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In eigener Sache: Vila Sul

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Zuletzt hatte ich es angedeutet – im gerade begonnenen Forschungssemester wird es auch eine längere Abwesenheit geben, hier nun einige Informationen dazu. Am 27. Oktober beginne ich einen Auslandsaufenthalt als Gast im Residenzprogramm Vila Sul, das vom Goethe-Institut Salvador-Bahia veranstaltet wird (ja genau, es geht um Brasilien). Bis zum 15. Dezember wohne und arbeite ich in den Räumen des Instituts, das als einer von (bisher) wenigen GI-Standorten auf diese Weise den Austausch und die Kommunikation mit lokalen Szenen vor Ort fördert.

vilasul_gabrielarandig_2016

(Ja. Dort.)

Das Residenzprogramm richtet sich an „Intellektuelle,‭ ‬Künstler/-innen,‭ ‬Wissenschaftler/-innen und Autoren/-innen aller Disziplinen bzw.‭ ‬an interdisziplinär arbeitende oder forschende Personen“.‭ Es gibt auch ein gemeinsames Thema für die Resident:innen, dies ist recht allgemein, aber nicht unspannend, mit Süden‭ überschrieben. Im Rahmentext dazu finden sich durchaus gute Anknüpfungspunkte zu meinen bisherigen Arbeiten:

In einer sich immer stärker globalisierenden Welt‭ ‬– mit den Hauptmerkmalen einer sich potenzierenden Digitalisierung und der gleichzeitigen Suche nach neuen‭ analogen‬ Beziehungen‭ ‬– sind kulturelle Vernetzungen eines der wichtigsten‭ Instrumente der Positionierung.‭ ‬Residenzen sind dabei ein besonders wirksames Format für nachhaltige Begegnung und kreative‭ (‬Ko-‭)‬Produktion.‭ ‬Allerdings bedarf es neuer Ansätze,‭ ‬die es vermögen,‭ ‬vielfältig zu agieren und multipel zu wirken.‭ ‬Denn das bloß‭ Bilaterale‬,‭ ‬das Hin und Her,‭ ‬ist in dieser Welt,‭ ‬die nach einer neuen Ordnung sucht,‭ ‬nicht mehr ausreichend.

Das Residenzprogramm steht in Salvador noch am Anfang, in den Zeitraum meines Aufenthaltes fällt auch die offizielle Eröffnung am 16. November – hier ist mit Bundestagspräsident Norbert Lammert ein sehr interessanter Gast angekündigt (der bis dahin vielleicht ja noch interessanter geworden ist).

Gefördert wird der Aufenthalt nicht nur durch das Goethe-Institut, ein weiterer Partner ist die Robert-Bosch-Stiftung – in Salvador wird es während des Aufenthaltes einige öffentliche Veranstaltungen geben, im Goethe-Institut und evtl. auch an der Bundesuniversität von Salvador-Bahia (UFBA). Dorthin gibt es bereits einige Verbindungen, denn ich war bereits 2010 und 2013 jeweils für einige Tage zu Gast in Salvador. Beide Besuche waren überaus ertragreich, aber ein längerer Forschungsaufenthalt wird sicher noch ganz andere Einblicke ermöglichen.

Besonders interessant erscheint aus politikwissenschaftlicher Perspektive zunächst die Frage nach dem aktuellen Zustand des politischen Systems – das Impeachment der gewählten Präsidentin Dilma Rousseff und die Amtsübernahme ihres ehemaligen Stellvertreters Michel Temer ist ein Novum für die noch immer junge Demokratie. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand, der zu meinem Forschungsportfolio passt, ist die Comissao Nacional da Verdade sowie die damit verbundene Transparenzoffensive. Das Gremium hat sich bis 2014 mit der Aufarbeitung der Militärdiktatur befasst,  die ehemalige Präsidentin Rousseff hatte hier auch Aspekte der Tätigkeit von Ethik-Kommissionen stärken wollen. Ob davon noch etwas zu spüren ist? Wir werden sehen.

In den nächsten Wochen werde ich den Aufenthalt in Brasilien hier im Blog begleiten, nicht unbedingt mit einer sehr verregelten Publikationsstruktur, aber es sollte doch mit einer wesentlich höheren Frequenz von Postings zu rechnen sein.

(Okay, es gäbe da noch dieses prominente Musik-Video, das in Teilen in der Altstadt von Salvador gedreht wurde. Aber nein, das poste ich hier nicht).

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In eigener Sache: Salvador-Bahia

Freitag, 10. September 2010

Nein, ich reise nicht auf Einladung des DFB zu einer Besichtigungstour der WM-Austragungsorte 2014 nach Brasilien – es war das Goethe-Institut, das mich für die Veranstaltung Mídia e Eleições na Alemanha (2009) e no Brasil (2010) nominiert hat. Ich soll dabei über die Entwicklungen im Online-Wahlkampf zur Bundestagswahl berichten und einen Bezug zur brasilianischen Präsidentschaftswahl am 3. Oktober herstellen.

(Bild via Boa Noticía)

Bei einer ersten Sichtung des Materials fallen gleich einige Dinge auf: aufgrund der geringen Reichweite (nur ca. 6 Millionen Nutzer) wird Facebook anders als in den USA, Deutschland oder Großbritannien keine großen Impulse für einen Wahlkampf in den Sozialen Netzwerken geben können. Das in Brasilien dominierende Netzwerk Orkut bietet dagegen mit mehr als 50 Millionen registrierten Nutzern ein breites Publikum, verfügt aber nicht über die für das social campaigning erforderlichen Kommunikationsroutinen. Einige der Kommentar- und Kontaktmöglichkeiten leiten die die Spitzenkandidaten Dilma Rousseff, José Serra und Marina Silva daher auf ihre Kandidatenhomepages um.

Videos spielen im Land der (Tele)Novelas natürlich auch eine Rolle, allerdings verwundert die geringe Zahl der Kanalabrufe bei YouTube schon ein wenig (Rouseff, Serra, Silva). Update: Okay, bei vimeo sieht das etwas anders aus, trotzdem sind die Zahlen nicht übermäßig hoch und stehen in keinem Verhältnis zur Online-Durchdringung des Landes mit etwa 75 Millionen Nutzern (Details folgen). Offenbar gibt es also auch im Video-Bereich eine leichte „Plattform-Verschiebung“.

Ganz anders entwickeln sich dagegen die Followerzahlen bei Twitter, die Profile der drei Spitzenkandidaten (@joseserra_, @dilmabr, @silva_marina) liegen deutlich im sechsstelligen Bereich und scheinen eine alternative Form der Virtuellen Kampagnenzentrale darzustellen.

Und schließlich: wer sich ein wenig im brasilianischen Wahlkampf umschaut, stolpert schnell über die Name-Zahlen-Kombination auf den analogen und digitalen Plakaten der Bewerber. Dilma13, Serra45 und Marina43 verweisen auf die jeweilige Position auf den Wahllisten – und sind besonders wichtig, weil in Brasilien flächendeckend Wahlcomputer zum Einsatz kommen. Stolz verweist das Tribunal Superior Eleitoral auf die schon seit Jahren äußerst moderne Wahlorganisation, die als besonderes „Schmankerl“ in diesem Jahr die biometrische Registrierung (man könnte auch sagen: „Erfassung“) der Wähler mittels Fingerabdruck und Portraitfoto aufweist (für Interessierte: das Video Por Dentra da Urna („In der Wahlurne“) gibt einen Überblick zur Geschichte der Medialisierung des Wählens in Brasilien).

Insgesamt also viele interessante Zutaten für einen spannenden Online-Wahlkampf. Nun müsste man nur noch etwas mehr von diesem Portugiesisch verstehen…

Update: Die Kampagne von Dilma Rousseff trägt die Handschrift einiger alter Bekannter – die Umsetzung wird begleitet von Blue State Digital, dem US-amerikanischen Unternehmen, das u.a. für die Obama-Kampagne verantwortlich zeichnet. Eine gute Zusammenfassung der Online-Aktivitäten liefert dieser Überblick bei Yahoo! News (Stand vom 19. August 2010). Nicht verpassen: den YouTube-Kampagnenhit „Dilmaboy“ .