Archive for the ‘PowerPoint’ Category

Wiedervorlage: PowerPoint

Montag, 21. Dezember 2009

Rechtzeitig vor Weihnachten ist mal wieder eine Publikation zum Thema „Untergang des Abendlandes“ „Präsentieren mit PowerPoint“ erschienen – der von Wolfgang Coy und Claus Pias herausgegebene Sammelband „PowerPoint – Macht und Einfluss eines Präsentationsprogrammes“ versammelt Beiträge aus diversen Disziplinen und liefert mal wieder Stoff für die Kulturpessimisten in den Feuilletonredaktionen (in diesem Jahr dominiert dort allerdings der von Frank Schirrmacher angezettelte Konkurrenzdiskurs um die Überforderungen der Informationsgesellschaft und den Angriff der Algorhitmen).

Ende November hat Thomas Steinfeld in der SZ sein Unbehagen an Präsentationsprogrammen unter der Überschrift „Ist Powerpoint gefährlich?“ formuliert. Der  Text provozierte Reaktionen von Kollegen aus dem von der VW-Stiftung geförderten Verbundprojekt Interactive Sciene.

Am 7. Dezember veröffentlichte Hans-Jürgen Bucher im Weblog Wissenschafts-DNA eine Replik mit dem Titel „PowerPoint macht nicht dumm – aber auch nicht klug“. In der SZ selbst erschien am 8. Dezember eine Erwiderung von Henning Lobin unter der Überschrift „Welch ein Folien-Theater“.

Ach ja, fast vergessen: Der Inhalt meines Beitrags „Ist PowerPoint böse? Öffentliche Debatten um PowerPoint in Deutschland und den USA“ beschreibt rückblickend Grundlagen und Unterschiede der Software-Rezeption – die eigentliche Pointe zielt aber in eine andere Richtung. Vielleicht ist PowerPoint ja einfach nur „schlecht“. Und seit Steven Johnson wissen wir manche ja, dass „alles schlechte gut für uns ist“.

Die Grundlage des eher zweidimensionalen Artikels ist eine nicht ganz unkomplexe PowerPoint-Präsentation (sowas soll´s tatsächlich geben), die ich auf Nachfrage gern zur Verfügung stelle. Update: Leider ist die .ppt-Datei bei einem der diversen Rechnerumzüge der letzten Jahre verloren gegangen – eine Bereitstellung per Mail ist daher nicht mehr möglich, sorry!

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PowerPoint ins Klassenzimmer?

Mittwoch, 7. Januar 2009

Wie wir ja längst wissen, macht PowerPoint dumm und sorgt mittelfristig für den Untergang des Abendlandes (vgl. diverse Artikel in diesem Blog). Nun aber liest man in der neu sortierten FAZ auf der Seite „Forschung und Lehre“, dass der Umgang mit Präsentationsprogrammen durchaus ins Curriculum gehört – schon allein deswegen, weil die Nutzung aus dem Unterricht längst nicht mehr wegzudenken ist.

In seinem erfrischend unaufgeregten Beitrag erläutert der Bonner Theologe Wolfram Kinzig die Problematik anhand seiner privatempirischen Erfahrungen – die Kinder erhalten vage Rechercheaufträge zu verschiedenen Themen, sollen „im Internet“ nach Informationen suchen und sie dann im Unterricht vorstellen. Ähnlich wie in der universitären Ausbildung hat für die Ergebnispräsentation die Nutzung von PowerPoint den althergebrachten Displaytechniken „Tafel“ oder „Overheadprojektor“ längst den Rang abgelaufen. Und ebenso wie im Elfenbeinturm ist auch in der Schule eine gewisse Schieflage festzustellen:

Viele Lehrer sind nicht einmal in der Lage, eine von einem Schüler vorbereitete Präsentation vorzuführen, sei es, dass hierzu die notwendige EDV-Ausstattung nicht zur Verfügung steht, sei es, dass ihnen das notwendige technische Knowhow fehlt.

Anders als die meisten, betont kritisch formulierten Einwürfe zum Thema liefert der kleine Text Wer lehrt die Kinder googeln? mit wenig Aufwand einige gute Argumente für einen aufgeschlossenen, aufgeklärten Umgang mit der teuflischen Software des bösen Microsoft-Imperiums.

Warum geht das nicht öfter so?

In eigener Sache: Berlin

Freitag, 11. April 2008

Im Durcheinander des Semesterstarts mussten die eigentlich zwingenden Themen für´s Blog leider in der Schublade bleiben. Auf dem Stapel liegen derzeit u.a.: Warum bloggen Professoren nicht? (Weil sie auch noch die uni-internen Lernplattformen bespielen müssen), Wer wählt in Europa elektronisch? (neben Estland noch Irland und Schottland, demnächst wohl auch Litauen), Wie läuft´s im US-Vorwahlkampf? (die einen sagen so, die anderen so). Nun aber zu etwas ganz anderem:

Pacman Pie Chart (via presentationzen.com)

Um einen völligen Blog-Stillstand zu vermeiden daher nur kurz der Hinweis auf einen weiteren Vortrag, diesmal zum Thema „Ist PowerPoint böse?“ im Rahmen des Workshops Powerpoint, Office und die Folgen am Erwin-Schrödinger-Zentrum der Humboldt-Universität Berlin. In der Ankündigung heißt es:

„Office-Pakete sind wie Leitzordner Kennzeichen moderner Bürokratie. Powerpoint ist das globale Kommunikationsmittel der Verwaltung, im Verkauf und in der Wissenschaft. Solche Monokulturen haben ihre Vorzüge, ihre Eigenheiten, aber auch ihre Nachteile. Der Workshop soll einen Blick auf diese Phänomene werfen.“

Eine der interessanteren Beobachtungen bei der Vorbereitung war, dass sich die führenden PowerPoint-Forscher nun auch verstärkt um das visuelle Interface des iPhone zu kümmern scheinen – Edward Tufte jedenfalls gefällt der cartoon-artige Style der iPhone-Symbole offenbar nicht besonders gut. (Die herrliche Grafik oben stammt aus dem hervorragenden Weblog PresentationZen von Garr Reynolds).

Performing Science

Samstag, 27. Oktober 2007

Äußerst anregend, die zweitägige Veranstaltung zu zeitgemäßen Präsentationen von Wissen und Wissenschaft direkt vor bzw. hinter der ZMI-Haustür – für Teilnehmer aus Ergebnisse vgl. die Veranstaltungswebsite unter www.performingscience.de (einen externen Bericht liefert faz.net).

Leider konnte ich wg. anderer Verpflichtungen nur einen Teil der Wettbewerbsbeiträge sehen, aber schon der Ausschnitt am Samstag war sehr spannend (darunter immerhin Erst- und Zweitplatzierte/r). Auch die öffentliche Diskussion der Jury nach dem Muster des Bachmann-Preises fügte sich gut ins Konzept, denn dabei wurde deutlich, dass ein solcher Wettbewerb auch in der Lage ist, über die gezeigten Beiträge hinaus eine Wirkung für die Wissenschaft zu entfalten. Die immer wieder aufgeworfenen und diskutierten Fragen zur Angemessenheit von Inhalt und Form des Vortrags, Rolle und Funktion der Präsentierenden lieferen eine stetige Aufforderung zum Nachdenken über die künftige Darstellung eigener Arbeiten.

Josef Joffe will das Abendland retten

Dienstag, 31. Juli 2007

Nachdem es lange ziemlich ruhig war in der deutschen Diskussion um Nutzen und Nachteil des Präsentationsprogrammes PowerPoint, hat sich nun mit Josef Joffe endlich wieder ein Großautor und Folienversteher zu Wort gemeldet („An die Wand geworfen“, Die ZEIT vom 26.7.2007). Und wie könnte es anders sein, auch Herr Joffe lässt kein gutes Haar an der bösen Software aus dem Hause Gates. Offenbar bewirbt er sich um den Titel des deutschen PP-Chefkritikers und will den mittlerweile emeritierten Stuttgarter Germanisten Heinz Schlaffer beerben.

Im Rahmen des Artikelpaketes „Schadensbericht Deutsch“ wettert Joffe nicht nur gegen „die Verengung des Geistes und der Sprache“, nein, es darf schon ein bisschen mehr sein: Der geistig-kulturelle Untergang nicht nur Deutschlands, sondern des gesamten Abendlandes wird implementiert, wenn nicht gar verwirklicht durch PowerPoint. Na bravo – angesichts dieser Tirade wirkt selbst Schlaffers Polemik noch vergleichsweise zahm und elegant.

Als belesene Edelfeder untermauert Joffe seine Argumentation mit einem vermeintlichen Kunstgriff: er übersetzt mit der Gefallenenrede von Perikles „eine der berühmtesten Ansprachen der westlichen Zivilisation“ in eine Fünf-Folien-Präsentation.

Wie originell. Joffe kopiert damit lediglich den Ansatz der berühmten Gettysburg Powerpoint Presentation, mit der Peter Norvig (Director of Research, Google Inc.) schon im Jahr 2000 ein Fanal gegen schlechte Präsentationen gesetzt hat. Abgesehen von dieser billigen Argumtentations-Beihilfe ignoriert Joffe auch andere Zweige der inzwischen doch schon etwas gehaltvoller gewordenen Debatte um computergestützte Präsentationsprogramme. Selbst in Deutschland gibt es Vertreter der aufgeklärten PP-Fraktion, längst sind „visuelle Präsentationen“ auch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und im Herbst wird hier am ZMI der erste „Preis für Wissenschaftliche Präsentation und Lecture Performance“ vergeben.

Aber gut, schon eine nur wenig offenere Perspektive hätte natürlich die satt kulturpessimistische Haltung des Artikels zunichte gemacht (soviel zur „Verengung des Geistes“).

Ich persönlich halte es ja weder mit der deutschen (PowerPoint macht dumm), noch mit der amerikanischen (PowerPoint is Evil) Essenz der Debatte. Im Rahmen eines Vortrags im Mai 2007 habe ich versucht darzulegen, dass PowerPoint etwas anderes ist, nämlich schlecht. Allerdings – „schlecht“ im Sinne von Steven Johnson, der in den vermeintlichen Untiefen populärer Kulturerzeugnisse wie Computerspielen oder Fernsehserien große Potenziale erkennt und für den PowerPoint wohl zunächst nur ein neues Werkzeug wäre: „When new tools arrive, you have to learn what they´re good for, but you also have to learn the rules that govern their use“.

Aber das ist ja nur so eine amerikanische Oberflächlichkeit, hier im alten Europa steht ja gleich die ganze Kulturgeschichte auf dem Spiel. Mindestens.

PS: Auf Anfrage stelle ich das Skript des Vortrages Ist PowerPoint böse? gerne zur Verfügung. Warnhinweis: Es handelt sich um eine PowerPoint-Datei.