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Election Countdown: Sunday

Sonntag, 2. November 2008

Saturday Night & Sunday Morning

Die Performance von John McCain in der Show Saturday Night Live ist für viele einer der besseren Beiträge in der laufenden Kampagne (vgl. den Beitrag und bes. die Nutzerkommentare in der New York Times). McCain hatte den Abend gemeinsam mit Sarah-Palin-Double Tina Fey als Werbebeitrag des Verkaufssenders QVC eröffnet. Dabei wurden allerlei Memorabilia aus der Kampagne angeboten, eine vielleicht etwas grobschlächtige Analogie zum selling of the president als gängige Wahlkampfstrategie. Nichtsdestotrotz, die gut sechsminütige Sequenz war teilweise mit beißendem Spott und Selbstironie ausgestaltet. Ein Höhepunkt war sicher die Vorstellung der (von Cindy McCain wortlos präsentierten) Geschmeide-Serie McCain Fine Gold – einer nicht unsubtilen Referenz an den McCain-Feingold Act zur Reform der Kampagnenfinanzierung (vgl. bes. dazu den umfänglichen Beitrag auf SpOn ;-).

Dass SNL sich nicht vollständig in den Dienst der Kandidaten stellt, wurde allerspätestens bei einem Alleingang von Fey/Palin deutlich, die sich zur Seite drehte und dort ein T-Shirt mit der Aufschrift „Palin 2012“ präsentierte (und nebenbei auch weitere Karriereoptionen andeutete: „Ich bleibe nicht in Alaska, vielleicht werde ich die weiße Oprah Winfrey“). Im weiteren Verlauf der Sendung stellte McCain dann noch mit teilweise bitterer Selbstironie einige mögliche Strategien für die letzten Kampagnentage vor, mit solch schönen Namen wie Double Maverick („which means I simply go berserk“), The Charleston („we limit our Campaign to Charleston only“) oder The Sad Grandpa („Obama has plenty of time to become President – this year it´s my turn“).

Trotz des in großen Teilen positiven Feedbacks (wenig überraschend ist der SNL-Auftritt das derzeitige Hauptthema unter Twitter-Nutzern) konzentrieren sich die Sonntagsausgaben der Zeitungen auf andere, konventionellere Elemente der Kampagnen. In den ersten Zusammenfassungen wird die historische Qualität des Wahlkampfs und die Tragweite der Wahl beschworen (New York Times, Boston Globe, SF Chronicle), Obamas „lange und eindrucksvolle Kampagne“ gewürdigt (Guardian) oder ein Blick auf die aktuelle Lage in den wichtigsten Swing States geworfen (RealClearPolitics). Dabei stellen sich viele Beobachter die naheliegende Frage, inwiefern die Umfragen nun tatsächlich eine Auskunft darüber geben, wer am Dienstag tatsächlich wählen gehen wird (Washington Post, Chicago Tribune).

…meanwhile, on the Internet

Ein weiteres Argument, warum der SNL-Auftritt von McCain (aber vielleicht sogar auch das teure Obama-Infomercial vom vergangenen Mittwoch) möglicherweise keine allzugroßen Wirkungen entfalten, liefert ein am 31. Oktober erschienener Bericht des Pew Research Center for the People and the Press. Im zentralen Kampagnenmonat Oktober nannte ein Drittel der Befragten das Internet als Hauptquelle für Wahlinformationen. Selbst wenn das Fernsehen, das drei Viertelals bevorzugtes Nachrichtenmedium nutzen, die öffentliche Wahrnehmung der Kampagnen noch immer dominiert, so zeigt sich insbesondere in den Veränderungsraten die Dynamik der Online-Nutzung. Die Werte für die „alten Medien“ stagnieren, während das Internet im Vergleich zum Jahr 2004 um satte 24% zulegen kann. Daraus resultiere bereits eine unmittelbare Konkurrenzsituation zu den Printmedien, folgert die Untersuchung:

The internet now rivals newspapers as a main source for campaign news. And with so much interest in the election next week, the public’s use of the internet as a campaign news source is up even since the primaries earlier this year. In March, 26% cited the internet as a main source for election news, while the percentages citing television and newspapers remain largely unchanged.

Bei aller Vorsicht, die bei solchen Umfragen geboten ist, illustriert der Report die weithin vermutete generational gap bei der Online-Nutzung mehr als anschaulich und ähnelt darin auch den Erfahrungen aus der ARD/ZDF-Onlinestudie:

Not surprisingly, the internet is a considerably more popular source for campaign news among younger Americans than among older ones. Nearly three times as many people ages 18 to 29 mention the internet as mention newspapers as a main source of election news (49% vs. 17%). Nearly the opposite is true among those over age 50: some 22% rely on the internet for election news while 39% look to newspapers. Compared with 2004, use of the internet for election news has increased across all age groups. Among the youngest cohort (age 18-29), TV has lost significant ground to the internet.

Dazu passt eine gerade veröffentlichte Umfrage von Nielson Online im Auftrag der Newspaper Association of America, die einen Zuwachs der Nutzung von Zeitungs-Websites um 16% im dritten Quartal 2008 meldet (im Vorjahresvergleich) . Der Zusammenhang mit der Wahl (und der Finanzkrise) scheint auf der Hand zu liegen, wird aber nicht explizit erwähnt.

Election Countdown: Saturday

Samstag, 1. November 2008

Halloween

Noch drei Tage bis zur Wahl, und schenkt man den Medienberichten Glauben, dann dreht sich hier nun wirklich alles um den election day am Dienstag. Ganz so schlimm ist es aber nun auch wieder nicht. Selbst im Halloween-Trubel gestern waren sehr wenige Obama-, McCain- oder Palin-Doubles zu sehen. Zumindest letztere hätte man sich schon in auffälliger Zahl auf der Straße vorstellen können. Politische Kostüme gab es natürlich trotzdem, besonders oft waren erfolglose Banker eine Zielscheibe („Will Bank for Food“, „I am the National Debt“…).

Early Voting

Am letzten Wochenende vor dem ersten Dienstag im November sortiert sich nun allmählich die mediale Lage: während in der zweiten Wochenhälfte noch einmal größere Medienanstrengungen zu besichtigen waren (das Obama-Infomercial, eine Reihe neuer TV-Spots, größere TV-Interviews der beiden Spitzenkandidaten), ist jetzt der Endspurt zur Urne an der Reihe. Flankiert wird das ganze durch die regelmäßign Berichterstattung über das early voting, in vielen Staaten eine Neuerung. Daher liegen auch nur wenige Vergleichsdaten vor, die einen Aufschluss über die Validität der frühen Wahlergebnisse bzw. exit polls geben könnten.

Einen sehr guten Überblick gibt das Earling Voting Information Center mit einem akkurat geführten Weblog:

I should be clear: we’re a non-partisan academic research center, and we try to study and present all interesting aspects of early voting, regardless of the party angle. All the same, it’s very hard to spin the numbers we are seeing so far in any way that doesn’t tell a bad story for John McCain.

Das Team um Paul Gronke hält nicht nur gute Informationen über die bislang vorliegenden Daten zur vorgezogenen Stimmabgabe bereit, sondern analysiert auch deren Bedeutung für die Kampagnen: relevant seien nicht so sehr die Ergebnisse der Stimmabgabe und auch nicht die beinahe durchweg höhere „Frühwahl-Aktivität“ von als Demokraten registrierten Wähler. Ein entscheidender Vorteil für das Obama-Lager bestünde vor allem in den verbesserten Möglichkeiten zum voter targeting in den letzten Tagen vor der Wahl – da viele Staaten ausführliche, personenbezogene Daten zu den Frühwählern veröffentlichen, können die Kandidaten ihre Kampagnen noch präziser abstimmen als bisher:

By turning out committed partisans early, campaigns can check them off, and then focus their get-out-the-vote efforts in the last few days on marginal and undecided voters. Campaigns have a vast machinery in place on the ground in many states, but their resources and time are still limited. Early voting allows them, essentially, to stop wasting precious time on those who have voted.

E-Voting

Vom early zum electronic voting. Gerade ist ein Artikel von Christopher Harth bei Telepolis zum diesjährigen Einsatz von Wahltechnologie in den USA erschienen – ein Thema, dass auch nach Halloween bei vielen für Angst und Schrecken sorgt. Das von ihm vorgestellte Projekt Verified Voting hat eine Landkarte der US-amerikanischen Wahltechnologie entwickelt und verweist auf die Gefahren minderwertiger Wahltechnologien (ein von mir geführtes Interview mit David Dill, Professor für Computer Science an der Stanford University wartet noch auf seine Auswertung…). Die Tücken des elektronischen Wählens sind aber nur ein Problem, über das man sich den Kopf zerbricht: die Titelgeschichte der Time vom 3. November (sic) widmet sich Seven Things That Could Go Wrong on Election Day. Wahlmaschinen rangieren hier an #4, außerdem werden Fragen von Wähler-Registrierung und -datenbanken, schlechte Formulare oder Misinformationen durch Wahlhelfer diskutiert.

Saturday Night Live

Und dann ist natürlich wieder Samstag, Zeit für die wöchentliche Politainment-Dosis am späten Abend, live aus New York. Für den heutigen Abend ist Ben Affleck als Gastgeber angekündigt, und der bekennende Obama-Unterstützer empfängt – ja, tatsächlich – John McCain. Für Montag steht dann schließlich noch der große SNL Election Eve Bash als letzter Schlag vor dem Wahltag auf dem Programm.