Archive for the ‘USA 2016’ Category

Boys don´t cry (Song for Donald)

Donnerstag, 9. Februar 2017

Hm, wer hätte das gedacht – da beginnt Jan Böhmermann die neue Staffel seiner Sendung Neo Magazin Royale mit einem kleinen, feinen Anti-Trump-Song, und keiner hat´s gemerkt. Stattdessen nörgelte die Fachpresse über die Cover-Version des Cure-Stücks Boys don´t cry (im Original von 1979/80). „Immerhin halbwegs fluffigurteilt der Musikexpress, „was für 1 dünnes Stimmchen“ mokiert sich der Rolling Stone.

 ´Tschuldigung, Kollegen! ist man da geneigt zu rufen, um die Musik ging es bei dem Stück zwar schon, denn es war der erste Auftritt der neuen Studiomusiker, dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld, nachdem Rapper Dendemann Ende letzten Jahres ausgeschieden war (der Name der, äh, Band bedürfte eigentlich noch eines eigenen Kommentars, zumal aus Rundfunkrats-Perspektive).

Aber um die Stimme ginge es bei dem Song gar nicht, sondern um den Text.

Doch da haben die Kollegen von den Fachorganen offenbar nicht genau genug zugehört. Aber es gibt ja das Internet. Aufmerksame Zuhörer und versierte Kenner des The Cure-Œuvres (Danke, Dirk!) haben einige Abweichungen vom Originaltext bemerkt, und wenn man sich das noch mal etwas genauer anhört, dann merkt man – es ist ein Protestsong. Und im Kontext der Sendung vom 2. Februar wird schnell klar, dass ein gewisser Donald Trump der Adressat ist.

Böhmermann fügt nebenbei ein paar zusätzliche Wörter ein:
I try to laugh about it / YOU Cover it all up with lies)

Er nimmt kleine Änderungen vor, etwa hier:
But I know that YOU´RE A FRAUD / And now there’s nothing I can do

oder hier:
But I know that it’s no use / That you WILL NEVER GO away

Zum Ende hin läuft es auf eine klare Ansage hinaus:
TAKE IT for granted / WE DON´T NEED YOU ANYMORE.

Alles in allem machen die kleine Eingriffe daraus lange kein grobschlächtiges, aber medienwirksames Schmähgedicht, doch eine Beleidigung (You´re a fraud) und der Vorwurf der Lüge (You cover it all up with lies) sind schon dabei. Doch es war gerade ja auch nur schlechte Stimmung auf Twitter, und die Welt, na, eigentlich nur Deutschland brauchte etwas Aufmunterung.

Danke, @JanBoehm, gut gemacht!

 

Update: Jetzt ist es raus – es war wirklich alles für Donald. @janboehm kommt raus mit der Wahrheit. It´s true. We love it. Amazing.

Pracademics vs. Trump

Mittwoch, 23. November 2016

Die ersten beiden Wochen nach der US-Präsidentschaftswahl sind gekennzeichnet von einem erhöhten Meinungs- und Nachrichtenaufkommen: das Versagen der pollster, Anti-Trump-Proteste, Kritik am Electoral College, hate speech, die holprige Transition to Power, Erklärungsversuche zum Wahlverhalten, (düstere) Zukunftsperspektiven, die Debatte um „Fake News“, erste internationale Gehversuche (und Irritationen) der Trump-Familie Adiminstration bis hin zur Frage nach dem Umgang mit der Presse (und deren Freiheit). Die Liste ist lang und längst nicht abgeschlossen.

Doch neben den unzähligen Medienberichten über die verschiedenen Ebenen des Trump-Aftermath gibt es noch eine weitere Ebene der Auseinandersetzung mit dem anstehenden Wechsel im Weißen Haus. Die Kommentare, Essays, Analysen und Interventionen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich ebenfalls zu Wort melden – zum Teil als Gastautoren in den etablierten legacy media, sehr häufig aber auch in einer in Deutschland eher übersehenen From: den politischen (oder besser: politikwissenschaftlichen) Blogs.

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Jornal do Sul: Transition

Mittwoch, 16. November 2016

Die US-Präsidentschaftswahl vom 8. November ist natürlich auch hier im Süden ein Thema – in den nächsten Tagen werde ich dazu noch in zwei Workshops mit Lehrenden und Studieren der UFBA darüber reden. Am Wahltag selbst waren die Meinungen noch gespalten: einerseits gab es Befürchtungen ob der Beziehungen zwischen Brasilien und den USA mit einem besonderen Blick auf den Status der expats, andererseits fiel der Blick auf mögliche neue Spielräume und Einflussmöglichkeiten im südamerikanischen Raum, nicht unähnlich der in Europa geäußerten Fokussierung auf die eigene Region. Diese Perspektiven gilt es in weiteren Gesprächen noch zu präzisieren und zu vertiefen.

Doch nun zu etwas ganz anderem…

…nein, nicht dem ziemlich überheblichen (okay, auch einigermaßen lustigen) Brief von John Cleese an die USA, sondern zu einem anderen Thema, das vielleicht auch gewisse Comedy-Elemente enthält, aber eigentlich eine grundernste Angelegenheit darstellt: den Prozess der Transition of Power, der Übergangsphase zwischen zwei Präsidentschaften.

Bislang dominiert in der Berichterstattung das Erstaunen (und nicht selten: Entsetzen) über die geplante Zusammensetzung des Teams, mit dem president-elect Donald Trump die Arbeit im Weißen Haus aufnehmen will. Als Top-Personalien gelten bisher die Nominierung (noch nicht: Ernennung) von Reince Priebus, dem Vorsitzenden des Republican National Committee zum White House Chief of Staff sowie die Entscheidung, den rechtskonservativen, offen anti-semitischen Publizisten Stephen Bannon zum Counselor to the President zu machen. Die US-amerikanischen Medien sind voll von Berichten und Kommentaren zum aktuellen Stand der Dinge (vgl. hier, hier, hier und hier), und den bisherigen transition process als „holprig“ zu bezeichnen, ist ein Euphemismus (okay, für Donald Trump „is it going so smoothly“, aber das steht bei Twitter und somit auf einem anderen Blatt).

Noch nicht allzu viel Aufmerksamkeit bekommt dagegen das in den vergangenen Jahren stark angewachsene Regelwerk, das den Übergang zwischen zwei Präsidentschaften reguliert, nämlich der Presidential Transition Act. Wirklich überraschend ist das nicht, denn das Paket ist im Lauf der Zeit recht unübersichtlich geworden, durch zahlreiche Updates, Ergänzungen und flankierende Presidential Orders.

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Jornal do Sul: Der lange Wahltag

Montag, 7. November 2016

Zwar steht im Kalender der 8. November als Tag der US-Wahl, doch die historische Terminierung auf den Tuesday next after the first Monday in the month of November ist schon länger nur noch eine symbolische. In diesem Jahr wird diese Verlängerung des Abstimmungszeitraums noch deutlicher sichtbar als in den beiden vorangegangenen Wahlen – die zahlreichen Beobachter des Early Voting gehen davon aus, dass bereits mehr als 42 46 Millionen Stimmen abgegeben worden sind (vgl. das etwas unübersichtliche Excel-Datenblatt des United States Election Project). Man weiß natürlich nicht ganz genau, für wen die Stimmen nun gezählt werden, doch lässt die nicht selten bekannte party affiliation schon ahnen, ob es republikanische oder demokratische Wähler:innen gewesen sind. Im Verbund mit der Aufschlüsselung nach Stimmbezirken lassen sich dadurch die zur Genüge vorhandenen Umfragen natürlich verfeinern und vertiefen – oder kritisch hinterfragen.

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Jornal do Sul: Eleições no Norte

Samstag, 5. November 2016

Die erste Woche in Salvador ist inzwischen vorüber – etwas Zeit habe ich durch eine Erkältung verloren (deshalb auch: wenig los im Blog). In der Tendenz waren Klima und Klimaanlagen wohl nicht ganz schuldlos. Die Jahreszeit vielleicht auch. Egal. Trotzdem habe ich mich hier gut eingewöhnt und bin in die aktuellen Residenz-Routinen eingestiegen: lesen, recherchieren und planen.

Das ist auch nötig, denn schon am kommenden Dienstag organisiere ich hier in der Vila Sul einen Workshop zur Wahl in den USA. Gemeinsam mit dem Team des Goethe-Instituts, den Mit-Residenten und einigen Angehörigen der hiesigen Uni schauen wir uns den Verlauf der Stimmenauszählung an und kommentieren das Geschehen auf der anderen Seite des Kontinents. Ein programmatisches Ziel der Residenz ist ja, den Begriff des „Globalen Südens“ als Orientierungspunkt zu begreifen – insofern wirkt eine Veranstaltung zu den eleições vielleicht etwas überraschend. Andererseits gibt es hier in Salvador durchaus ein starkes Interesse an den Entwicklungen im Norden (nebenbei ganz interessant, mal nicht über den „Westen“ zu sprechen, wenn es um die USA geht), und das ist durchaus auch ein Treiber für die Veranstaltung am nächsten Dienstag.

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