Posts Tagged ‘#bildungsstreik’

Hier und da: der Protest im Netz.

Montag, 23. November 2009

Über den „digitalen Gehalt“ der aktuellen Hochschulproteste wird inzwischen vielerorts spekuliert (ich trage dazu bei, so gut ich kann: ein kleiner Kommentar beim Freitag ist gerade erschienen, in der Pipeline ist noch aßerdem Texte für zeit.de, Telepolis, ein Interview drüben beim Homo Politicus, sowie ein Gastkommentar für die Wirtschaftswoche. Ein paar Sätze gibt´s auch im Rahmen des BR2-Features „Die Belagerung Bolognas“).

Hier nun eine kleine Liste von good practices, die zeigen, warum eine gute Protest-Präsenz im Web 2.0 tatsächlich funktional sein kann. Natürlich ist die Aufzählung unvollständig, sie wird fortlaufend aktualisiert. Kommentare, Hinweise und Ergänzungen – gerne!

1. unibrennt.at

Die zentrale Protestplattform für die Aktionen in Österreich bündelt die Aktivitäten und ist eine übersichtliche Anlaufstelle. Sie funktioniert nicht nur als klassische „Homepage“, sondern bindet auch die diversen Web 2.0-Plattformen ein – auf diese Weise werden die vielen „digitalen Lagerfeuer“ (die – sehr treffende – Überschrift des ORF-Beitrages ist nicht von mir!) integriert.

2. Google-Mashups

Die Karte „Unsere Unis“ mit den Proteststandorten von Tom Schaffer (@schaffertom) ist zum heimlichen Protestportal geworden. Mit inzwischen mehr als einer Million Zugriffen erzielt diese weltweite Visualisierung eine extrem hohe Reichweite. Die Ortsmarken enthalten zudem Verweise auf die lokalen Streikseiten und bieten so Verzweigungsmöglichkeiten in die Protesthochburgen an.

Update: inzwischen gibt es auch so etwas wie „Micro-Maps“, die die Besetzungen von Hochschuleinrichtungen an einzelnen Standorten anzeigen. Hier das Beispiel aus Gießen.

Update: die USA ziehen nach und präsentieren auch eine Google Map of American Student Activism. Neben Besetzungen und Räumungen werden hier auch „einfache“ Demonstrationen oder „andere Nachrichten“ aus dem Protestumfeld markiert.

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In eigener Sache: MA, MZ, GI

Sonntag, 22. November 2009

In den kommenden Wochen stehen noch drei Vorträge auf dem Programm: am 24. November geht es nach Mannheim, am 3. Dezember nach Mainz und einen Tag später nach Gießen.

Den Auftakt macht ein Gastvortrag in der Vorlesung „Politische Kommunikation“ von Prof. Rüdiger Schmitt-Beck an der Universität Mannheim – dabei geht es um die Nutzung von Online-Videos im Bundestagswahlkampf. Allerdings: in Mannheim und auch in Mainz kann man im Augenblick wohl nicht anders, als zumindest kurz auf die aktuellen Online-Ereignisse im so genannten „Bildungsstreik“ einzugehen. Im Rahmen des Mannheimer Vortrags werde ich dazu die Rolle von Livestreams und anderen Online-Videos im laufenden Streikgeschehen ansprechen.

In der darauffolgenden Woche soll ich mich in meinem Beitrag zur Vorlesungsreihe Leben im Netz an der Universität Mainz mit der Entstehung der Piratenpartei auseinandersetzen. Genauer gesagt geht es natürlich um die Entwicklung der Piratenpartei im Superwahljahr 2009 und die Bedeutung der #zensursula-Kampagne für die Positionierung im Parteienlandschaft.

Der letzte Vortrag des Jahres findet an der Justus-Liebig-Universität Gießen statt, im Rahmen des von der VW-Stiftung geförderten Forschungsprojektes Innovationsrecht organisiert Prof. Dr. Martin Eifert einen internationalen Workshop. Dabei werde ich einige Thesen zum Thema Social Network Sites als neue Arena politischer Kommunikation vorstellen.

Ach ja: jetzt hätte ich es beinahe vergessen: für den 26. November gibt es noch einen Veranstaltungshinweis. Im Gießener Mathematikum findet dann die Veranstaltung Digitale Bürgerrechte in der vernetzten Gesellschaft statt. Das hessische Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert einen Diskussionsabend zum Thema, zu dessen Auftakt ich mit Thorsten Schäfer-Gümbel twittern reden werde – via Skype, da ich an diesem Tag vor Ort sein kann. Nach diesem kleinen Vorprogramm (ab 19.15 Uhr) leitet @tsghessen eine Podiumsdikussion mit Ralf Bendrath (wiss. Mitarbeiter im EU-Parlament), Annette Mühlberg (ver.di) und Michael Jäger (Schauspieler).

…und Stahlarbeiter twittern doch!

Dienstag, 17. November 2009

Demonstrierende Stahlarbeiter werden wohl kaum twittern.

So stand es geschrieben in einem Interview für jetzt.de (bzw. das Hochschulressort der SZ) zum beginnenden Hochschulstreik. Dieser nebenbei und locker dahin geworfene Satz dokumentiert die nach wie vor herrschende Ablehnung, oder sagen wir besser: ein diffuses Misstrauen gegenüber dem 140-Zeichen-Service Twitter. Im Rahmen eines Interviews für ZDF/heute.de wurde ich mit dieser Aussage konfrontiert – statt darüber nachzudenken, habe ich kurz gegoogelt und nach weniger als einer Minute stieß ich auf den Twitter-Account @usw1155. Die United Steelworkers aus Morrison, Tennessee haben zwar nur 86 Follower, aber immerhin – sie twittern. Und das ist nicht alles, ein Update vom Juli weist auf andere Web 2.0-Präsenzen hin:

We have added a video from the 7/23/09 Bridgestone Warren rally to our Facebook & Youtube pages. Please take look at your convenience.

Hierzulande diskutiert man an anderer Stelle mit Verve, ob der Bildungsstreik eher analog oder digital geführt wird und welche Rolle das Web 2.0 im Campusleben spielt. Wir werden sehen, wohin das führt – schließlich stehen die deutschen Hörsaalbesetzungen erst am Anfang und auch wenn mancherorts einiges daneben gehen mag, so dürfte sich in den nächsten Tagen auch die digitale Streikszene hierzulande konsolidieren.

In Österreich ist man in der nun vierten Streikwoche schon etwas weiter – aus Anlass des heutigen Bildungsstreiks habe ich für ORF.at einen kleinen Kommentar zu den Kommunikations- und Organisationsformen in .de und .at geschrieben, außerdem ist der bereits erwähnte Artikel auf heute.de erschienen.

Weiteres Material zum Thema lieferte heute morgen Till Westermayer (@_tillwe_) – seine streiknostalgischen Gefühle kann ich sehr gut nachvollziehen, ich hatte ja bereits hier im Blog auf die Verbindung zum Lucky Streik von 1997 verwiesen. Nun habe ich nochmal etwas tiefer gegraben und tatsächlich noch ein paar Daten-Fossile auf dem Gießener Uni-Server vorgefunden: das Dossier Hochschulstreik aus dem so genannten NetzLabor des Virtuellen Instituts für Cultur und Information (VInCI). Die Seiten in elegantem HTML (mit Frames!) funktionieren noch halbwegs fehlerfrei, ein paar Links sind aber sicher nicht mehr aktiv… Dokumentiert sind einige Texte, die damals entstanden sind sowie Interviews mit den Webmastern verschiedener Protest-Websites. Retro, retro.