Das Erwachen der Macht? Zur Politik von Star Wars

Montag, 14. Dezember 2015

An diesem Donnerstag startet mit The Force Awakens der siebte Teil der Star Wars-Saga in den Kinos und eröffnet damit die so genannte Sequel-Trilogie. Die Original-Trilogie aus den Jahren 1977-1983 war zwischen 1999 und 2005 mit den Episoden I bis III als Prequel-Trilogie ergänzt worden. Der Autor dieser Zeilen hatte seine Werkrezeption in den 1970er Jahren zunächst noch anhand von Hörkassetten (Episode IV) begonnen und auf VHS-Video (Episode V) fortgesetzt. Darauf folgten drei Kinobesuche (Episode VI, Episode I, Episode II), der zuletzt publizierte Teil der Saga wurde lediglich im DVD-Format wahrgenommen. (Für Episode VII ist ein Kinobesuch in Planung).

Im Rahmen der Vorbereitung auf die neue Sequenz habe ich mich an eine kleine Artikelserie erinnert, die aus Anlass des Kinostarts von Episode IV: Die dunkle Bedrohung (Originaltitel: The Phantom Menace) im Sommer 1999 gemeinsam mit dem damaligen Gießener Kollegen Eike Hebecker entstanden ist. Die drei kleinen Texte zu politischem System, typischen Konfliktkonstellationen und den (damals) modernen Formen digitaler Mediendistribution und -rezeption sind im Umfeld der Gießener Arbeitsgruppe SPoKK (Symbolische Politik-, Kultur- und Kommunikationsforschung) entstanden, als Erstleser und Kommentatoren fungierten seinerzeit Erik Meyer und Steffen Wenzel.

Episode I: Das politische System von Star Wars

Episode II: Der politische Prozess

Episode III: Zwischen Hyperraum und Hypertext

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Wochenthema: Digitale Medienversorgung

Samstag, 21. November 2015

Am Dienstag (24. November) nehme ich im Düsseldorfer Landtag an einer Anhörung zur Novelle des WDR-Gesetzes teil – eingeladen hat der Medienausschuss, ab 13.30 Uhr ist ein Livestream zur Veranstaltung geplant. Thematisch passt das ganz gut, denn am Mittwoch nehme ich außerdem an der #DigiKon15 teil, so lautet der Kurztitel zur Tagung Die digitale Gesellschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung.

In beiden Fällen werde ich meine Anmerkungen zu den Herausforderungen der Digitalisierung für öffentlich-rechtliche Medienanbieter vorstellen. Dabei steht für mich weniger die Entwicklung neuer digitaler Formate im Vordergrund (das können andere viel besser), mein Fokus liegt stattdessen auf den veränderten Publikumskonstellationen, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten durch die Entstehung digitaler Öffentlichkeiten ergeben haben. Mediennutzung ist inzwischen stets auch Medienproduktion – diesen Prozess haben öffentlich-rechtliche Anbieter noch nicht ausreichend nachvollzogen und darauf reagiert (kommerziellen Anbietern geht es allerdings ähnlich).

Zu selten wird bei all den Neuerungen im Medienbereich auf die formale Organisation öffentlicher Rundfunkanbieter geachtet – der 2013 vollzogene Wandel von der gerätebezogenen Rundfunkgebühr zum haushaltsbezogenen Beitrag markiert dabei eine wichtige Zäsur. Die Zuschauer werden zum Stakeholder (Tom Buhrow), und aus dieser veränderten Beziehung resultieren aus meiner Perspektive zahlreiche Optionen (und Pflichten) für den Umgang zwischen Medienanbieter und Publikum. Von einen wirklichen Stakeholder-Dialog kann jedoch noch keine Rede sein.

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Die Summe aller Ängste

Dienstag, 17. November 2015

Unter dem obigen Titel habe ich ein Jahr nach 9/11 einen kurzen Beitrag für das ARTE TV Magazin verfasst und mich mit den Folgen für die US-amerikanische Politik auseinandergesetzt. Leider scheinen einige Ahnungen und Entwicklungsperspektiven von damals noch immer aktuell, daher poste ich hier einmal einen Scan des Artikels (die Originaldatei liegt mir nach einigen Rechnerwechseln nicht mehr vor).

Grundsätzlich funktioniert die damals vorgenommene Dreiteilung der Effekte auf globale, nationale und lokale Folgen der Terroranschläge nach wie vor und an manchen Stellen ließe sich George W. Bush problemlos durch François Hollande ersetzen. Die Grundtendenz in der außenpolitischen Ausrichtung ist unverändert, im Artikel hieß es: „Mit Blick auf die globale Situation nach den Anschlägen dominiert eine harte, entscheidungsfreudige, aktivistische Linie – das Leitmotiv lautet „Kampf gegen den Terror.“

Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich die „administrative Radikalkur“ auf innen- und sicherheitspolitischer Ebene auch in Frankreich entfaltet – in den USA wurden nach 9/11 nicht nur die Grundlagen für das heutige Überwachungsregime gelegt, sondern auch zahlreiche neue Ämter und Strukturen eingerichtet worden, die den Bereich der „Homeland Security“ neu definiert haben.

Allein auf lokaler Ebene fallen die Unterschiede auf – die Anschläge von Paris haben kein Monument der Stadtarchitektur niedergerissen, sondern suchten und fanden ihre Opfer in den Straßen und auf den Plätzen der Stadt. Die Erneuerung eines urbanen Leerraumes steht in Paris nicht an, bis die Risse und Schäden der Anschläge an der Seine verheilt sind, wird es aber vermutlich ähnlich lange dauern wie seinerzeit am Hudson.

Über die Strategien der Aufarbeitung lässt sich derzeit noch nicht viel sagen, mit den sozialen Medien ist zwischenzeitlich eine neue Sphäre der Erinnerungspolitik entstanden, die als Resonanzraum für Antwortversuche auf das Terrorgeschehen wirkt – Hashtags, Grafiken, Zeichnungen bilden eine erste Linie von Instant-Reaktionen auf die Anschläge. In der Stadt selbst (und auch anderswo) übernehmen blau-weiß-rote Lichtinstallationen die Aufgabe einer visuellen Mahnung, ganz ähnlich den 2002 errichteten „Towers of Light“. Im nächsten Schritt dürften andere kulturorientierte Reaktionen folgen, so wie es in New York Videobotschaften oder Spontankonzerte gegeben hat. Nach der gestrigen Schweigeminute um 12 Uhr dürften die Fußballspiele des heutigen Abends eine ähnliche Rolle übernehmen.

Zum ganzen Artikel:  Die Summe aller Ängste, in: ARTE TV Magazin, Nr. 9/2002. S. 4.

Making of: DVPW-Blog

Dienstag, 8. September 2015

Wie macht man eigentlich einen Konferenz-Blog?

Das werden wir in den nächsten Tagen herausfinden, denn gemeinsam mit Katharina Lührmann, Lisa-Marie Reingruber und Steffen Bender „bespiele“ ich in den kommenden Wochen den Konferenz-Blog zum „26. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft“, der vom 21. bis 25. September an der Universität Duisburg-Essen stattfinden wird. Nach der Vergabe der im Drei-Jahres-Rhythmus durchgeführten Veranstaltung bin ich in das von der geschätzten Kollegin Susanne Pickel geleitete Duisburger Organisationsteam berufen worden, und dabei reifte so allmählich die Überlegung, die mediale Berichterstattung zur Konferenz ein wenig aktiver (und digitaler) zu begleiten als bisher beim so genannten „Politologentag“ üblich.

Heraus gekommen ist dabei ein mehrgleisiges Konzept, das einerseits die klassische Blogform kennt, andererseits auch die Echtzeitkommunikation bei Twitter aufgreifen möchte. Darüber hinaus experimentieren wir auch mit multimedialen Formaten wie Kurz-Interviews oder annotierten Grafiken (was wir (höchstwahrscheinlich) nicht machen, sind Live-Videos mit Periscope oder Meerkat). Im Nachgang zur Tagung soll dann noch ein längerer Video-Zusammenschnitt (okay, mehr als 8-10 Minuten werden das nicht) entstehen, der einige Höhepunkte der Veranstaltung integriert.

dvpw_masterplan

Zu Beginn der Planungsphase war auch mal daran gedacht worden, einen Jahrgang Journalistenschüler/innen auf den Event anzusetzen, aber das haben wir schließlich organisatorisch (und finanziell) nicht wirklich abbilden können. So sind wir zu einer kleineren, internen Lösung gekommen: Katharina und Lisa arbeiten schon seit einiger Zeit für den Digitur-Blog, der unter Federführung von Dr. Thomas Ernst im Rahmen des germanistischen Master-Programms Literatur und Medienpraxis am Campus Essen entwickelt worden ist. Steffen arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft für die Welker-Stiftungsprofessur hier in Duisburg und ist gelegentlich auch als „Journalist“ (bzw. Journalist) auf unterschiedlichen Medienplattformen aktiv.

Wir sind gespannt auf die Erfahrungen bei der Umsetzung des Konzeptes in die Praxis und freuen uns über Kommentare, Hinweise und Anregungen. In der Startphase ist natürlich Unterstützung und Aufmerksamkeit aus allen Richtungen hilfreich – schließlich sollen die Beiträge zu den Konferenzvorbereitungen, erste Interviews, Überlegungen zu digitaler Konferenzberichterstattung oder auch historische Einordnungen ein möglichst breites Publikum finden. Ach so, dafür wären ja auch ein paar Hinweise auf die Fundstellen im Netz ganz hilfreich… Also:

Der Kongress-Blog geht auf der Blogplattform der Uni Duisburg-Essen an den Start, der Twitter-Account hört auf den Namen @dvpwkongress. Und schließlich gibt es auch noch einen Hashtag zur Tagung, naheliegender Weise versuchen wir es hier einmal mit #dvpw15.

Köln wählt (oder auch nicht)

Donnerstag, 3. September 2015

Zur Zeit wird jede Menge Spott über die Stadt Köln ausgeschüttet – verantwortlich dafür ist dieses Mal nicht der FC, sondern die Stimmzettel-Panne im Vorfeld der eigentlich für den 13. September angesetzten Oberbürgermeister-Wahl. Nicht allein Pressestimmen aus Düsseldorf beschrieben hämisch die Ereignisse in der Domstadt, auch überregionale Medien äußerten Unverständnis und Kritik, manche Beiträge zogen Parallelen zu anderen gescheiterten Großprojekten wie der U-Bahn-Erweiterung und der Sanierung der Oper. (Update: Einen guten Einstieg liefert die Twitter-Suche nach dem Hashtag #OBWahl.)

Der eigentliche „Fall“ – eine Ungleichbehandlung der Kandidaten durch die Gestaltung des Stimmzettels – ist an verschiedenen Stellen vorgestellt und diskutiert worden, vgl. dazu etwa die Themensammlung des Kölner Stadtanzeiger, den Beitrag des WDR,  oder den Bericht in der Süddeutschen Zeitung. Als Hauptleidtragende gilt die parteilose Kandidatin Henriette Reker, deren Name in kleiner Schrift an sechster Stelle aufgeführt war, während ihr Konkurrent Jochen Ott nicht nur die prominente erste Tabellenzeile belegt, sondern zudem „Unterstützung“ eines großen SPD-Schriftzuges erhält. Nun kann man darüber streiten, ob Parteien bzw. deren Namen derzeit tatsächlich positive Wirkungen auf die Kampagnen von Direktkandidaten haben, doch als neutral ist die „Aufmerksamkeitslenkung“ durch das Kölner Wahlzettel-Design gewiss nicht zu bezeichnen. Und genau dies hat offenbar genügt, um nach einer Prüfung der Regularien in der Kommunalwahlverordnung die Wahl vorerst zu verschieben.

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In eigener Sache: Smart Cities

Dienstag, 23. Juni 2015

Zu Beginn diesen Jahres hatte ich das Vergnügen, gemeinsam mit dem geschätzten Kollegen Peter Bihr eine Expertise zu digitalen Städten zu verfassen – genauer gesagt, ein ca 40-seitiges Papier für den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) mit dem etwas sperrigen Titel Digitalisierung und die Smart City – Ressource und Barriere transformativer Urbanisierung.

Nachdem wir das Papier Ende März eingereicht haben, trägt die Arbeit am Thema nun so langsam weitere Früchte – heute abend präsentiere ich einige unserer Überlegungen im Rahmen des Städtebaulichen Kolloquiums an der TU Dortmund. Eingeladen hat mich Prof. Dr. Christa Reicher, mit der ich bereits im Rahmen des NRW-Fortschrittskongresses im Januar über das Thema „Zukunft des Urbanen Lebens“ diskutieren konnte.

Der heutige Vortrag skizziert zunächst knapp einige Aspekte aus dem „Smart City-Diskurs“ entlang ausgewählter Publikationen (für Eingeweihte: bes. Townsend, Greenfield, Goldsmith/Crawford und Komninos) und befasst sich dann mit im engeren Sinne politischen Implikationen des Smart City-Trends. Als Treiber dieser Entwicklung gilt – natürlich – das Big Data-Prinzip (im Sinne der Erfassung und Auswertung großer Datenmengen und -ströme), das vermehrt auch im Stadtraum Anwendung findet. Die Regulierung, Einhegung und Kontrolle solcher Big Urban Data kann zu einer wichtigen Aufgabe moderner Verwaltungsakteure im kommunalen Raum werden. Doch wie geht eine solche Smart City Governance vonstatten und welche Prinzipien und Leitlinien sind dabei relevant? Ungeklärt sind zum Beispiel die Besitzverhältnisse in der städtischen Datensammlung, Data Ownership wird im urbanen vernetzten Kontext zu einer komplexen, aber notwendigerweise im Sinne der bürgernahen Verwaltung aufzulösenden Herausforderung.

Auch die konkrete Gestaltung und Strukturierung der Stadtverwaltung wird auf die veränderten Bedingungen eingehen, die Ernennung von Stadt-CIOs ist etwa in den USA eine typische Begleiterscheinung – angesiedelt interessanter Weise oft auf der gleichen Hierarchieebene wie der örtliche Polizeichef. Dass sich im Zuge der technologischen „Aufrüstung“ der Stadtlandschaften auch neue soziale Bewegungen entwickeln können, ist ein weiterer politischer Nebenschauplatz der Smart City-Debatte. In den USA formiert sich hierfür allmählich der Begriff des Civic Tech,  der im Dreieck von IT-/Kreativindustrie, Politik und Computer-/Internet-affiner Aktivismus-Szene sichtbar wird.

Der kurze Vortrag ist bestenfalls eine erste, einführende Auseinandersetzung mit der Thematik, die in der nächsten Zeit auch im Rahmen der sozialwissenschaftlichen Forschung an Substanz und Dynamik gewinnen wird. Für mich selbst ist die Auseinandersetzung mit Smart Cities noch aus einem ganz anderen Grund interessant: vor ziemlich genau 20 Jahren war nämlich das Aufkommen „Digitaler Städte“ ein wichtiger Impuls für die ersten Skizzen zu meiner Dissertation über „Politische Projekte im Internet“. Ein wichtiger Beitrag zur damaligen Debatte kam vom inzwischen leider verstorbenen William J. Mitchell, der in seinem Buch City of Bits von 1995 schon sehr hellsichtig notiert hatte:

Within bitsphere communities, there will be subnetworks at a smaller scale still – that of architecture. Increasingly, computers will meld seamlessly into the fabric of buildings and buildings themselves will become computers – the outcome of a long evolution. (S. 171)

In diesem Sinne: die Arbeit hat gerade erst begonnen…

In eigener Sache: Wien

Sonntag, 3. Mai 2015

Oha, das ist aber lange her, seit es den letzten Eintrag hier im Blog gegeben hat – das ist keine Absicht, es war wirklich viel zu tun zuletzt… und es liegt keinesfalls am vermeintlichen Niedergang des Formats.

Nun aber.

Am kommenden Mittwoch bin ich zu Gast in der Enquete-Kommission zur Stärkung der Demokratie des österreichischen Parlaments in Wien. Zunächst hatte es eine Anfrage zur Teilnahme in der Sitzung zum Thema „Politik – Medien – Bürgerinnen und Bürger“ gegeben, die dann aber in ein Angebot zur Mitwirkung an der Anhörung „Parlamente in anderen Staaten“ umgewandelt worden ist. Ziele der Veranstaltung sind:

  • Vergleich der Aufgaben und Organisationsformen von Parlamenten anderer Staaten
  • Vergleich der Arbeitsbedingungen der Abgeordneten in den verschiedenen Parlamenten
  • Intensivierung der Kommunikation zwischen Abgeordneten und BürgerInne

Ich werde in meiner Stellungnahme (begrenzt auf 10 (!) Minuten) vor allem unter dem Stichwort „Digitalisierung des Bundestages“ reden, dabei berichte ich kurz über die Erfahrungen mit E-Petitionen sowie vor allem dem Adhocracy-Experiment enquetebeteiligung.de. Meine Perspektive ist dabei nicht die des technikaffinen Politik-Nerds, sondern des langweiligen Politikwissenschaftlers, der vor allem auf die Einbettung der neuen Werkzeuge und Plattformen in parlamentarische Abläufe und Strukturen achtet. Eine zentrale These ist dabei (in beiden Fällen), dass es einer starken Unterstützung der Verfahren innerhalb des Bundestages und der Bundestags-Verwaltung bedarf, um die Potenziale der digital erweiterten Artikulations- und Beteiligungsformate zu nutzen. Die Bedeutung der Schnittstellen in den parlamentarischen Raum findet angesichts der Fokussierung auf die formale, technische Seite bislang eher wenig Aufmerksamkeit, ist m.E. aber ein sehr wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Implementierung.

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Event, Advent

Freitag, 14. November 2014

Besinnlich wird das eher nicht in den nächsten Wochen, es stehen zum Jahresende noch einige Veranstaltungen ins Haus. Hier mal eine kurze Zusammenfassung inklusive einiger Infos zu den Themen und Events.

Am 25. November findet in Bonn die Abschlussveranstaltung zum Projekt Digitale Erregungskampagnen in Wirtschaft und Politik statt (intern: das Shitstorm-Projekt). Projekt und Veranstaltung werden von der Bonner Akademie für Forschung und Lehre Praktischer Politik (BAPP) unterstützt, die Arbeiten daran habe ich gemeinsam mit der geschätzten Kollegin Caja Thimm von der Uni Bonn durchgeführt, die auch den Impuls dafür gegeben hat. In Bonn findet dann auch die Panel-Diskussion statt, und zwar im sehr schönen Institut für Medienwissenschaft, das in der Alten Sternwarte in der Poppelsdorfer Allee beheimatet ist. An der Diskussion nehmen teil: Matti Bolte (MdL NRW, Bündnis 90/Die Grünen), André Kauselmann (Pressesprecher Social Media, ING-DiBa AG, Prof. Dr. Torsten Ostmanns (Partner/Global Marketing Director Roland Berger Strategy Consultants), Johannes Marcus Schäfer (Leiter Beratung/Marketingleiter, nexum AG) und Marina Weisband. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr.

Knapp eine Woche später geht es weiter in Dresden, am 3. Dezember spreche ich dort in der schönen Vorlesungsreihe Die demokratische Frage – neu gestellt. Kuratiert hat die Serie Mark Arenhövel, den ich noch aus der Gießener Zeit kenne, organisiert wird das ganze im Rahmen des „weiter denken“-Programms der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen. Mein Vortrag ist überschrieben mit Ethik: Das sinkende Schiff in politischen Gewässern? Gut, dass der gemeinsam mit Sven Grundmann herausgegebene ZPol-Sonderband Ethik und Politikmanagement einiges Material versammelt hat, mit dem ich das Publikum im Kleinen Haus des Dresdner Staatsschauspiels (hoffentlich) vom Gegenteil überzeugen kann.

Damit keine Langweile aufkommt, folgt am 5. und 6. Dezember der kleine, aber sehr feine Workshop Digitalisierung als Kulturprozess an der Universität Witten/Herdecke. Die Veranstaltung ist eine der letzten im Wissenschaftsjahr Digitale Gesellschaft – der Wittener Philosoph Matthias Kettner hatte eine Kooperation angeregt. Obwohl nur wenig Zeit zur Vorbereitung blieb, ist eine illustre Runde zusammengekommen, die im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung am 5. Dezember ab 18 Uhr im Forschungs- und Entwicklungszentrum (FEZ) der Universität einige Ergebnisse des Tages vorstellt. Mit von der Partie sind unter anderem Geert Lovink, Roberto Simanowski, Birger Priddat und Georg Franck.

Ein Tag Pause muss genügen, denn am 8. Dezember findet ab 19 Uhr im Duisburger Mercator-Haus (gleich neben der NRW School) die Käte-Hamburger-Lecture von Jeffrey Alexander statt. Der nicht ganz unbekannte Soziologe arbeitet an der Yale University und hat zuletzt gemeinsam mit Bernadette Jaworsky den Band Obama Power vorgelegt, eine sehr lesenswerte narrativ-performativ orientierte Studie des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2012. Sein Vortrag trägt den Titel The Crisis of Journalism Reconsidered  – hierzu bin ich als Discussant eingeladen und soll einige zielführende Kommentare beisteuern.

Danach folgen noch einige Seminartermine, Gremien und Forschungsgruppen-Sitzungen, einmal Rundfunkrat sowie diverse Weihnachtsfeiern. Na dann mal los…

Neulich, im Rechenzentrum

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Ja, ich weiß. Zuletzt ist hier im Blog nicht viel passiert (sorry!) und eine billige Methode, um etwas mehr Aktivität zu s(t)imulieren, ist die Wiederveröffentlichung alter Texte.

Genau das mache ich nun aber.

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Der Grund dafür liegt 20 (zwanzig!) Jahre zurück, und es ist die Publikation des ersten Textes, den ich über dieses Internet geschrieben habe. Im Herbst 1994 hatte mich ein gewisser Marx Marvellous ins Rechenzentrum der Gießener Justus-Liebig-Universität eingeladen, um mir oben am Heinrich-Buff-Ring in einem ziemlich menschenleeren Rechnerraum die seltsamen Praktiken des „Surfen“, „Mailen“ und „Chatten“ vorzustellen.

Was soll ich sagen – es war ein mehr als interessanter Nachmittag, mit unerwarteten Langzeitfolgen. Wenig später meldete ich Internet und Politik als Klausurthema für meine Magisterprüfung im Fach Politikwissenschaft an, im Frühjahr 1995 wurde daraus ein Exposé für eine Dissertation und im Sommer erhielt ich ein Stipendium der Hessischen Graduiertenförderung. Daraus wurde schließlich der Band Politische Projekte im Internet, erschienen 1999 im Campus Verlag.

Ach ja, eigentlich ging es aber doch um diesen alten Text für das in Gießen (okay, und in Marburg auch) weltberühmte Stadtmagazin Express. Passend zum Semesterstart erschien Virtuelle Kaffeekränzchen – Studententalk im Internet, und ich war sehr stolz darauf (Fun Fact: der damalige Ansprechpartner in der Gießener Geschäftsstelle steht heute einem nicht ganz unwichtigen Wochenmagazin in Hamburg vor).

Das Wiederlesen des Textes erzeugt ein bisweilen heftiges Schmunzeln – immerhin findet sich schon im dritten Absatz der Begriff Neuland. Auch die enorme Menge von Anführungszeichen sticht ins Auge – die allermeisten Fachbegriffe gehören inzwischen zum regulären Sprachschatz  und sind Duden-notiert. Völlig obskur wirkt im Rückblick der Absatz über Emoticons („Dem ungeübten Leser erschließt sich die Bedeutung erst, wenn er den Zeichen-Mischmasch um 90 Grad dreht und sich einen Kreis hinzudenkt.“).

Aber genug geredet, hier ist die kleine Ausgrabung der Zukunft. Viel Spaß!

Virtuelle Kaffeekränzchen – Studententalk im Internet

Marx Marvellous studiert in Gießen. Physik, 5. Semester. Letzte Woche traf er sich mit Charlie Parker, SpaceKelly und Zaphod B., um bei einem zünftigen „Chat“ Neues aus aller Welt zu erfahren. Seine Gesprächspartner aus Stockholm, Wien und Bordeaux versammelte „Marx“ jedoch nicht in der engen Studentenbude in Annerod, das exotische Quartett aus den europäischen Metropolen hielt sein virtuelles Kaffeekränzchen im Internet ab: Die vier „Netztouristen“ tummelten sich per Computer in einer elektronischen Konferenzschaltung.

Das Internet gilt als der weltweilt größte Verbund von Computer-Netzwerken, auf seinen verschlungenen Datenpfaden bewegen sich derzeit mehrere Millionen Benutzer. Das weltweite Telekommunikationsnetz stellt dabei die Verbindungen auf die Beine.

Das Gießener Eintrittstor zur virtuellen Computerwelt steht am Heinrich-Buff-Ring: Im Hochschulrechenzentrum (HRZ) können sich Studierende mit einer „student-mail“(s-mail)-Zulassung in die Informations-Tiefen des Internets stürzen. Die Vorlage von Personal- und Studentenausweis genügt: eine neue Netzwerk-Persönlichkeit ist geboren. Nach nur zwei Tagen erhält der Netz-Novize seine Kennung und darf die ersten Schritte im telekommunikativen Neuland wagen. Um sich im weitverzweigten Datendschungel einigermaßen zurechtzufinden, gibt das HRZ ordentlich Starthilfe. Info-Blätter zum Umgang mit Datennetzen, Software und vor allem der pfleglichen Konversation mit anderen Netzteilnehmern erleichtern die Orientierung im zuweilen hektisch bis chaotischen Internet-Gesprächsverkehr.

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Irgendwas mit Selfies

Sonntag, 10. August 2014

Ja, schon klar. Zum Thema Selfies ist eigentlich alles schon gesagt worden. Nur eben nicht von jedem, deshalb hier auch noch meine zwei Cents dazu. Ohne konkretes Ziel, eher als Ablage für Unfertiges auf dem open desk, angeregt von einer kurzen Visite in London diese Woche.

In der Hotellobby (die eher wie ein angesagter Gemischtwarenladen mit angeschlossenem Co-Workingspace aussah) stolperte man als erstes Zeichen über eine quasi-antike Photo Booth – da hätte man es schon ahnen können. Das Selfie ist tatsächlich zu einer starken kulturprägenden Kraft geworden, die Rede von einer Selfie Culture ist wohl wirklich nicht allzu weit hergeholt.

Gleich der erste Spaziergang führte in die White Cube Gallery, wo die eindrucksvolle Bildersammlung Scapegoating Pictures von Gilbert & George präsentiert wird. Das Künstlerpaar ist seit Karrierebeginn eine Art „lebendes Doppel-Selfie“, denn bekanntermaßen sind die beiden Herren in all ihren Werken präsent. Ob als singende Skulptur (von 1969) oder eben aktuell in grotesk-gruseligen Verrenkungen als zentrales Schaustück ihrer mitunter sehr wütenden Bildinstallationen.

ldn14_scapegoatIn einer sehenswerten Video-Kommentierung erläutern die beiden die Serie, die sie als „Townscapes“ bezeichnen, künstlerische Bestandsaufnahmen der urbanen Gegenwart. Schwer modern und sehr gut (mich irritiert im Video besonders die schwarz-rot-goldene Verzierung am Revers von George Passmore – ein Verweis auf den deutschen WM-Titel?). Zu den Bildern ließe sich natürlich auch noch vieles sagen (vor allem zu den Lachgas-Patronen, die sich nicht nur als wiederkehrendes Element der Ausstellung, sondern auch auf den Straßen von East London finden lassen) – aber auch das wäre ein anderes Posting.

ldn14_picturelistGut vier Meilen weiter westlich empfängt die nächste Protaginistin der Selfie Art ihre Gäste: in 512 Hours verstört Marina Abramovic das tapfer wartende Publikum, das sich – wenn es einmal in die heilige Halle der Serpentine Gallery eingelassen wurde – mit der Großmeisterin der Dauerperformance auseinandersetzen darf bzw. muss. Das Künsterselbst ist dabei bisweilen unangenehm präsent (vgl. die Eintragungen im Ausstellungs-Tumblr) – und ähnlich wie bei den omnipräsenten Digitalbildern ist ein Ausweichen oder Wegschauen nicht vorgesehen. Gleich in der benachbarten Sackler Gallery findet sich mit Ribbons von Ed Atkins die nächste mit dem Selfie-Phänomen mindestens verwandte Präsentation. Der unheimliche (uncanny) Avatar-Star der multiplen HD-Animationen mag dem Künstler vielleicht nicht ähnlich sehen, und doch liegt die Vermutung nahe, es handele sich hier eben auch „nur“ um eine digitale Version des Selbst.

Mit etwas mehr Zeit und einer nur wenig systematischeren Selektion könnte man der Reihe sicher noch weitere Beispiele hinzufügen – und nicht nur in London (ganz bestimmt auch in Berlin: nämlich mindestens mit der Bowie-Ausstellung im Gropius-Bau, aber die kommt ja ursprünglich auch von der Insel).

Fortsetzung folgt. Vielleicht. Wenn nicht hier, dann woanders, denn siehe oben: zur Selfie Culture ist eigentlich schon alles gesagt. Nur nicht von jedem.