Aula – das gab es ja noch nicht mal bei der WM!

Update: Im Vorfeld der „Wahl im Web“ habe ich für zdf.de eine kurze Zusammenfassung zu den diversen Online-Aktivitäten im hessischen Landtagswahlkampf schreiben sollen. Hier ist das Ergebnis.

Die Legende vom Apfelwein-Obama

Freitag, 9. Januar 2009

Deutsche Medien berichten landauf, landab, dass die Online-Kampagne von Thorsten Schäfer-Gümbel überhaupt nur als Folge des erfolgreichen Internetwahlkampfs in den USA funktioniere – als digitales Echo und Abglanz des ersten „e-Präsidenten“. In einer etwas seltsamen Wendung konnte der eher spröde Spitzenkandidat mit dem Label „TSG“ dabei zu einer Art politischer Internet-Berühmtheit werden und ganz nebenbei bewahrheitet sich auch mal wieder die beliebte „Amerikanisierungsthese“ – jenseits des Atlantiks entwickeln sich neuartige Formen politischer Kommunikation, die schlafmützige deutsche Politik reagiert darauf, ahmt ein paar Elemente nach und hofft, dass es passt.

Der vollständige Artikel ist gerade drüben bei CARTA erschienen.

Wer braucht im Wahlkampf eigentlich Freunde?

Donnerstag, 8. Januar 2009

Seit einigen Tagen „misst“ das Netzwerk-Barometer auf Homo Politicus von Malte Krohn und Christian Jung die Performance der hessischen Spitzenkandidaten in verschiedenen sozialen Netzwerken.

Auf den ersten Blick mögen die Zahlen wenig aussagekräftig erscheinen, zumal (bislang) nur Thorsten Schäfer-Gümbel, Tarek Al-Wazir und Kordula Schulz-Asche zählbare Resultate produzieren. Die Spitzenkandidaten von CDU, FDP und der Linkspartei sind in den entsprechenden Communities (Facebook, StudiVZ, Wer-kennt-wen) oder beim Kurznachrichtenservice Twitter nicht einmal vertreten.

Trotzdem ist es recht aufschlussreich, sich die Zahlen und vor allem die Entwicklung der Netzwerkstrukturen in den letzten Tagen vor der Wahl einmal etwas genauer anzusehen – denn gerade an dieser Stelle ist nun wirklich einmal eine Verbindung zum US-Wahlkampf erlaubt. Im Laufe des Tages erscheint auf Homo Politicus eine kleine Einleitung (Link folgt)  zu einem kleinen, aber feinen Analysewerkzeug.

Was e Gebabbel!

Freitag, 5. Dezember 2008

Soeben drüben bei carta.info erschienen – ein kleiner Text zur aktuellen Wahlkampf-Situation in Hessen, hier der Vorspann:

Die Neuauflage des hessischen Landtagswahlkampfs ist im Gange und eine wesentliche Entscheidung scheint bereits gefallen – die Leidtragenden sind die Wählerinnen und Wähler: Fernsehdebatten, im Januar diesen Jahres noch als gewinnbringende Innovation und reichweitenstarkes politisches Bildungsformat gefeiert, wird es bei der Neuauflage der Wahl wohl nicht geben. Das ist bedauerlich.

Passend zum Thema auch die neuen Daten des ZDF-Politbarometer (reißerisch: Schwarz-gelbe Mehrheit in Sicht): demnach liegt die CDU bei 41%, die SPD bei 26%, FDP und Grüne bei 12%, die Linkspartei bei 5%. Interessanter als die Momentaufnahme der Sonntagsfrage scheinen die Daten zu den Spitzenkandidaten – nur 41% der Befragten hätten Roland Koch „lieber“ als Ministerpräsident (was für eine knallharte Frageformulierung!), immerhin 34% nennen an dieser Stelle Thorsten Schäfer-Gümbel. Der „Sinkflug“ der SPD war erwartbar, die Positionierung des Spitzenkandidaten nicht unbedingt.

Zum Vergleich, nur mal so: beim HessenTREND von Infratest dimap im November 2007 lag Roland Koch mit 43% vor Andrea Ypsilanti mit 24%…

Groundhog Day

Sonntag, 9. November 2008

Die Zeiten ändern sich: Mit dem Namen Schäfer-Gümbel wäre man vor einigen Jahren noch eine Frau gewesen und in der FDP.

(Danke, Mario Sixtus!)

Es gibt also wieder Wahlen in Hessen (voraussichtlicher Termin: 18. Januar 2009). Der o.g. SPD-Kandidat hat einen mittelhessischen Hintergrund, erfüllt die ein oder andere Quote, aber nicht diese hier:

Greser & Lenz vom 8.11.2008, via faz.net.

Wahlcomputer für Deutschland?

Sonntag, 22. Juni 2008

Etwas reißerisch, aber doch: E-Voting – Wahlcomputer für Deutschland lautet der Titel eines Arbeitsgesprächs, das bereits am kommenden Dienstag (24.6.2008) am Institut für Politikwissenschaft der JLU Gießen stattfindet (für Interessierte vor Ort: ab 14 Uhr im Phil II, Haus E, Raum 106).

Studierenden aus meinem Lehrforschungsprojekt Medialisierung von Wahlen ist es doch tatsächlich gelungen, Vertreter der zwei „Streitparteien“ an einen Tisch zu bekommen: aus Berlin kommt Constanze Kurz, die einerseits an der Humboldt-Universität arbeitet, vor allem aber als Mitglied des Chaos Computer Club für Furore gesorgt hat. Aus Südhessen reist Bernhard Emrich an, der als Wahlamtsleiter der Stadt Langen im Januar den Einsatz elektronischer Wahlgeräte zur hessischen Landtagswahl koordiniert hat – und dabei (neben anderen) ins Visier von Datenschützern und Öffentlichkeit geraten ist. (Ach ja, ich selbst sitze auch mit am Tisch, werde mich aber mit Wortbeiträgen zurück halten und vor allem interessiert zuhören.)

Einiges Hintergrund-Material zur Thematik findet sich hier im Weblog, ein etwas ausführlicherer Artikel liegt bei Telepolis Online zur Ansicht aus. Außerdem lesenswert: die Dokumentation des CCC zu den Wahlbeobachtungen anlässlich der Landtagswahl vom 27.1.2008.

Update (23.6.): Wer hätte das gedacht – die Veranstaltung zieht ihre Kreise. Neben Bernhard Emrich wird mit Michael Fleischer (Viernheim) noch ein zweiter Wahlamtsleiter die Gelegenheit zum Arbeitsgespräch nutzen. Das rege Interesse zeigt, dass es ganz offenbar einen Bedarf gibt, sich „post festum“ mit den Bedingungen des Einsatzes elektronischer Wahlgeräte auseinanderzusetzen – das hitzige Klima im unmittelbaren Umfeld der Wahlen im Januar hatte eine solche Diskussion bislang erschwert bzw. völlig verhindert. Wir sind gespannt…

Hamburg wählt (analog)

Freitag, 22. Februar 2008

Nach nur vier Wochen Wahlpause steht bereits die nächste Landtagswahl, am Sonntag wird über die Zusammensetzung der Hamburger Bürgerschaft abgestimmt. Pünktlich zum Wahltermin erhält auch die zuletzt ein wenig abgekühlte Diskussion über die Regierungsbildung in Hessen neues Feuer: durch die Rede vom „Wortbruch“ der SPD hinsichtlich der Möglichkeit einer durch die Linkspartei tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung.

Darum geht es hier jedoch nicht, und auch nicht um den im Vergleich zu Hessen (und Niedersachsen) erheblich avancierteren Online-Wahlkampf. Dazu gäbe es zwar schon einiges zu schreiben, etwa über das CDU-Videoportal OLE TV (siehe auch NS-TV), die Podcasts der SPD, sowie natürlich die FDP und ihr vieldiskutiertes Video mit dem Spitzenkandidaten Hinnerk „Gaylord“ Fock (und Sky du Mont).

Leider viel zu wenig Beachtung finden in diesem Trubel nämlich die Bemühungen der Hamburger Innenbehörde zur Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Wahl. Neben den Standard-Infos im traditionellen Gewand der Behördenmitteilungen wurde ein gut sortiertes Themenportal entwickelt, das unter www.24-februar.de zahlreiche Register der digitalen Wählerbildung zieht.

(more…)

Recount?

Montag, 28. Januar 2008

Schon gestern abend deutete sich an, dass der Einsatz von Wahlgeräten in acht hessischen Gemeinden ein Nachspiel haben dürfte. Hier nochmal der entsprechende Blog-Eintrag:

20.49 Uhr

In einigen Weblogs gibt es Berichte vom Wahltag, z.B. hier von einer versuchten Wahlbeobachtung in Obertshausen (via Sven Borkert). Zahlreiche weitere Hinweise finden sich auch im Beitrag Bananenrepublik Hessen (via Ralphs Piratenblog).

An diesen Stellen und auch anderswo (sehr gut: ein Twitter-Feed zur Wahlbeobachtung vom Sonntag) entfaltet sich gerade seit heute mittag eine überaus spannende Sammlung und Diskussion von Wahlbeobachtungen in einigen der o.g. Städten und Gemeinden (ein Zentrum scheint das o.g. Hey Obertshausen-Posting über einen you fm-Blog). Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich der Diskurs nun weiter entwickelt (und wie schwarz der Sonntag für die hessische Demokratie nun wirklich war).

Und heute geht es weiter:

Ebenfalls noch am gestrigen Abend folgte dann mit einer neuen Pressemitteilung des Chaos Computer Club die erste Reaktion auf die vielfältigen Erfahrungen bei den Wahlbeobachtungen (Schwerwiegende Wahlcomputer-Probleme bei der Hessenwahl), außerdem berichtet Spiegel Online (Computer-Club kritisiert Wahlrechner-Schlampereien) über die Probleme am Wahltag, dort werden auch mögliche Konsequenzen (Anfechtungen, Nachwahl) erörtert. Hier der entsprechende Bericht via HR-Online.

Auch aus einer weiter gefassten Perspektive bleibt der Umgang mit Wahlgeräten natürlich ein Thema – so ist zum Beispiel auch systematisch zu untersuchen, inwiefern sich die Technisierung nicht nur auf das Wahlergebnis, sondern auch auf die Wahlbeteiligung ausgewirkt hat. Eine erste flüchtige Durchsicht der über das Hessische Statistische Landesamt verfügbaren Daten vermittelt zumindest den Eindruck, dass der Wahlgeräte-Einsatz nicht durchgängig signifikante Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung hatte. Die meisten Städte/Gemeinden verzeichnen einen leichten Rückgang der Wählerstimmen, in Lampertheim (-6,7 %) und in Viernheim (- 11,7 %) treten dabei die größten Abweichungen auf. Hier wäre nun eine Verbindung zu den Vor-Ort-Berichten angezeigt – zumindest für Viernheim heißt es, dass für eine Zeit lang die Geräte nicht funktionsfähig waren (vgl. HR-Online).

Die CCC-Beobachtungen, dass es in einigen Wahllokalen zu ungewöhnlich langen Wartezeiten kam, dass die Wähler nicht ausreichend informiert an den Wahlcomputer treten oder das „Wahlpersonal“ zu wenig systematische Hilfestellungen zu leisten in der Lage war, können eigene durch Vor-Ort-Beobachtungen bestätigt werden. Hier muss jedoch noch eine genauere Auswertung der Feldnotizen erfolgen, bevor eindeutige Aussagen gemacht werden können.

Nichtsdestotrotz – selbst die CCC-Berichte legen den Eindruck nahe, dass der „menschliche Faktor“ das größere Problem beim Wahlgeräte-Einsatz darstellt. Es soll keinesfalls unterschlagen werden, dass es auch zu konkreten Fehlfunktionen der Nedap-Maschinen kam – doch stellen eklatantes Fehlverhalten bei der Implementierung dieser für die Mehrzahl noch neuen Option der Stimmabgabe offenbar das eigentliche Problem dar. Dazu zählen nicht nur die konkreten Vorfälle in unmittelbarer Nähe zum Wahltag (z.B. Einlagerung von Wahlgeräten in Privathaushalten/Niedernhausen), sondern auch Versäumnisse bei der Wahlvorbereitung bzw. der Wählerinformation.

Vor kategorischen Verbotsforderungen sämtlicher Stimmabgabetechnologie steht neben deren geräteseitger Verbesserung mindestens noch die Debatte um eine Optimierung der Einbettung in die formale Wahlorganisation.

Nach den Ereignissen bei der Landtagswahl, die wohl einer eingehenderen Prüfung durch die Landeswahlleitung unterzogen werden, rücken nun zwangsläufig die nächsten Abstimmungen in den Blick, die mit Hilfe von Wahlgeräten durchgeführt werden – dazu zählen u.a. die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Langen (10.2.) oder die Bürgermeisterwahl in Obertshausen (2.3.).