Archive for the ‘USA 2008’ Category

Election Countdown: Monday (PM-Edition)

Montag, 3. November 2008

Presidency 2.0

Pünktlich zum Wahltag mehren sich also die Fragen, was nach dem 4. November aus dem gigantischen online effort der Kandidaten wird – wie wird die Transition to Presidency genau aussehen, die Mark Drapeau hier vorausschauend skizziert hat?

Update #1: nun liegt bereits der zweite Beitrag zum Thema vor, David Lazer fragt What Happens to the Obama Network after the Election?

Update #2: Jetzt wird es noch etwas kleinteiliger, weil empirischer. Micah Sifry dokumentiert Teile einer E-Mail-Konversation, die den Schluss nahelegen, dass sich das Obama-Netzwerk bereits zu verselbständigen beginnt – ohne den Wahlausgang abzuwarten.

Während sich Mark Drapeau vor allem mit den Möglichkeiten und Notwendigkeiten des Technologie-Einsatzes innerhalb des Regierungsapparates (und zwischen alten und neuen Regierungsmitarbeitern) auseinandersetzt, finden die Bürger in seiner Aufzählung zu spät (im letzten Absatz) und zu kurz Erwähnung:

Finally, citizens should be engaged in the transition process, and understand what increased risks there may be during that period. In an increasingly fragmented media and information society, that level of engagement requires more than a press release and newspaper coverage. It means full multimedia engagement using blogging, speeches, informal gatherings, mobile technologies, podcasts, online video, and widgets. The outreach should also use social tools that allow bidirectional conversation, increasing citizen participation and interest in government.

Schön und gut, die volle Portion Online-Nutzung gehört sicher in das Portfolio künftiger Regierungen, doch das ist im Grunde nicht neu und eine klare Strategie, wie eine solche web-based presidency aussehen könnte, wird nicht erkennbar. Doch das muss auch gar nicht sein, betont Andrew Rasiej, Kopf hinter dem einflussreichen Tagungsformat Personal Democracy Forum und eine der schillerndsten Figuren im aktuellen E-Democracy-Zirkus, im eiligen Gespräch zwischen diversen Medienterminen am Tag vor der Wahl.

Die Fortsetzung bzw. Ausarbeitung des Textes ist im Artikel Application Democracy? bei Telepolis zu lesen.

Monday Night Football

Der Vorabend der Wahl ist den USA immer ein Montag – und daher ein Football-Abend. Erstmals (seit immerhin zehn Wahlzyklen, bemerkt die New York Times) sind nun beide Kandidaten in der TV-Übertragung zu sehen (Spiegel Online, aufgepasst: noch mehr unterhaltungsorientierte Politik in den USA! Skandal!). Passenderweise fand das Montagsspiel in Washington statt, doch aufgrund der Kampagnen-Odyssee, die beide Kandidaten in mehrere umkämpfte Bundesstaaten führte, wurden jedoch nur vorproduzierte Interviews ausgestrahlt (zu sehen via ESPN.com), deren Reihenfolge per Münzwurf ermittelt worden war.

Saturday Night Live Presidential Bash

Die zweistündige Sonderausgabe der Comdey-Sendung (Spiegel Online: „Postmoderner Polit-Overkill“) ist gerade vorbei, bei Twitter trudeln die ersten Feedbacks ein. Die neu versendeten Videos scheinen nicht noch mehr „Wahnsinn“ (SpOn) auszulösen, im Gegenteil, für viele Nutzer scheinen die Gags eher schal zu wirken. Es ist wohl an der Zeit, dass nun – endlich – gewählt werden kann. Trotzdem: hier der Vollständigkeit halber das köstliche Endorsement von „George W. Bush“.

Election Countdown: Monday (AM-Edition)

Montag, 3. November 2008

Nur noch ein Tag, und dann ist ein langer, langer Präsidentschaftswahlkampf vorbei (natürlich besteht die Möglichkeit der Verzögerung durch Nachzählung bzw. Anfechtung, doch die blenden wir hier zunächst einmal aus). Zeit für ein kurzes Resümé, das eine – natürlich nur vorläufige – Einordnung der Rolle des Internet in diesem vierten Präsidentschaftswahlkampf unter Online-Bedingungen unternimmt (bei der New York Times hatte man eine ähnliche Idee).

David Carr und Brian Stelter präsentieren in ihrem Artikel Campaigns in a Web 2.0 World zahlreiche Errungenschaften der Netzkampagnen, würdigen Barack Obamas Adaption der Social-Network-Plattformen, konstatieren aber auch, dass bei der McCain-Kampagne nicht alles digitale schlecht war. Besonderes Augenmerk richten sie auf die Verschmelzung der verschiedenen Medienumgebungen, als wesentliche Triebfeder gilt ihnen dabei die Videoplattform YouTube. Damit beschreiben die Autoren zwar in der Tat eine wichtige Entwicklung, die allmähliche Ablösung des Fernsehens als audiovisuelles Leitmedium, doch dies ist nur ein Segment der Web 2.0 World – und nicht unbedingt das mit der stärksten Verankerung im Social Web oder „Mitmach-Netz“.

Bei einer Rückschau auf den Online-Wahlkampf fallen natürlich die zahlreichen Web-Videos auf, auch und gerade weil sie sich so gut in das bekannte Muster der medialisierten Kampagnenformate einfügen – etwas harscher ausgedrückt könnte man auch sagen: alter Wein in neuen Schläuchen (das etwas abgegriffene Wortspiel passt hier sogar ziemlich gut, zielt es doch auf den Distributionsweg). Die vielen Videos, angefangen mit den Kandidatur-Ankündigungen von Clinton und Obama früh im Jahr 2007, über erste Angriffskampagnen im Vorwahlkampf (Clinton/Big-Brother), externe Unterstützerbeiträge (Obamagirl, Yes we can-Musikvideo) bis zu den Fey/Palin-Parodien aus dem Saturday Night Live-Umfeld stellen gewissermaßen den „missing link“ zwischen Fernsehoberfläche und Computerbildschirm dar, der auch nach Ansicht der NY-Times-Autoren in den nächsten Jahren vermutlich verschwinden dürfte.

Die vielleicht stärkste Verschmelzung dieser audiovisuellen Plattformen war jedoch während der TV-Debatten zu beobachten – die Digitalisierung der Debatten mit ihren verschiedenen Facetten (Mail-in- bzw. Video-in-Questions, mydebates.org, Hack the Debate, Open Debate Coalition) hat eine Schwelle überschritten, hinter die auch in den nächsten Wahlen nicht mehr zurückgegangen werden kann. Die Einbettung von Bürgerfragen oder die Rückkopplung an ein Instant-Feedback wird mindestens in den USA ab 2008 die Regel für solche Diskussionsformate sein, vielleicht sind Spuren davon auch bereits bei der Bundestagswahl 2009 in Deutschland erkennbar.

Dennoch wird die eher fernsehorientierte Nutzung des Web 2.0 nicht als das entscheidende Element der 2008er-Kampagne in die gar nicht mehr so junge Geschichte des Online-Wahlkampfs eingehen. Dieser Status gebührt der Nutzung der Social Network Sites, allen voran Facebook, gefolgt von MySpace. Hier lohnt ein etwas genauerer Blick – siebenstellige Unterstützerzahlen für die Kampagnen bei Facebook sind natürlich ein gewaltiger Wert, doch die für die Gestaltung der Kampagnen als Web 2.0-Campaigns sorgte noch mehr die Integration von Anwendungselementen und -routinen in die Kandidaten-Homepages, die dadurch gewissermaßen zu eigenen Social Network Sites mutiert sind. Die durch eine formale Registrierung auf mybarackobama.com oder johnmccain.com erreichte Bindung der Unterstützer an den Kandidaten trägt bisweilen Züge einer „Mitgliedschaft“ wie sie etwa in den deutschen Parteiorganisationen zu finden ist (oder vielleicht auch: war). Dies gilt zwar weniger in Bezug auf formale Zugehörigkeit und Exklusivität, wohl aber mit Blick auf die von den Kampagenen gewählte Organisationsstruktur: die strikt geographische Einteilung der Unterstützer, von der Ebene der Bundesstaaten bis hinunter auf Wahlkreiseebene reichend, spiegelt die bekannte Pyramide der Orts-, Bezirks- und Landesverbände deutscher Parteien. Erreicht werden kann damit offenbar eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der Kampagne im Bereich des ground game, wenn es in Vorgärten und an den Haustüren um die direkte, persönliche Wähleransprache geht. Diese durch eine Art Crowdsourcing gewonnene Handlungsfähigkeit innerhalb der eigenen Unterstützerbasis stellt nicht nur für die Kandidaten, sondern vielleicht auch für den politischen Prozess insgesamt eine wertvolle neue Ressource dar.

Die entscheidende Frage für die Zeit nach der Wahl wird von den Kampagnen selbst bislang nicht addressiert und auch die Bürger scheinen vollständig auf den Wahltag fixiert – doch was geschieht mit den registrierten Unterstützern nach dem 4. November? Wird die neu gewonnene Verankerung in der Basis in eine dauerhafte Struktur transformiert, die Ressource und Rückkanal direkt ins Weiße Haus darstellen könnte? Folgt auf die Campaign 2.0 auch eine Presidential Politics 2.0? Kann so etwas überhaupt funktionieren, und wenn ja, wie? Die gleiche Frage stellt sich im übrigen auch für den unterlegenen Kandidaten: ist es unrealistisch, gleich nach der Wahl mit dem Aufbau einer Netzwerkstruktur für 2012 zu beginnen? [Update: das ging schnell – bei Techpresident.com unternimmt Mark Drapeau einen Antwortversuch: Presidential Transition 2.0: How to Use New Social Media.]

(Weitere Überlegungen zu anderen Entwicklungen im Web 2.0 (u.a. Twitter) folgen in Teil II, der PM-Edition)

New York loves Obama

Montag, 3. November 2008

Eigentlich ist in New York die vorzeitige Stimmabgabe verboten, denn die Wahlgesetzgebung gilt als überholt und restriktiv. So beschwerte sich vor kurzem Jeffrey M. Wice, Jura-Professor an der Hofstra University auf Long Island:

Our state’s election laws are among the most restrictive in the nation. Unlike voters in a growing number of states across the country, New Yorkers cannot register on Election Day and vote in that election – we must register a month or more in advance. A New Yorker who wishes to vote on an actual voting machine has only one day, Election Day, to do it. Many other states allow their citizens a so-called early voting period. And New Yorkers seeking to vote absentee are still required to justify their request with a restricted list of acceptable reasons.

Die New Yorker selbst kümmert das jedoch wenig, denn man erkennt sofort, für wen die Stadt bereits abgestimmt hat. Gegen die Dominanz Obama-freundlicher Plakate, Slogans oder Schaufensterdekorationen verblasst auch das offizielle Endorsement der New York Times. Eine vollkommen unvollständige Auswahl, die auch als Bildstrecke schön aussehen würde:

GAP (Mode), Broadway: No Vote, No Love (Text auf Schaufenster, noch etwas unspezifisch).

Jack Rabbit (Sportwaren), W 14 St.: T-Shirt mit Obama-Bildmotiv und Text Obamathon (okay, gibt´s auch in McCainathon-Ausführung).

Character (Schreibwaren und Design), Prince St.: die Schaufensterauslage (Stifte, Papier, Blöcke etc.) ist zusätzlich mit Obama-Fotos, -Ausrisse und -Postkarten, -Sticker und -Pins dekoriert.

Kiki de Montparnasse (Lingerie), Greene St.: Hope is sexy, vote Kiki de Montparnasse (Text auf Schaufenster, durch das „O“ schaut man direkt in das Gesicht einer leicht bekleideten Schaufensterpuppe).

Leica Gallery (Kunst), Broadway: Die Ausstellung Obama – The Historic Campaign Photos läuft bis 8. November.

Temptations Island (Nightclub), verschiedene Orte: großflächige Plakate machen mit Obama-Logo und dem Slogan New York Loves Obama auf, verweisen aber nicht auf eine konkrete Veranstaltung (Wahlparty?).

John Varvatos (Mode), Grand St.: der Türsteher wünscht einen schönen Abend und ergänzt: Don´t forget to vote on Tuesday! Auf die Frage, wenn man denn wählen soll, grinst er breit: I vote the Obama-man!

Artbreak Gallery (Kunst), Brooklyn: Fundraising für die Obama-Kampagne unter dem Titel Gallery of Hope – Obama 08 (bis zum 5. November).

Brooklyn Industries (Mode), Broadway: sämtlich (normal dekorierten) Schaufensterpuppen tragen Obama-Masken.

Village Voice (Stadtmagazin), überall: die liebevollen spoofs des Obama/Hope-Icon von Shepard Farey sind natürlich als Tribute to Barack Obama zu verstehen. Mein Favorit aus der 25er-Serie: Alfred E. Obama.

Election Countdown: Sunday

Sonntag, 2. November 2008

Saturday Night & Sunday Morning

Die Performance von John McCain in der Show Saturday Night Live ist für viele einer der besseren Beiträge in der laufenden Kampagne (vgl. den Beitrag und bes. die Nutzerkommentare in der New York Times). McCain hatte den Abend gemeinsam mit Sarah-Palin-Double Tina Fey als Werbebeitrag des Verkaufssenders QVC eröffnet. Dabei wurden allerlei Memorabilia aus der Kampagne angeboten, eine vielleicht etwas grobschlächtige Analogie zum selling of the president als gängige Wahlkampfstrategie. Nichtsdestotrotz, die gut sechsminütige Sequenz war teilweise mit beißendem Spott und Selbstironie ausgestaltet. Ein Höhepunkt war sicher die Vorstellung der (von Cindy McCain wortlos präsentierten) Geschmeide-Serie McCain Fine Gold – einer nicht unsubtilen Referenz an den McCain-Feingold Act zur Reform der Kampagnenfinanzierung (vgl. bes. dazu den umfänglichen Beitrag auf SpOn ;-).

Dass SNL sich nicht vollständig in den Dienst der Kandidaten stellt, wurde allerspätestens bei einem Alleingang von Fey/Palin deutlich, die sich zur Seite drehte und dort ein T-Shirt mit der Aufschrift „Palin 2012“ präsentierte (und nebenbei auch weitere Karriereoptionen andeutete: „Ich bleibe nicht in Alaska, vielleicht werde ich die weiße Oprah Winfrey“). Im weiteren Verlauf der Sendung stellte McCain dann noch mit teilweise bitterer Selbstironie einige mögliche Strategien für die letzten Kampagnentage vor, mit solch schönen Namen wie Double Maverick („which means I simply go berserk“), The Charleston („we limit our Campaign to Charleston only“) oder The Sad Grandpa („Obama has plenty of time to become President – this year it´s my turn“).

Trotz des in großen Teilen positiven Feedbacks (wenig überraschend ist der SNL-Auftritt das derzeitige Hauptthema unter Twitter-Nutzern) konzentrieren sich die Sonntagsausgaben der Zeitungen auf andere, konventionellere Elemente der Kampagnen. In den ersten Zusammenfassungen wird die historische Qualität des Wahlkampfs und die Tragweite der Wahl beschworen (New York Times, Boston Globe, SF Chronicle), Obamas „lange und eindrucksvolle Kampagne“ gewürdigt (Guardian) oder ein Blick auf die aktuelle Lage in den wichtigsten Swing States geworfen (RealClearPolitics). Dabei stellen sich viele Beobachter die naheliegende Frage, inwiefern die Umfragen nun tatsächlich eine Auskunft darüber geben, wer am Dienstag tatsächlich wählen gehen wird (Washington Post, Chicago Tribune).

…meanwhile, on the Internet

Ein weiteres Argument, warum der SNL-Auftritt von McCain (aber vielleicht sogar auch das teure Obama-Infomercial vom vergangenen Mittwoch) möglicherweise keine allzugroßen Wirkungen entfalten, liefert ein am 31. Oktober erschienener Bericht des Pew Research Center for the People and the Press. Im zentralen Kampagnenmonat Oktober nannte ein Drittel der Befragten das Internet als Hauptquelle für Wahlinformationen. Selbst wenn das Fernsehen, das drei Viertelals bevorzugtes Nachrichtenmedium nutzen, die öffentliche Wahrnehmung der Kampagnen noch immer dominiert, so zeigt sich insbesondere in den Veränderungsraten die Dynamik der Online-Nutzung. Die Werte für die „alten Medien“ stagnieren, während das Internet im Vergleich zum Jahr 2004 um satte 24% zulegen kann. Daraus resultiere bereits eine unmittelbare Konkurrenzsituation zu den Printmedien, folgert die Untersuchung:

The internet now rivals newspapers as a main source for campaign news. And with so much interest in the election next week, the public’s use of the internet as a campaign news source is up even since the primaries earlier this year. In March, 26% cited the internet as a main source for election news, while the percentages citing television and newspapers remain largely unchanged.

Bei aller Vorsicht, die bei solchen Umfragen geboten ist, illustriert der Report die weithin vermutete generational gap bei der Online-Nutzung mehr als anschaulich und ähnelt darin auch den Erfahrungen aus der ARD/ZDF-Onlinestudie:

Not surprisingly, the internet is a considerably more popular source for campaign news among younger Americans than among older ones. Nearly three times as many people ages 18 to 29 mention the internet as mention newspapers as a main source of election news (49% vs. 17%). Nearly the opposite is true among those over age 50: some 22% rely on the internet for election news while 39% look to newspapers. Compared with 2004, use of the internet for election news has increased across all age groups. Among the youngest cohort (age 18-29), TV has lost significant ground to the internet.

Dazu passt eine gerade veröffentlichte Umfrage von Nielson Online im Auftrag der Newspaper Association of America, die einen Zuwachs der Nutzung von Zeitungs-Websites um 16% im dritten Quartal 2008 meldet (im Vorjahresvergleich) . Der Zusammenhang mit der Wahl (und der Finanzkrise) scheint auf der Hand zu liegen, wird aber nicht explizit erwähnt.

Election Countdown: Saturday

Samstag, 1. November 2008

Halloween

Noch drei Tage bis zur Wahl, und schenkt man den Medienberichten Glauben, dann dreht sich hier nun wirklich alles um den election day am Dienstag. Ganz so schlimm ist es aber nun auch wieder nicht. Selbst im Halloween-Trubel gestern waren sehr wenige Obama-, McCain- oder Palin-Doubles zu sehen. Zumindest letztere hätte man sich schon in auffälliger Zahl auf der Straße vorstellen können. Politische Kostüme gab es natürlich trotzdem, besonders oft waren erfolglose Banker eine Zielscheibe („Will Bank for Food“, „I am the National Debt“…).

Early Voting

Am letzten Wochenende vor dem ersten Dienstag im November sortiert sich nun allmählich die mediale Lage: während in der zweiten Wochenhälfte noch einmal größere Medienanstrengungen zu besichtigen waren (das Obama-Infomercial, eine Reihe neuer TV-Spots, größere TV-Interviews der beiden Spitzenkandidaten), ist jetzt der Endspurt zur Urne an der Reihe. Flankiert wird das ganze durch die regelmäßign Berichterstattung über das early voting, in vielen Staaten eine Neuerung. Daher liegen auch nur wenige Vergleichsdaten vor, die einen Aufschluss über die Validität der frühen Wahlergebnisse bzw. exit polls geben könnten.

Einen sehr guten Überblick gibt das Earling Voting Information Center mit einem akkurat geführten Weblog:

I should be clear: we’re a non-partisan academic research center, and we try to study and present all interesting aspects of early voting, regardless of the party angle. All the same, it’s very hard to spin the numbers we are seeing so far in any way that doesn’t tell a bad story for John McCain.

Das Team um Paul Gronke hält nicht nur gute Informationen über die bislang vorliegenden Daten zur vorgezogenen Stimmabgabe bereit, sondern analysiert auch deren Bedeutung für die Kampagnen: relevant seien nicht so sehr die Ergebnisse der Stimmabgabe und auch nicht die beinahe durchweg höhere „Frühwahl-Aktivität“ von als Demokraten registrierten Wähler. Ein entscheidender Vorteil für das Obama-Lager bestünde vor allem in den verbesserten Möglichkeiten zum voter targeting in den letzten Tagen vor der Wahl – da viele Staaten ausführliche, personenbezogene Daten zu den Frühwählern veröffentlichen, können die Kandidaten ihre Kampagnen noch präziser abstimmen als bisher:

By turning out committed partisans early, campaigns can check them off, and then focus their get-out-the-vote efforts in the last few days on marginal and undecided voters. Campaigns have a vast machinery in place on the ground in many states, but their resources and time are still limited. Early voting allows them, essentially, to stop wasting precious time on those who have voted.

E-Voting

Vom early zum electronic voting. Gerade ist ein Artikel von Christopher Harth bei Telepolis zum diesjährigen Einsatz von Wahltechnologie in den USA erschienen – ein Thema, dass auch nach Halloween bei vielen für Angst und Schrecken sorgt. Das von ihm vorgestellte Projekt Verified Voting hat eine Landkarte der US-amerikanischen Wahltechnologie entwickelt und verweist auf die Gefahren minderwertiger Wahltechnologien (ein von mir geführtes Interview mit David Dill, Professor für Computer Science an der Stanford University wartet noch auf seine Auswertung…). Die Tücken des elektronischen Wählens sind aber nur ein Problem, über das man sich den Kopf zerbricht: die Titelgeschichte der Time vom 3. November (sic) widmet sich Seven Things That Could Go Wrong on Election Day. Wahlmaschinen rangieren hier an #4, außerdem werden Fragen von Wähler-Registrierung und -datenbanken, schlechte Formulare oder Misinformationen durch Wahlhelfer diskutiert.

Saturday Night Live

Und dann ist natürlich wieder Samstag, Zeit für die wöchentliche Politainment-Dosis am späten Abend, live aus New York. Für den heutigen Abend ist Ben Affleck als Gastgeber angekündigt, und der bekennende Obama-Unterstützer empfängt – ja, tatsächlich – John McCain. Für Montag steht dann schließlich noch der große SNL Election Eve Bash als letzter Schlag vor dem Wahltag auf dem Programm.

Amerikanische Versprechen?

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Barack Obama: American Promises lautete der Titel des 30-minütigen TV-Spots, mit dem das demokratische Lager endgültig die letzte Runde im Kampf um das Weiße Haus eingeläutet hat (es sind mehrere Titel im Umlauf, u.a. auch American Stories, American Solutions). Nachdem auf die reichweitenstarken Fernsehdebatten vom September einige Tage Wahlkampf-as-usual mit den üblichen Scharmützeln unter den Konkurrenten gefolgt waren, dominierte Barack Obama am letzten Mittwoch vor dem Wahldienstag durch eine massive, bisher nicht gekannte Medienpräsenz. Zur besten Sendezeit um 20 Uhr Ostküstenzeit strahlten mehrere große TV-Netzwerke (u.a. NBC, CBS, FOX, MSNBC) ein Kandidaten-Infomercial aus, das wie schon das Parteitags-Portrait A Mother´s Promise im August von Davis Guggenheim (u.a. An Inconvenient Truth) produziert wurde.

Bereits die Platzierung im major network television ist Neuerung und Aussage zugleich, nie zuvor investierte ein Kandidat etwa 4 Millionen Dollar in prime-time-Sendezeit (vgl. die Artikel auf CNN und bei The Politico sowie die hilfreiche Interpretation der campaign biographic videos von Henry Jenkins ). Inhaltlich und formal setzte der Werbefilm den Stil des „Bewerbungsvideos“ der National Convention von Denver fort, zu sehen waren landestypische Impressionen wie das wogende Getreidefeld zu Beginn, Ausschnitte von Wahlkampfveranstaltungen, den Fernsehdebatten, unterlegt mit unaufdringlicher, leicht pathetischer Musik – und dazwischen immer wieder Obama als Erzählerfigur lässig auf einem Schreibtisch sitzend und über geplante Politikänderungen plaudernd. Zweites Kernstück waren eine Reihe von Familienschicksalen aus unterschiedlichen Landesteilen, die unter der aktuellen Politik zu leiden haben und auf den Wandel warten.

Neben den medien-, film- und kulturwissenschaftlichen Analysen deutet aber auch der eher oberflächliche Blick auf die Kampagenentaktik darauf hin, dass hier ein vorentscheidender „Wirkungstreffer“ gegen die republikanische Konkurrenz gesetzt werden sollte. Der ganze Mittwoch stand im Zeichen des Kampfes um den battleground state Florida, und kurz vor Ende der Sendezeit ging das Informercial in die Wahlkampfveranstaltung der running mates Obama und Biden in Sunrise über. Die Schlusssätze der Rede formatierten den zuvor ausgestrahlten Spot perfekt in den Kampagnenzeitplan ein – sechs Tage vor der Wahl ist dem demokratischen Lager ein weiterer Akzent im Medienwahlkampf gelungen. Und mit Blick auf die Gesamtstruktur der Medienkampagne bleibt festzuhalten, dass es neben John McCain, der angesichts Obamas massiver Sichtbarkeit vom Bildschirm verdrängt wird, noch einen zweiten Verlierer gibt: den TV-Journalismus. Es ist sicher kein Zufall, dass gerade CNN den Spot nicht ausgestrahlt hat und auf die Pflicht zur Wahlberichterstattung „aus allen Perspektiven“ verwiesen hat. Von den großen Networks hat nur ABC sein Programm unberührt gelassen (die im Herbst notorisch beschäftigten Sportsender bleiben ausgeklammert). Das ungefilterte Ausstrahlen längerer Werbebotschaften war im Wahlkampf bislang die Domäne der Kampagnen-Homepages oder von Videoplattformen wie YouTube – die Öffnung der Wahlkampfschatulle für den Kauf von airtime garantiert hohe Reichweiten, blockt möglicherweise störende Fragen von Journalisten ab und bietet so wertvolle Vorteile zur Kontrolle der Kampagneninhalte.

Doch eine professionelle Medienkampagne bedient natürlich auch die Nachfragen aus dem journalistischen Lager: gut zwei Stunden nach dem protected mode des Infomercial war Barack Obama zu Gast zugeschaltet in der Daily Show von Jon Stewart (das Video dazu gibt es hier). Der Mittwoch war als Media Day vollständig in den Händen der Demokraten.

Debatte #4

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Nacht- bzw. Frühschicht: ein debate recap ist bereits auf Telepolis zu lesen, bei zeit.de folgt im Laufe des Tages noch eine Blogschau (aus gegebenem Anlass: in der „Joe-the-Plumber“-Edition). Nach der Debatte folgt die McCain-Aktie dem gestrigen Trend an der Wallstreet:

(Screenshot via clusterstock.com, Live-Daten über intrade.com)

A Townhall Meeting about nothing?

Freitag, 10. Oktober 2008

Am Dienstag stand mit dem so genannten Townhall-Meeting in Nashville (Tennessee) ein neues Format auf dem Debattenkalender – diesmal herrschte keine kalte Studioatmosphäre, John McCain und Barack Obama begegneten sich im Kreise eines ausgesuchten Publikums aus demokratischen, republikanischen und unentschlossenen Wählerinnen und Wählern. Trotz des „Palin-Faktors“ hatte Barack Obama seit Beginn des Debattenzyklus die Führung in den Umfragen ausbauen können – damit war John McCain im Zugzwang: er hatte in den vergangenen Tagen eine „Verschärfung des Tones“ in seiner Wahlkampagne angekündigt, ein Vorhaben, das sich nicht gut mit dem „weicheren“ Gesprächsformat der Bürgerversammlung zu vertragen scheint.

Erstmals in der Debattengeschichte konnte Moderator Tom Brokaw (NBC) auch auf Fragen zugreifen, die vorab von Bürgern per E-Mail eingesendet wurden. Mit Blick auf gut sechs Millionen eingegangene Nachrichten hatte Sarah Lai Stirland dazu lakonisch für das Wired-Blog bemerkt: „Viel Erfolg beim Auswählen!“. (Update: die Zahl wurde von Nancy Scola für techpresident.com inzwischen deutlich korrigiert – auf „nur“ 25.000 Einreichungen. Einen guten Artikel über die „Digitalisierung der Debatten“ liefert auch Jose Antonio Vargas für die Washington Post).

Nur einen Tag vor der Diskussionsrunde hatten Statements aus beiden Lagern eine künftige Lockerung der Regeln und Stärkung der Online-Kommunikation befürwortet. Dabei antworteten McCain und Obama auf einen Vorschlag der Open Debate Coalition, die die Rolle der etablierten Medien bei der Organisation des Townhall-Meetings kritisiert und eine Digitalisierung der bisherigen TV-Domäne gefordert hatte: „Die Präsidentschaftsdebatten sollen der Öffentlichkeit nutzen. Daher sollte das Recht, über die Debatten zu sprechen auch der Öffentlichkeit „gehören“ und nicht von den Medien kontrolliert werden. Internet-Fragen beim „Townhall-Meeting“ sollen direkt von den Wählern ausgesucht werden und nicht allein durch Journalisten.“

Nach den ersten beiden Debatten hatte vor allem John McCain auf das Versammlungsformat gesetzt. Das expectation game, das Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer, legte die Last auf die Schultern des republikanischen Kandidaten, während sein demokratischer Kontrahent als unerfahrener Teilnehmer weniger hohe Hürden zu nehmen hatte. In den ersten Reaktionen ist John McCain diese Rolle nicht allzugut bekommen: „Beim Umherlaufen auf der Bühne wirkte er alt, manchmal ein wenig zu steif“ bemerkt Aaron Zelinsky für das Presidential Debate Blog. Anders als in der ersten Debatte, waren die Kandidaten nicht auf ihre Position hinter einem Rednerpult festgelegt, so blieb auch während der Redezeit des Kontrahenten eine Möglichkeit für eine indirekte Beteiligung am Geschehen. Offenbar will John McCain seine aggressivere Haltung des Wahlkampfs auch hier verdeutlichen. Katharine Q. Seelye bezweifelt, dass ihm dies gelungen ist: „McCain steht angespannt an seinem Stuhl während Obama redet, bereit zum Sprung in den Ring. Und wenn er es tut, dann mit einem schlechten Scherz.“

In inhaltlicher Perspektive hatte die dritte Debatte des Jahres 2008 nicht viel neues zu bieten, bisweilen wurden auch schon erprobte Zeilen aus dem ersten Aufeinandertreffen wiederholt – dabei kalkulierten die Kampagenteams wohl damit, dass mehr und andere Zuschauer eingeschalten würden. Denn während die Debattenpremiere 52,4 Millionen Menschen vor die Fernsehschirme gelockt hatten, setzte die Gesprächsrunde der Vizekandidaten mit Joe Biden und Sarah Palin eine neue Rekordmarke: deutlich mehr als 70 Millionen Zuschauer hatten sich die mit Spannung erwartete Runde nicht entgehen lassen. Das ist die zweithöchste je gemessene Reichweite einer Präsidentschaftsdebatte. Und Sarah Palin mischte sich während der Debatte tatsächlich auch unter die Zuschauer, wie der Caucus Blog der New York Times notiert: „Unsere Kollegin Julie Bosman, die den Wahlkampf von Gouverneurin Palin begleitet, berichtet gerade, dass die komplette Palin-Entourage in einer Pizzeria in Greenville, (North Carolina) Halt machen. Sie mischen sich unter die Einheimischen und schauen dort die Debatte. Sarah Palin gibt Autogramme und lässt sich mit den überraschten Gästen fotografieren. Die hohen Schuhe und die weiße Jackett hat sie gegen Jeans und Trainingsjacke getauscht.“

Doch für Palin war diesmal nur eine ganz kleine Nebenrolle vorgesehen. Angesichts der Finanzkrise konnte die Dominanz dieser Thematik nicht überraschen – ebensowenig wie die Schwierigkeiten für McCain, sich von George W. Bush zu distanzieren: „Und wieder hörten Millionen Amerikaner kein klares Gegenargument von John McCain, warum die Demokraten den Einbruch der Wall Street nicht den acht Jahren republikanischer Herrschaft im Weißen Haus anlasten können“, berichten Carrie Budoff Brown und Bill Nichol für Politico. David Gergen (CNN) stellt beiden Teilnehmern ein mittelmäßiges Zeugnis aus, immerhin hat für ihn Barack Obama einmal mehr bewiesen, dass er der „elegantere und bessere Redner ist. Aber er hat den Funken nicht zum überspringen gebracht und er hat uns auch keine neuen Einsichten – oder Ideen – vermittelt, wie wir aus der Umklammerung der Finanzkrise herauskommen.“

Für eine neue Art der Debattenrezension sorgt der New Yorker Journalistikprofessor Jay Rosen (pressthink.org): über den Sofortnachrichtendienst Twitter listet er die aus seiner Sicht wichtigsten Anmerkungen zur Debatte in knappen Info-Happen auf. Auch hier schneidet John McCain schlechter ab, vor allem gemessen an seinen Ansprüchen: „Nummer Neun: Ich dachte, McCain hat seine stärkste Karte überhaupt nicht ausgespielt. Er war er es, der im Vorfeld nach mehreren solcher Veranstaltungen gefragt hatte – Obama wollte nicht.“ Auch der offensichtliche Versuch, Schärfe auf die Bühne der Bürgerversammlung zu bringen, schlägt in Rosens Augen fehl: „Nummer Sieben: McCain´s Versuch, Angst vor „dem anderen Kerl“ zu säen musste in einer Townhall-Debatte fehlschlagen – denn der andere Kerl steht gleich gegenüber, und er macht uns keine Angst.“ Auf der anderen Seite des Kontinents antwortet ihm Software-Entwickler und Blog-Legende Dave Winer (scripting.com), ebenfalls via Twitter: „Ich habe das Gefühl, das Stück mit „dem anderen Kerl“ werden wir wieder und wieder und wieder hören.“ Winer verweist auf YouTube, wo der entsprechende Debattenausschnitt natürlich längst angekommen ist. Schon bei der ersten Debatte war vielen Beobachtern aufgefallen, dass John McCain seinen Kontrahenten nicht direkt adressierte. McCains vage Ansprache von Barack Obama als „der andere“ ist nun auch für Michael Calderone (Politico) „der vielleicht merkwürdigste Einzelmoment der Debatte“.

Überhaupt keinen schönen Abend hatte Tom Bevan – für RealClearPolitics wettert er: „Nichts, es ging um gar nichts!“ Die Kandidaten „schlafwandelten durch eine der langweiligsten, am wenigsten informativen, am schwächsten moderierten Debatten der jüngeren Zeit. Es scheint, als sei das Händeschütteln noch der inspirierteste Moment gewesen.“

Die dritte und letzte Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten findet am 15. Oktober an der Hofstra University in Hempstead (New York) statt.

Debatte #3

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Townhall Meeting.

Auch hierzu wieder eine Blogschau für zeit.de (weil doch nicht „upcoming“, folgt ein eigenes posting). Lässt man den Inhalt mal außen vor, sticht das Format der „Bürgerversammlung“ aus der Debattenserie hervor. Ursprünglich als die „Internet-Debatte“ vorgesehen (die offizielle Online-Bearbeitung durch MySpace war aber „lang-wei-lig“ (H. Simpson) und wurde von neueren Mash-Ups wie „Hack the Debate“ bei weitem übertroffen).

Einen interessanten Punkt macht jedoch die Intervention der Open Debate Coalition, die eine Vielzahl von Internet-Größen versammelt (u.a. Lawrence Lessig, Craig Newmark, Katharina Huffington). In einem Brief an die beiden Kandidaten wird die „Rückgabe“ des Formates an die Bürger verlangt – die etablierten Mainstream-Medien kontrollierten die Debatte in unzulässiger Weise und erschwerten der breiten Öffentlichkeit den Zugang. Das entsprechende Dokument gibt es u.a. hier. Eine etwas längere Darstellung zur Intervention und den Reaktionen von Obama und McCain findet sich bei Wired.

In eigener Sache: Tutzing

Dienstag, 7. Oktober 2008

Die USA vor der Wahl lautet der Titel einer Tagung vom 10.-12. Oktober in der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Mein Beitrag dazu soll die aktuellen Entwicklungen zum Internetwahlkampf beleuchten – angesichts der Vielzahl interessanter Projekte und Entwicklungen konzentriere ich mich im wesentlichen auf zwei Aspekte: die Rolle von Social Network Sites für die Organisation der Kampagnen und die Digitalisierung der TV-Debatten. Beide Bereiche stellen m.E. wesentliche Neuentwicklungen der 2008er-Campaign dar – ebensogut hätten allerdings Weblogs oder Webvideos eigene Abschnitte füllen können, das Material ist überaus reichhaltig.

Generell steht die Kampagne im Zeichen der Konkurrenz von Fernsehen und Internet – welches ist die dominante Medienumgebung? Dieser informelle Wettstreit treibt bisweilen seltsame Blüten – so ließ sich etwa Tim Goodman, Fernsehkritiker des San Francisco Chronicle zu folgender Bemerkung hinreißen:

The Nielsen ratings are in for Thursday night’s vice presidential debate between Sarah Palin and Joe Biden and they are astounding- 70 million people watched (numbers on who wept are not available). That destroys the 52.4 million who watched the first presidential debate between Barack Obama and John McCain. Draw from that what you will, politically (…). Anyway, the point is this: Television rules. It remains our nation’s shared cultural experience.

Nun ja. Anzufügen ist hier, dass ohne den exzessiven Vorlauf im Internet die Debatte niemals ein solcher „Quotenerfolg“ geworden wäre. Die unzähligen Videos mit Sarah Palin-Parodien auf YouTube oder anderen Plattformen, ohne die Millionen Twitter-Nachrichten über genau diese Parodien (oder die Originalvideos auf den Websites der TV-Networks), ohne die zahlreichen Blogposts über die Interview-Patzer und die Medienberichte darüber hätte die Reichweite der Debatte nie erreicht werden können.

Der Medienwahlkampf im Jahr 2008 ist ein Wettbewerb auf unterschiedlichen, miteinander vernetzten Plattformen geworden – das Konkurrenzdenken zwischen „alten“ und „neuen“ Medienumgebungen trägt nicht dazu bei, diese Entwicklung besser zu verstehen.