Posts Tagged ‘Brasilien’

In eigener Sache: Recife, Salvador

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Entgegen anderslautender Gerüchte fahre ich nicht als DFB-Scout nach Brasilien, um die Quartierssuche für die WM im nächsten Jahr voranzubringen. (Oh, die automatische Plagiatskontrolle meldet ein Selbstzitat – stimmt, so ´was ähnliches hatte ich ja schon vor gut drei Jahren geschrieben…).

Richtig ist, dass ich am 17./18. Oktober am internationalen Symposium Democracia na Era da Internet des Goethe-Instituts und der Universität Bahia in Salvador (Brasilien) teilnehme. Bei der Veranstaltung diskutieren Wissenschaftler aus Deutschland und Brasilien über die Bedeutung politischer Kommunikation – die Bundestagswahl 2013 dient dabei als Vergleichspunkt für die im kommenden Jahr stattfindenden Präsidentschaftswahlen in Brasilien. Außerdem im deutschen Trikot laufen auf Jan Schmidt, Kathrin Voss und Gerhard Vowe. Ich darf einen Vortrag über die „Modernisierung der Demokratie durch digitale Medien“ beisteuern, dabei gehe ich neben uralten computerdemokratischen Vorarbeiten (Stichwort: ORAKEL) auf den Social Media-Wahlkampf zur Bundestagswahl, die Piratenpartei und Liquid Democracy ein.

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Noch vor dem Symposium in Bahia diskutiere ich am 14. Oktober in Recife über „Moderne Verwaltung, Transparenz und Öffentlichkeit“, Gastgeber ist dort das Centro-Cultural Brasil-Alemanha und die Fundação Joaquim Nabuco. Spannend klingt hier auch der Porto Digital, ein Innovationszentrum auf einer Insel direkt vor dem Stadtzentrum. Klingt nach Medienhafen 2.0…

Nur leider verstehe ich immer noch so gut wie nichts von diesem brasilianischen Portugiesisch…

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Straßenwahlkampf in Brasilien

Donnerstag, 23. September 2010

Nach der Rückkehr aus Salvador dokumentiere ich zunächst einmal ein paar Impressionen aus dem bunten (und sehr lauten) Straßenwahlkampf der bahianischen Metropole. Eine ausführlichere Version ist in Arbeit, Infos zur Publikation folgen. Erschienen sind inzwischen auch ein Kommentar für The European („Die mit dem Netz arbeiten“) sowie eine ausführlichere Darstellung der Online-Aktivitäten bei Telepolis („Candidatos Bizarros“). Ihren Abschluss findet die Brasilien-Trilogie (vorerst) mit einem Artikel für politik-digital.de über die Nutzung von Wahlcomputern („Urnas Eletrônicas“).

Bereits beim Transfer vom Flughafen ins Zentrum (der mit dem stilechten 70er-Jahre VW-Bulli des Goethe-Instituts durchgeführt wurde) ist die Präsenz des Wahlkampfs unübersehbar. Neben den typischen Wahlplakaten und Autoaufklebern gibt es im brasilianischen Wahlkampf allerdings auch noch Arbeitstechniken, die sich durchaus von den hiesigen Kampagnen unterscheiden.

Vornehmlich an viel befahrenen Straßenkreuzungen sind immer wieder FahnenträgerInnen postiert, die mehr oder minder enthusiastisch Werbebanner mit Name, Konterfei und Listennummer schwenken.


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In eigener Sache: Salvador-Bahia

Freitag, 10. September 2010

Nein, ich reise nicht auf Einladung des DFB zu einer Besichtigungstour der WM-Austragungsorte 2014 nach Brasilien – es war das Goethe-Institut, das mich für die Veranstaltung Mídia e Eleições na Alemanha (2009) e no Brasil (2010) nominiert hat. Ich soll dabei über die Entwicklungen im Online-Wahlkampf zur Bundestagswahl berichten und einen Bezug zur brasilianischen Präsidentschaftswahl am 3. Oktober herstellen.

(Bild via Boa Noticía)

Bei einer ersten Sichtung des Materials fallen gleich einige Dinge auf: aufgrund der geringen Reichweite (nur ca. 6 Millionen Nutzer) wird Facebook anders als in den USA, Deutschland oder Großbritannien keine großen Impulse für einen Wahlkampf in den Sozialen Netzwerken geben können. Das in Brasilien dominierende Netzwerk Orkut bietet dagegen mit mehr als 50 Millionen registrierten Nutzern ein breites Publikum, verfügt aber nicht über die für das social campaigning erforderlichen Kommunikationsroutinen. Einige der Kommentar- und Kontaktmöglichkeiten leiten die die Spitzenkandidaten Dilma Rousseff, José Serra und Marina Silva daher auf ihre Kandidatenhomepages um.

Videos spielen im Land der (Tele)Novelas natürlich auch eine Rolle, allerdings verwundert die geringe Zahl der Kanalabrufe bei YouTube schon ein wenig (Rouseff, Serra, Silva). Update: Okay, bei vimeo sieht das etwas anders aus, trotzdem sind die Zahlen nicht übermäßig hoch und stehen in keinem Verhältnis zur Online-Durchdringung des Landes mit etwa 75 Millionen Nutzern (Details folgen). Offenbar gibt es also auch im Video-Bereich eine leichte „Plattform-Verschiebung“.

Ganz anders entwickeln sich dagegen die Followerzahlen bei Twitter, die Profile der drei Spitzenkandidaten (@joseserra_, @dilmabr, @silva_marina) liegen deutlich im sechsstelligen Bereich und scheinen eine alternative Form der Virtuellen Kampagnenzentrale darzustellen.

Und schließlich: wer sich ein wenig im brasilianischen Wahlkampf umschaut, stolpert schnell über die Name-Zahlen-Kombination auf den analogen und digitalen Plakaten der Bewerber. Dilma13, Serra45 und Marina43 verweisen auf die jeweilige Position auf den Wahllisten – und sind besonders wichtig, weil in Brasilien flächendeckend Wahlcomputer zum Einsatz kommen. Stolz verweist das Tribunal Superior Eleitoral auf die schon seit Jahren äußerst moderne Wahlorganisation, die als besonderes „Schmankerl“ in diesem Jahr die biometrische Registrierung (man könnte auch sagen: „Erfassung“) der Wähler mittels Fingerabdruck und Portraitfoto aufweist (für Interessierte: das Video Por Dentra da Urna („In der Wahlurne“) gibt einen Überblick zur Geschichte der Medialisierung des Wählens in Brasilien).

Insgesamt also viele interessante Zutaten für einen spannenden Online-Wahlkampf. Nun müsste man nur noch etwas mehr von diesem Portugiesisch verstehen…

Update: Die Kampagne von Dilma Rousseff trägt die Handschrift einiger alter Bekannter – die Umsetzung wird begleitet von Blue State Digital, dem US-amerikanischen Unternehmen, das u.a. für die Obama-Kampagne verantwortlich zeichnet. Eine gute Zusammenfassung der Online-Aktivitäten liefert dieser Überblick bei Yahoo! News (Stand vom 19. August 2010). Nicht verpassen: den YouTube-Kampagnenhit „Dilmaboy“ .