Archive for the ‘Silicon Valley’ Category

Wie funktioniert ein „Ethics Center“?

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Heute hatte ich die Gelegenheit zu einem Besuch im Markkula Center for Applied Ethics an der Santa Clara University. Seit meinem Wechsel an die Universität Duisburg-Essen habe ich mich (vor allem aus der Perspektive des anwendungsorientiert arbeitenden Politikwissenschaftlers) mit verschiedenen Aspekten der Ethik-Ausbildung an deutschen Hochschulen auseinandergesetzt und den Vergleich mit der US-amerikanischen Praxis halte ich für durchaus ertragreich.

Auch wenn es zunächst etwas unscheinbar klingen mag (wer kennt schon Santa Clara?), das Center ist eines der größten in den USA und weist im Vergleich zu den meisten anderen Ethik-Einrichtungen nicht nur allgemeine Angebote und Services für die jeweilige Hochschule auf, sondern ist auch als Dienstleister und Think Tank in die regionale Umgebung eingebunden. Schließlich weist das Center darüber hinaus eine inhaltlich ausdifferenzierte Struktur entlang mehrerer Themenfelder auf (z.B. Bioethik, Umweltethik, Wirtschafts-/Unternehmensethik) und postitioniert sich als öffentliche Bildungseinrichtung.

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In eigener Sache: San Francisco

Montag, 15. September 2008

Seit ein paar Tagen und noch bis Anfang Oktober bin ich im wissenschaftlichen Auslandseinsatz – der Arbeitsplatz konnte dank der Dotierung des letztjährigen Preises der Justus-Liebig-Universität zumindest zeitweise nach San Francisco verlegt werden.

Von hier aus werde ich nun einigen Entwicklungen des Online-Wahlkampfes um das Weiße Haus nachgehen – d.h. vor allem stehen drei Bereiche im Vordergrund:

Social Campaigning – die forcierte Nutzung neuerer und neuester Formen von Online-Kommunikation, was insbesondere auf die Integration von Social Network Sites in die Kampagnenplanungen hinausläuft. In diesem Zusammenhang habe ich auch versuchsweise einen Twitter-Account aufgesetzt, denn in den nächsten Tagen gibt es wohl die Gelegenheit für ein Interview am Firmensitz – wie schätzen wohl die Gründer die politische Nutzung ihres Services ein? Außerdem stehen auf dem Programm Visiten im Silicon Valley bei Google, Facebook und evtl. auch flickr.com.

Digital Debates – der laufende Präsidentschaftswahlkampf sieht vermutlich die letzten klassischen TV-Debatten (Duelle sagt man hier nicht), und bereits in den primaries des Frühjahres begann das Fernsehformat zugunsten interaktiver Elemente und Versuchsballons aufzuweichen. Die vier im September und Oktober angesetzten Debatten werden voraussichtlich eine Verschärfung dieses Trends zeigen, besonders deutlich wird dies am Beispiel der „Second Presidential Debate“ am 7. Oktober – hier wurde bereits eine educational partnership mit myspace.com eingerichtet, um die Diskussion (ein Townhall-Format) innovativ „ins Internet zu übertragen“.

Electronic Voting – ein Dauerthema auch in den USA, wobei am Standort Kalifornien in diesem Jahr eine Konkurrenz zwischen e-voting und absentee voting zu beobachten ist. Aufgrund der z.T. massiven Sicherheitslücken und diverser Pannen hat die zuständige Wahlbehörde in Sacramento Auflagen für den Einsatz von Wahlgeräten verabschiedet, die vermutlich zu einem Rückgang der Elektronifizierung der Wahllokale führen werden. Allerdings: gleichzeitig findet eine groß angelegte Kampagne für die Briefwahl statt – bei der jedoch auch eine automatisierte Auszählung stattfindet. Befeuert wird die Diskussion durch den Start eines Dokumentarfilms, der offenbar in der Michael Moore-Tradition steht: Stealing America – Vote by Vote (unverkennbar sind aber auch Anleihen beim Klassiker Hacking Democracy). (Update: gerade gesehen – passend zum Thema ist Hacking Democracy für Oktober/November auf HBO angekündigt.)

Zu diesen drei, vermutlich aber auch anderen Segmenten aus dem US-amerikanischen Wahlkampf gibt es in den kommenden Wochen Beiträge auf verschiedenen Kanälen, zum Teil hier im Blog, gelegentlich auch drüben bei den Blogpiloten, bei politik-digital evtl. auch anderswo. Kleinere Infobites werden getwittert.

Stay tuned, keep following.

Where it all started..?

Freitag, 18. Mai 2007

Schon lange angekündigt, aber wg. der kurzfristigen Aktivitäten zur Frankreich-Wahl verschoben – mehr Material aus dem Silicon Valley. Das nachfolgende Bild zeigt den aktuellen Zustand (okay, März 2007) der Ur-Garage aller Garagenfirmen und damit einen echten (Business-)Mythos des 20. Jahrhunderts.

In einer eher spießigen Ecke des ohnehin gut- bis besser-bürgerlichen Palo Alto an der Südwest-Flanke der San Francisco Bay findet man nach einigem Suchen tatsächlich einen der größten Sehnsuchtsorte für Nerds (und Geeks) aus aller Welt. Leicht in den Hinterhof versetzt und von der Straße aus nicht sofort sichtbar steht die renovierte und frisch gestrichene Bretterbude, in der William R. Hewlett und David Packard als Pioniere der Universitäts-Ausgründungen einen Audio-Oszillator entwickelten. Der Rest ist eher bekannt.

Nicht, dass das Faktum an sich besonders interessant wäre – der Besuch vor Ort ist es allerdings schon. Palo Alto funktioniert als Stadt bzw. Zentrum der SilikonComputerindustrie vor allem wegen der Initiative der Herren H & P. Der Googleplex, vielleicht zehn Autominuten entfernt gelegen, wäre undenkbar ohne das Wagnis der beiden Herren in späten 1930er Jahren. Diese Zeitreise, vom nur wenige Quadratmeter großen Bretterverschlag zum imposanten Hauptquartier der „guten Menschen von Google“, ist eine veritable Konkurrenz zum Studium des rasant angewachsenen Literatur- und Filmmaterials zur Erfolgsgeschichte des Such & Findgiganten.

Pirates of Silicon Valley

Samstag, 21. April 2007

Soeben macht sich der Kultursender ARTE mit einem veritablen Nerd-Themenabend um die Kultur der der neuen Medien verdient: eröffnet wurden die drei Stunden am Freitagabend mit dem 90-minütigen Feature über „Die neuen Herren der Welt“ (lies: Google). Die französische Produktion setzt sich mit zahlreichen Aspekten der Arbeit der „guten Menschen von Mountain View“ auseinander und mischt dabei Interviews mit Suchmaschinen-Kennern und -Aussteigern mit Internet-Clips zum Thema.

Auf den bisweilen etwas langatmigen und pädagogischen Aufklärungsfilm (etwa: Google Books ist böse, weil nun die digitalisierten Werke von Guy de Maupassant online verfügbar sind und französische Verlage in die Röhre schauen) folgt das recht abseitige Mehrfach-Biopic „Pirates of Silicon Valley“ über die frühen Jahre der Herren (Steve) Jobs und (Bill) Gates. Entstanden ist der Film im Jahr 1999, ausgerechnet während der ersten downtime der New Economy. Irritierend ist dabei nicht nur die Besetzung von Anthony Michael Hall als Bill Gates (Mr. Hall ist eine Ikone von 80er-Jahre teenage movies wie „Breakfast Club“ oder „Sixteen Candles“, jeweils an der Seite von Molly Ringwald), sondern auch die Erzählperspektive aus der Sicht von Steve Wozniak – den man rückblickend vielleicht als die eigentliche Schlüsselfigur in der mindestens unwahrscheinlichen, eher absurden Story um die Erfindung des Betriebssystems, der Maus, der grafischen Benutzeroberfläche und – ja, der Zukunft, bezeichnen kann.

Sehenswert. Auch wenn die Quoten gut informierten Kreisen zufolge nicht die 0,1 %-Schwelle erreichen werden.

PS: Die Google-Doku ist ab heute (21.4.) für sieben Tage online verfügbar.

Nummer 976

Donnerstag, 5. April 2007

Die „Geek Tour“ an diverse Stätten der Internet- und Technologiegeschichte ist (leider) abgeschlossen. Oben ein erstes Fundstück, weitere werden in loser Folge und unter gelegentlicher Kommentierung folgen. Die „Geburtstafel“ des Silicon Valley findet sich im übrigen in einer netten, leicht spießigen Wohngegend in Palo Alto. In einem Vorgarten.

Die Garage im Hinterhof hat inzwischen einen neuen Anstrich erhalten, und sieht längst nicht mehr so aus wie hier, auf den Seiten des privaten Online-Guides ageekstour.com. Bild folgt in Kürze.